Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen - 1950-2003 - Entwicklung und Bewährung

 


1971/72 - 889 Schüler – Klaus Börner, Hans Echter, Dierk Felix, Dr. Peter Wabra, Helmtraud und Peter Socher, Christl Käser

Oberstudienrat Otto GilkeEndlich! Gymnasium wird erweitert! Baubeginn für nächstes Jahr ge­plant“[9] – in di­cken Lettern verkündete das Garmisch-Partenkirchner Tag­blatt diese frohe Botschaft für das Werdenfels-Gymnasium. Es war auch an der Zeit – im kommenden Schuljahr rechnete man mit mehr als 1000 Schülern. Wanderklassen waren im laufenden Schul­jahr die Leid­tragenden der räumlichen Enge, Schichtunterricht sollte in jedem Fall ver­mieden wer­den. Das Wichtigste war jetzt die Sicherung der Finanzie­rung: Der Land­kreis teilte sich die voraussichtlichen Kosten in Höhe von 3,9 Millionen DM mit dem Land und dem Bund. Die Wehrbereichsver­waltung versprach für jedes neue Klassenzimmer einen Zuschuss in Höhe von 150.000.- DM – die Bundeswehr zeigte damit ihr Interesse an der Förderung der Kinder von Bundeswehrangehörigen im Landkreis Garmisch-Partenkir­chen.

Und das sollte entstehen: Ein dreistöckiger Parallelbau zur Aula entlang des Mühlbachs mit neun Klassenzimmern und zeitgemäßen Fach­räumen für Physik, Chemie und Biologie, in denen moderne Unter­richtskonzepte umgesetzt werden sollten. Ein Sprachlabor und geeignete Stu­dienräume für die Oberstufe – die baldige Einführung der Kollegstufe wurde erwartet – er­gänzten die Überlegungen.

Der Schulleitung gingen die Pläne freilich noch nicht weit genug: Dr. Stei­nert wies darauf hin, dass die Schule weiteren Raumbedarf habe. Diesen Bau stellte er sich direkt an der Bahnhofstraße vor, also dort, wo bis jetzt noch die so genannten „Flüchtlingsläden“, Behelfsbauten mit kleinen Ge­schäften aus der Nachkriegszeit, standen. Dieser Neubau­trakt sollte als zweiter Bauabschnitt weitere Klassenzimmer, einen Mehr­zweckraum, das Sprachlabor und einen Filmraum aufnehmen.

Vielleicht haben ja auch die Gemeinde- und Landkreiswahlen im Früh­jahr 1972 die Planungswilligkeit und die Planungsgeschwindigkeit ein wenig erhöht. Oberstudiendi­rektor Dr. Steinert hatte sich jedenfalls nicht gescheut, bei einer Elternversammlung im Oktober 1971 den öf­fentlichen Druck da­durch zu erhöhen, dass er die Eltern aufforderte, „bei den im kommenden Jahr bevorstehenden Kommunalwahlen die Pro­gramme von Parteien und Kandidaten genau unter die Lupe zu nehmen und denjenigen das Votum zu erteilen, die am ehesten Abhilfe von der Schulraum-Misere erwarten las­sen.“[10]

Eine neue Schülerzeitung, die „Glühbirne“, leuchtete hinein in das Leh­rer- und Schü­lerdasein am Werdenfels-Gymnasium. In diesem Schuljahr er­schienen immerhin zwei Ausgaben. Schülerzeichnung

Schon seit längerer Zeit gab es Bemühungen zur Gründung einer Mu­sik­schule in Garmisch-Partenkirchen. Einer der Geburtshelfer wurde Gym­nasialprofessor Martin Fanderl vom Werdenfels-Gymnasium. Er konnte bei der Gründungsversammlung mit seinem Vortrag über  „Sinn und Zweck der Bildung einer Musikschule in Garmisch-Par­tenkirchen“ viele Musikfreunde von der Notwendigkeit einer solchen musischen Ein­rich­tung überzeugen. Bis in die Gegenwart hinein gibt es zum Segen und Nutzen beider Einrich­tungen eine wunderbare Zusammenarbeit zwi­schen der Musikschule und dem Gymnasium.



1972/73 - 968 Schüler – Ludolf Leidel, Gerhard Meixner, Dimitri Ristic, Otilde Roßmann, Rudolf  Wally

Die Schülerzahlen nahmen erneut zu. Bei Schuljahresbeginn besuchten jetzt knapp tau­send Schüler das Werdenfels-Gymnasium. „Durch Wan­der­klassen, Ausnutzung des Kellers und anderer eigentlich ungeeigneter Räume“[11] ließ sich der Schichtunterricht er­neut vermeiden. Die Preisrich­ter des Architektenwettbewerbs, zu denen auch der Schulleiter gehörte,  ent­schieden sich für den Plan der einheimischen Architekten Ecko Eichler und Bernd Eisgruber – beide ehemalige Schüler des Werden­fels-Gymna­si­ums.


