Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen - 1950-2003 - Entwicklung und Bewährung

 


1997/98 - 676 Schüler  - Volker Schubert

Das Schuljahr begann mit einem Aufschwung bei den Schülerzahlen – erstmals seit lan­gem konnten wieder vier Eingangsklassen gebildet werden. Trotz aller staatlichen Ein­sparmaßnahmen konnte der Pflichtunterricht voll abgedeckt werden. Er wurde ergänzt durch ein breites Angebot an Wahlunterricht und differenziertem Sport.

Wie es überhaupt weitergehen könnte mit dem Werdenfels-Gymnasiums, das war das Thema einer Untersuchung, die Peter Griesmeier im Rahmen einer Diplomarbeit am Lehrstuhl für Volkswirtschaft der Universität Bayreuth im November 1997 unter dem Titel „Strategisches Management im Schulbereich – Eine theoretische und empirische Analyse anhand des Werdenfels-Gymnasiums Garmisch-Partenkir­chen“ vorlegte. Der Autor kam dabei zu interessanten Ergebnissen und Schlussfolgerungen. Zur Ges­tal­tung eines bedarfs- und wettbewerbsorientierten Schulangebots schlug er vor, am WG einen weiteren Schulzweig einzuführen. Von Elternseite war ja schon vor längerer Zeit der musische Zweig ins Gespräch gebracht worden. Ein wirtschaftswissenschaftlicher Zweig, so Peter Griesmeier, „würde zum Dienstleistungscharak­ter des Landkreises Garmisch-Partenkirchen passen.“[24] Außerdem regte er an, durch betriebliche Praktika für Schüler Kontakte zur Wirtschaft zu ermöglichen und dadurch die Bezüge der Schüler zur Lebenswirklichkeit zu stärken; auch das Angebot von Nachmittags- und Hausaufga­benbetreuung sollte in diesem Zusammenhang überprüft werden, „auch wenn dadurch kaum mehr Abhebung von der Konkurrenz möglich ist.“[25] Griesmeier wies auch darauf hin, dass das Werdenfels-Gymnasium noch kein eindeutiges Schulprofil besitze. Er hielt es für sinnvoll, das WG „als besonders sport-, kunst- oder sprachorientierte Schule am Markt zu positionieren. Auch eine Positionierung als besonders an der Wirtschaftsstruk­tur des Landkreises Garmisch-Par­tenkir­chen orientierte Schule wäre denkbar.“[26] Die aus­führliche Berichterstattung über die vielfältigen Veranstaltungen des Werdenfels-Gymnasiums in der Tagespresse wurde zwar gelobt, es sei aber, so der Autor der Dip­lomarbeit, wenigstens mittelfristig sinnvoll, für eine breitere Öffentlichkeitsarbeit eine ei­gene Imagebroschüre zu erstellen.

Aus München – und zwar sowohl vom Salvatorplatz wie aus dem Maximilianeum – ka­men ebenfalls Reformvorschläge. Die Unter- und Mittelstufe an den bayerischen Gym­nasien sollte neue Stundentafeln erhalten. Und die Schulen sollten sich als Versuchska­ninchen zur Verfügung stellen. Nach eingehender Diskussion im Kollegium und mit dem Elternbeirat wurden die Vorschläge als „Schnellschuss im Vorfeld der Landtagswahl“ abgelehnt und eine Beteiligung des Werdenfels-Gymnasiums an den Versuchen ver­worfen.

