Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen - 1919-1932 - Die Realschule in der Weimarer Republik

 

 

 

1927/28 - 185 Schüler – Dr. Hans Uri, Josef  Wirsching, Dr. Ferdinand Englert, August Hofmann

Seit Beginn des Schuljahres 1927/28 führte die Schule auf ministe­rielle Anord­nung die Bezeichnung „Real­schule mit Progymnasium Garmisch-Partenkir­chen“.

Dem neuen Schulleiter war es gelungen, dank finanzieller Fördermittel von Sei­ten des Bezirkstages und der Gemeinden Garmisch und Partenkirchen die hu­manisti­sche Ab­teilung der Schule, die weitgehend aufgelöst werden sollte, zu er­halten.

Die soziale Zusammensetzung der 185 Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 1927/28 (Angaben nach den Berufen der Väter) ergab folgendes Bild: 12 Offiziere und Beamte im Höheren Dienst, 44 Beamte im Gehobenen und Mittleren Dienst, 15 Angehö­rige der freien Berufe, 4 Landwirte, 76 Handels- und Gewerbetreibende, 10 Angestellte in leitender Stellung, 11 Arbeiter und Angestellte und 13 sonstige Berufe.

Etwa 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler kamen also aus dem Bereich von Hand­werk und Handel. „Die Landwirtschaft schickt uns so gut wie keine Kinder“, klagte der Schulleiter im Jahresbericht des folgenden Jahres. Auch Kinder aus dem Arbeitermi­lieu haben kaum eine Chance, in den Genuss der „höheren Bil­dung“ zu kommen.

 

1928/29 - 195 Schüler

Der geplante Neubau verzögerte sich wieder einmal, die Schule blieb wie bisher im Ge­bäuProfessor Carl Reiser, Garmisch-Partenkirchner Landschaftsmaler (1877-1950)de des ehemaligen Ho­tels „Bayerischer Hof“ am alten Bahn­hofsplatz von Partenkir­chen untergebracht, das sich im Eigentum der Marktgemeinde Partenkirchen befand. Ein erster Schritt in Richtung Neubau scheiterte: „Der Vorschlag der Gemeinde Par­tenkirchen, das in unmittelbarer Nähe der Real­schule gelegene Gelände des Kunstma­lers Prof. Reiser zu diesem Zweck um 150000 RM zu erwerben fand die notwendige Zu­stimmung der Gemeinde Gar­misch nicht.“[11]

Der gute Ruf der Schule in der Öffentlichkeit festigte sich in diesen Jahren. Gegen den hin und wieder erhobenen Vorwurf, die Anforderungen seien zu streng, wehrte sich der Schulleiter mit dem Hinweis, „besonders bei den Kindern einheimischer Eltern“ sei darüber zu klagen, „dass sie zuhause vielfach nicht ge­nügende Überwachung finden und zu wenig zur gewissenhaften Pflichterfüllung angehalten würden.“[12]

Die konfessionelle Struktur der Schülerschaft veränderte sich schrittweise: Die Zahl der katholischen Schüler ging „langsam, aber stetig“ zurück, die der Schüler aus pro­testantischen Elternhäusern nahm kontinuierlich zu. Die Zahl der Mäd­chen blieb über Jahre gleich bei etwa 30% der Gesamtschülerzahl.

 

[11] Jahresbericht 1928/29 S. 18

[12] Jahresbericht 1928/29

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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