1973/74 - 1020 Schüler – Walter Fischer

Kein gutes Jahr für den Chronisten – die Quellen drohen zu versiegen.

Der Rohbau des Erweiterungsbaus wurde wie geplant fertig gestellt. Die Haushalts­lage der öffentlichen Kassen ließ allerdings die Einrichtung eines Sprachlabors, mit der die Schule fest gerechnet hatte, nicht mehr zu.

Nicht uninteressant, was der kurze Jahresbericht über die Nachbar­schule mitteilte: „Der Fortbestand des Mädchengymnasiums St. Irmen­gardis scheint gesichert zu sein. Das ist für uns auch wesentlich, denn wenn in Zukunft sämtliche Mädchen das Landkreises zu uns hätten kommen müs­sen, dann wäre der Erweiterungsbau schon wieder zu klein geworden.“[12]


1974/75 - 1077 Schüler – Josef Buchwieser, Gerd Rößler, Alois Schwarzmüller

Jetzt war es so weit: Der Erweiterungsbau konnte in Anwesenheit zahl­rei­cher Ehren­gäste eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben wer­den. Das neue Gebäude setzte sich architektonisch und farblich deutlich vom Hauptgebäude ab, Sichtbeton und kräftige gelbe Farbflächen brachten neue Akzente. Im Erdgeschoß waren die Chemie- und Biolo­gieabteilungen mit Lehr- und Übungsabteilungen untergebracht, ergänzt durch großzügig be­messene Sammlungs- und Vorbereitungsräume. Das erste Obergeschoß war nach dem gleichen Raummodell für die Bedürf­nisse der Physik aus­gestattet. Im Obergeschoß konnten sieben zusätzli­che Klassenzimmer un­tergebracht werden.  Die Kosten des Bauwerks lagen bei 5,3 Millionen DM, damit 2,4 Millionen mehr als noch vor zwei Jahren geplant. Finanziert wer­den konnte das Schulprojekt schließlich deshalb, weil der Verkauf des alten Heimatmuseums durch den Land­kreis einen Reinerlös von   2,4 Millionen DM einbrachte. Bund und Land hatten je zur Hälfte 3 Millionen DM beige­tra­gen.[13] Die Einweihungsfeier in der Aula wurde von Chor und Orches­ter - unter der Lei­tung der Mu­sikPfarrer Ludwig Gobitz-Pfeifferlehrer Martin Fanderl und Peter Socher - mit Werken von Händel und Bach festlich umrahmt.

Aber nicht nur der große Westtrakt war in diesem Schuljahr entstanden, sondern auch ein neuer Musiksaal, der als freistehender Pavillon im Süd­hof des Werdenfels-Gym­nasiums mit seiner Holz- und Glaskon­struktion ein weiteres elegantes Gegengewicht gegen die schwere Standfestigkeit des Altbaus bildete. Als Mehrzweckraum mit Raum­teiler war dieser Saal, locker verbunden mit dem Aulavorraum, auch für öffent­liche Ver­anstaltun­gen der Schule gedacht.

Am Ende dieses ereignisreichen und für das Werdenfels-Gymnasium so bedeutsamen Schuljahres ging der Mann, den man nach der Ära Hölle­rer getrost den zweiten Bau­herrn dieser Schule nennen darf, Oberstu­diendi­rektor Dr. Walther Steinert, ohne gro­ßes Aufheben zu machen, in den Ru­hestand: „Ein Preuße von Geburt, Sprache und Statur - mit hin­gebungsvol­ler Liebe zum Baierischen. Ein Mann von großer Lebenser­fah­rung, gewon­nen aus den Zeitläuften seiner Generation, auch er da­von durchgebeutelt im Übermaß… Seiner Initiative verdankt die Schule den in der Konzeption großzügigen Neubau, der den naturwissenschaft­lichen Fächern endlich den angemessenen Spiel­raum ge­währte. Welch unermüdliche Schaffenskraft und Zähigkeit ein solches Millionen­vorha­ben heutzutage einem einzelnen Mann abverlangt, bemerkte auch der außenste­hen­de Beobachter.“[14] Studien­direktor Ernst Strobl war es, der Dr. Walther Steinert 1986 mit die­sen Worten charakterisierte.


[9] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 16.12.1971

[10] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 26.10.1971

[11] Jahresbericht 1972/73 S. 2

[12] Jahresbericht 1973/74 S. 2

[13] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 03.12.1974

[14] Jahresbericht 1985/86 S. 3

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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