Die Wiederherstellung der Aula als repräsentativer Konzertsaal machte große Fort­schritte. Die Sanierung der Aula - Pläne 1998Decke wurde mit feuerhemmendem Material neu eingezogen, die Bühne mit einem ausziehbarem Podium und einem eigenen großen Zugang von der Bahnhof­straße her ausgestattet. Unter der Bühne, wo nach dem Krieg die Wurstküche der Metz­gerei Neuner und später dann die Musikschule untergebracht war, entstanden ordentli­che Um­kleide- und Schminkräume. Für die MusikschSanierung der Aula - 1998üler und für ihre Lehrer wurden jetzt im Turm des Gymnasiums neue Räume eingerichtet. Das fest mit dem Boden verbun­dene alte Gestühl wurde durch eine lose Bestuhlung ersetzt. Der Parkettboden wurde wieder verwendet, nachdem zuvor eine Fußbodenheizung eingebaut worden war. Sehr genau wurde darauf geachtet, dass der klassi­zistische Charakter des Saales nicht an­getastet oder gar zerstört würde. Die geplanten Sanierungs- und Umbaukos­ten waren vor allem wegen unerwarteter Mehrarbeiten an der Decke nicht mehr zu halten – sie wa­ren inzwischen von 3,6 auf 4,2 Millionen DM angestiegen.

Da platzte die nächste unerfreuliche Nachricht in den Schulalltag. Die Verlängerung des Pachtvertrages für den Schulsport­platz auf dem „Zerhochanger“ zwischen Mühlbach und Partnach – nur zwei Minuten von der Schule entfernt – drohte zu scheitern. Er ge­hörte – und gehört immer noch – zu den schönsten Schulsportplätzen in ganz Bayern. Ein Ausweichen auf den gemeindli­chen Sportplatz des „Ritter-von-Halt-Stadions“ am Garmischer Gröben war keine Alter­native, da die Entfernung viel zu groß ist. Nach eini­gem Hin und Her kam es dann im Juni 1998 zu einer neuen Einigung zwischen dem Be­sitzer des Grundstückes und dem Landkreis als Pächter, so dass die 30 und mehr Sportklassen mit ca. 80 Wochenstunden Sport vom Frühjahr bis in den Herbst hinein diesen gut ausgestatteten Leichtathletik- und Fußballplatz wieder benutzen konnten.

Auch ein anderes Problem konnte in guter Zusammenarbeit mit der Landkreisverwaltung gelöst werden. Die Privatisierung des Pausenverkaufs im Herbst 1994 hatte die Erwar­tungen nicht erfüllt, die damals in sie gesetzt worden waren. Im Gegenteil: Schüler und Eltern kritisierten das Michael Hibler und Peppi Fritz beim Pausenverkauf - 1998Warenangebot, eine Mittagsversorgung kam nicht zustande und die Preise galten als überteuert. Im April wurde der Pachtvertrag im gegenseitigen Ein­vernehmen aufgelöst und die Hausmeister erhielten – auf Empfehlung des Schulforums – vom Landratsamt die Erlaubnis, den Pausen­verkauf wieder in eigener Regie zu über­neh­men, mit Auflagen, die von allen Beteiligten akzeptiert werden konnten. Oberstu­diendirek­tor Dr. Wabra begrüßte die Entwicklung in die­ser „unendlichen Geschichte“ als „praktika­belste und schülernaheste Lösung.“ Fortan wurden Wurst- und Käsesemmeln, Brezen und Vitamingetränke wieder von Peppi Fritz und Michael Hibler verkauft und die Schüler freuten sich über die freundliche Bedienung.

Neues tat sich in der EDV-Ausstattung. Studienrat Andreas Hirsch, inzwischen mit dem schönen Titel „Systembetreuer“ ausgestattet, hatte die An­forderungen genau umrissen[27]. Danach wurde von der Schule erwartet, dass der Compu­ter als selbstverständliches Arbeitsmittel eingeführt und der Umgang mit der da­für notwendigen Hard- und Software unterrichtet wurde und dass die Chancen und Probleme der zunehmenden Vernetzung unserer Welt im Unterricht vermittelt werden. Dazu waren vielfältige und kostspielige Ressourcen notwendig. Aber der Landkreis zeigte sich auch hier verständnisvoll und großzügig. Ein neuer Server und ein ISDN-Router erleichterten die Arbeit in einem breit gefächerten Angebot an Informatikkursen. Stolz präsentierte sich das Werdenfels-Gymnasium als erste Schule weit und breit mit einer eigenen Homepage im Internet. Die Adresse http://www.gap.baynet.de/members/werdenfels.gym war zwar noch ein wenig umständlich, aber man konnte jetzt mit  ihr aus der ganzen Welt Informationen über das Wer­den­fels-Gymnasium abrufen.

