Die Geschichte des werdenfelser Landes

Das Werdenfelser Land bildet heute den Kern des Landkreises Garmisch-Partenkirchen. Es wurde erst mit der Säkularisation im Jahre 1803  ein Teil des damaligen Kurfürstentums Bayern und ab 1806  des Königreichs Bayern.
Spuren menschlicher Besiedelung gehen jedoch Jahrtausende zurück. Bereits vor 4000 Jahren soll es Siedler bei Aidling und Leibersberg gegeben haben. Bei Aidling nahe des sogenannten Mesnerhauses soll eine Kultstätte der Göttin Ostaria gewesen sein und nicht weit davon, auf der "Aidlinger Höhe" wurde dem römischen Gott Saturn geopfert.
Im Jahr 15 vor Christus stießen die Römer nach Norden vor und eroberten die Provinz Raetien. Im ganzen Land wurden römische Truppen stationiert und überall Straßen angelegt. Entlang dieser Straßen wurden Lager angelegt. Eines dieser Lager war Partanum, das heutige Partenkirchen. Die Straße hieß via Claudia Augusta, wurde unter Kaiser Claudius begonnen und unter Kaiser Septimius Severus (193-211) in den letzten Teilstücken beendet. Die via Claudia Augusta führte von Italien nach Augsburg. Ein besonders schönes Teilstück ist bei Klais heute noch zu bestaunen.

Über die alte Römerstraße zogen zwischen 950 und 1250 achtundvierzig  Heereszüge in den Süden. Auch Kaiser  Barbarossa nahm auf seinen Eroberungszügen diesen Weg.

 

Im Jahre 802 wurde Garmisch als Gemareskavve erstmals erwähnt. 
Mit den Römern war auch das Christentum gekommen Im 8. Jahrhundert wurden viele der bekannten Klöster gegründet, Kochel, Benediktbeuren, Staffelsee, die von den  Hunnen  alle im Jahre 955 niedergebrannt wurden. 
Das älteste Baudenkmal im  Werdenfelser Land ist die Burgruine Werdenfels. Man geht heute davon aus, dass sie im 1180 erbaut wurde. Die Burg Werdenfels war wahrscheinlich eine der größten Festungen des Oberlandes.  1249 wurde sie an den Fürstbischoff Conrad von Freising verkauft. 1294 übernahm der Fürstbischoff Emicho von Freising Bertold III von dem letzten Grafen von Eschenlohe die Ländereien von Partenkirchen über Mittenwald bis Tirol. Hiermit begann die Herrschaft der Freisinger Bischöfe die erst 1803 endete. 1294 gilt als die Geburtsjahr des "Werdenfelser Landes". ruinewerdenfels2.jpg (12514 Byte)
Die Zeit der Freisinger Herrschaft war geprägt durch den Handel entlang der Rottstraße, dessen Höhepunkt 1487 die Verlegung des Bozener Marktes nach Mittenwald brachte. An vielen Orten wurde Bergbau betrieben. Das Bergwerk im Höllental bestand bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Das dunkelste Kapitel in dieser Zeit waren die großen Hexenprozesse von 1589 bis 1591 die 50 unschuldige Frauen und einen Mann auf den Scheiterhaufen brachten. Bei ca. 2500 Einwohnern war das ein furchtbarer Aderlass.
Der Dreißigjährige Krieg brachte zuerst den Einfall der Schweden, dann 1633 die Pest mit viele Opfern. 
Die spanischen Erbfolgekriege, Kämpfe in der Napoleonischen Zeit und verheerende Großbrände ließen die Landschaft verarmen.
Einen erneuten Aufschwung brachte erst der Bau der Eisenbahn im Jahre 1889 und der langsam einsetzende Fremdenverkehr. Die olympischen Spiele1936 brachten der Region einen hohen Bekanntheitsgrad von dem sie heute noch profitiert. Allerdings brachte das Dritte Reich auch seine dunklen Seiten in das Werdenfelser Land. Die Vertreibung der jüdischen Mitbürger (Beiträge zur  Geschichte von Garmisch-Partenkirchen im 20. Jahrhundert von Alois Schwarzmüller) hat die Strukturen des Fremdenverkehrs gegenüber vergleichbaren Orten in der Schweiz verändert.
Nach dem Krieg wurden im Werdenfelser Land große Integrationserfolge Vertriebener erreicht. Die Einwohnerzahl  von Garmisch-Partenkirchen liegt jetzt konstant bei etwa 28 000 Einwohnern. 
Die olympischen Spiele und die Erfolge der Tourismusmanager haben die Schönheiten des Landkreises in den Blickpunkt gerückt. Viele Mitbürger suchen hier im Urlaub Erholung und Entspannung. Manche bleiben dann hier, die einen mit ihrem Altersruhesitz, die anderen mit einer Zweitwohnung die sie immer wieder aufsuchen. Die hohe Anzahl an Zweitwohnsitzen bringt  große Probleme und ein übersteigert hohes Niveau der Mieten. Viele Bürger können sich das Wohnen in Garmisch-Partenkirchen und seinen Nachbarorten nicht mehr leisten, der Ort überaltert. Dies schlägt zum Einen durch auf den Arbeitsmarkt, wo für Dienstleistungen immer schwerer Arbeitskräfte zu finden sind, zum Anderen wohnen viele in den Nachbarorten, was ein überaus hohes Verkehrsaufkommen auf allen Straßen bringt.
Der Tourismus bringt mit etwa sechs Millionen Übernachtungen pro Jahr ständig Geld in den Landkreis. Wo früher bittere Armut herrschte, erfreuen wir uns heute eines großen Wohlstands. Diesen können wir nur erhalten, wenn wir auch nachhaltig darauf achten die Grundlagen, eine intakte, unglaublich schöne Natur auch langfristig nicht durch übertriebene Erschließungsmaßnahmen zu stören und zu zerstören.