Überhaupt galt Informatik als „die große Chance.“[28] Zumal dann, wenn man den geball­ten Verstand einer wissenschaftlichen Institution wie der des mathematischen In­stituts der Universität Augsburg an die Schule holen konnte. Professor Ronald Hoppe, Lehrstuhlinhaber für angewandte Analysis, referierte auf Einladung von Andreas Hirsch im April vor den Schülerinnen und Schülern der Kollegstufe über wissenschaftliche Ma­thematik und aktuelle Forschungsprobleme.

Ob mathematische Fertigkeiten oder spekulatives Gespür oder einfach nur das Glück entscheidend waren, das wusste das WG-Team GAP beim Börsenspiel auch nicht ganz genau. Jedenfalls landete die Gruppe um Clemens Wildegans  - beraten von Stu­diendirektor Werner Echter – mit einem ordentlichen Gewinn auf dem ersten Platz im Landkreis und bundesweit bei knapp 50000 Teilnehmergruppen auf dem 96. Rang. Im­merhin konnte die Schule zur Belohnung dafür 400.- DM von der Kreissparkasse Gar­misch-Partenkirchen in Empfang nehmen. Einen echten Gewinn verteilten die Mitglieder der SMV aus dem Erlös des Weihnachtsbasars: Die Einnahmen in Höhe von 2900.- DM nahm 2. Bürgermeister Biwi Rehm, bis vor kurzem noch als Studiendirektor am WG tätig, dankbar in Empfang. Die Gemeinde hilft damit in akuten Notfällen. Wie wichtig es ist, dass in Notfällen jemand da ist, der helfen kann und will, das erlebten die Schülerin­nen und Schüler der Klasse 10c bei einem Besuch im Rahmen des Sozialkundeunter­richts mit Studiendirektor Alois Schwarzmüller in den Werkstätten der Behindertenein­richtung des Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe e.V. Vorstandsmitglied Horst Demmelmayr führte die Jugendlichen durch die verschiedenen Werkstätten und be­dankte sich für die 100.- DM-Spende der Klasse zur Errichtung einer neuen zeitgemä­ßen Werkstatt.

Abschied von Gerhard Bruner hieß nicht Abschied vom Theater am WG. Mit sehr viel Eigeninitiative stellten Schülerinnen und Schüler der Gruppe MOTIV nach der Pensionie­rung ihres ehemaligen Regisseurs etwas Neues auf die Beine bzw. auf die Bühne. Das Stück „Die Wolke“ von Dieter Nelle, eine Dramatisierung des gleichnamigen Romans von Gudrun Pausewang, entstand unter der Regie von Kai-Irina Hahn und zeigte die Folgen eines angenommenen Unfalls im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld bei Schweinfurt. Dazu passte es ganz hervorragend, dass sich die Klasse 10a mit ihrer Deutschlehrerin Christl Hinterseer an eine Aufführung von Friedrich Dürrenmatts Komödie „Die Physi­ker“ wagte.

Beschwingter waren die musikalischen Klänge – die Big-Band durfte zum dritten Mal in Folge in Die WG-Bigband mit Maria Buchwieser - 1999Berlin Köpenick aufspielen, Orchester und Chor ernteten Beifallsstürme beim Weihnachtskonzert, bei dem Judith Bernet und Patrick Mark das Duett „La ci darem la mano“ aus Mozarts „Don Giovanni“ bühnenreif vortrugen, beim Kammerkonzert und beim Schlusskonzert begeisterten Solistinnen wie Sabine Klett, Lisa Frank, Weronika Zebura und Deborah Preißl ihre Zuhörer.

Mit der Freude, die Chor und Kammerchor, Orchester und Big-Band bei vielen Gelegen­heiten im Laufe des Schuljahres aAbzeichen des Vereins der Freunde des Werdenfels-Gymnasiums - 1998usstrahlten, konnte das Werdenfels-Gymnasium viele Freunde gewinnen. Auch „Die Freunde des Werdenfels-Gymnasiums“, der 1985 ge­gründete Förderverein der Schule, hatte seinen Nutzen davon und konnte damit wieder den Nutzen des Gymnasiums mehren. Die Zahl der Mitglieder wuchs, die Spendenfreu­digkeit war erfreulich. Für die Mitglieder und für die „Ehemaligen“ gab es jetzt eine Ver­einsnadel mit dem Schulemblem, die jeder Abitu­rient im Rahmen der Abiturfeier als Ge­schenk aus der Hand des Vorsitzenden Peter Ra­demacher erhielt.

Unvergessen wird der Abiturstreich dieses Jahrgangs bleiben. Ein ganzer Zirkus, der zufällig gerade in Garmisch-Partenkirchen gastiert hatte, wurde aufgeboten. Elefanten, Jongleure und andere Akteure unterhielten im Südhof die 98er-Abiturienten und die ganze Schule mit Spiel und Spaß. Der Schulleiter wurde gekrönt und auf einer Sänfte zu seinen „Untertanen“ getragen.

 

Abiturstreich - Zirkusauftritt im Südhof - 1998

Abiturstreich - Dr. Wabra und die Zirkuskünstler - 1998

 


Und dann noch mehr als eine „Personalie“: Studien­direktor Dr. Alfred Hufnagl wurde mit dem Ende dieses Schuljah­res in den Ruhestand verabschiedet. 1980 hatte er sich aus fami­liären Gründen vom Hans-Leinberger-Gymnasium in Landshut ans „Werdenfels“ versetzen lassen. In Landshut war er als Mitar­beiter des Ministerialbeauftragten für Deutsch und Geschichte tätig gewesen, am Werdenfels-Gymnasium übte er seit 1993 die Funktion des Ständigen Stellvertreters des Schulleiters aus. Ihm war es zu verdan­ken, dass das Jahrzehnt der Schulsanierung in den 80-er Jahren für den Schulbetrieb ohne ernsthafte Einschränkungen über die Bühne ging. Als Chef des WG-Bauausschusses hielt er die Fäden in der Hand und genoss nicht nur in dieser Funk­tion die Achtung der Schüler und des Lehrerkollegiums, sondern in seinem ganzen schulischen Wirken.

Letzte Meldung: „Top secret! Traditionsgemäß findet im Sommer eine geheime (!) Gar­daseefahrt der K12-ler statt, also auch dieses Jahr. Man fährt an einem Wochenende mit 1-2-3 geschwänzten Schultagen zum Sonnen, Baden, Feiern an den Gardasee und zeltet auf einem Campingplatz. Wegen Klausuren und der Kollegfahrt bleibt uns eigent­lich nur das letzte Wochenende vor den Ferien um den 25. 7….“[29] .


[24] Peter Griesmeier, Strategisches Management im Schulbereich – Eine theoretische und empirische Analyse anhand des Werdenfels-Gymnasiums Garmisch-Partenkirchen. Diplomarbeit am Lehrstuhl für Volkswirtschaft der Universität Bayreuth (Bayreuth 1997), S. 119

[25] ebd. S. 120

[26] ebd. S. 121

[27] Andreas Hirsch, Analyse und Planung zur weiteren Entwicklung der EDV-Ausstattung 26. Juni 1998

[28] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 29.04.1998

[29] Blatt 388 der „Sammlung Werdenfels-Gymnasium“ aus dem Privatarchiv Alois Schwarzmüller


 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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