Die Kreisleiter der NSDAP in Garmisch-Partenkirchen
 – „Politische Frontoffiziere der Bewegung“

 

 

 

 

Jakob Scheck: „Lassen wir das, was zurückliegt“!

 

Erster Weltkrieg und Aufstieg in der NSDAP

Jakob Scheck war bis weit in die Nachkriegszeit hinein der bekannteste „politische Leiter“ der NSDAP in Gar­misch-Partenkirchen – vor allem als Bürger­meister von Partenkirchen (seit 1933) und von Gar­misch-Partenkirchen (1935 bis 1945), weniger als Kreisleiter während des Krieges. Wie schon seine beiden Vorgänger Hartmann und Hausböck stammte auch er nicht unmittelbar aus der Region seines spä­teren politischen Wirkens. Er wurde am 22. Dezember 1901 in dem Dorf Dettenschwang in der Nähe von Dießen am Ammersee geboren und katholisch erzogen. Nach dem Abschluss der Volks- und der Mittel­schule besuchte er ein Holztechnikum. Das Ende des Ersten Weltkrieges erlebte er als junger Soldat von Mai bis August 1918 mit dem 16. Bayerischen Res.Inf.Rgt. – mit dem auch Adolf Hitler seit 1914 im Feld stand. Es wäre also möglich, dass Scheck und Hitler sich damals bereits be­gegnet sind; Belege dafür gibt es nicht.

Vom 26. April bis Oktober 1919 war Scheck Mitglied des Freikorps Epp. Es war mit seinen 700 Mann im April und Mai 1919 zusammen mit anderen „weißen“ Einheiten an der blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt. Am 1. Oktober 1920 schied Scheck als Unteroffizier aus der Reichswehr aus. In der Folgezeit wurde er Mitglied und Vertrau­ensmann beim Bund Oberland, einer Nachfolge- und Sammelorganisation republikfeindlicher Frei­korps.[1] Auch beim Deutsch-Völkischen Schutz- und Trutzbund, „in organisatorischer, personeller und ideologisch-propagandistischer Hinsicht eine der wichtigsten Vorgänger- und Wegbereiterorganisationen der NSDAP“,[2] suchte Scheck politi­sche Leitbilder und Gesinnungsgenossen.[3] Mit ca. 20 Jahren war seine politische Sozialisation abge­schlossen – er stand auf der Seite derer, die der demokratisch-parlamentarischen Republik den Kampf angesagt hatten.

Vor der Spruchkammer verlor Scheck nur wenige Sätze über seine Jahre nach dem Krieg. Er habe „Lustbarkeiten und Tanzveranstaltun­gen“ verschmäht und sich in seiner Freizeit an der Universität München mit Volks- und Betriebswirtschaft beschäftigt.[4] 1925 fand er über Uffing den Weg nach Parten­kirchen und arbeitete im Sägewerk Baudrexl als Werkmeister. Die Spruchkammer bestätigte ihm eine „gewinnbringende Gestaltung des Sägewerks.“[5]

Über den Zeitpunkt seines Eintritts in die NSDAP gibt es zwei Versionen. Die Spruchkammer ging davon aus, dass Scheck am 1. April 1928 Mitglied der NSDAP wurde. Das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt berichtete dagegen im September 1943 aus Anlass des 20. Gründungstages der NSDAP-Ortsgruppe Garmisch-Partenkirchen, Scheck sei schon 1922 eingetreten.[6] Der Bericht nannte mit dem 10. September 1923 auch ein genaues Datum für die Gründung der ersten Garmisch-Partenkirchner Ortsgruppe der „Hitler-Bewegung“. Engelbert Freudling, NS-Ortsgruppenleiter Garmisch-Partenkir­chen nach 1933, bestätigte 1949 im Spruchkammerverfahren gegen den ehemaligen Bürgermeister Josef Thomma, dass „bereits seit 1922/23“ eine Ortsgruppe der NSDAP bestanden habe.[7]

Ortsgruppenleiter wurde 1923 Studienassessor Burckhardt. Die weiteren Grün­dungsmitglieder hießen Bernhard Bader, Engelbert Freudling, Georg Maier, Eugen Maier, Josef Röhrl und Otto Weiß.[8] Scheck wohnte zu dieser Zeit noch nicht in Garmisch-Partenkirchen und tauchte deshalb nicht in dieser Liste auf. Mindestens zwei Mitglieder der Garmisch-Partenkirchner Ortsgruppe – Josef Röhrl und Willi Ortner – beteiligten sich am 9. November 1923 an Hitlers gescheitertem Münchner Putschversuch gegen die Republik. Beide wurden später führende Funktionäre der NS-Kreisleitung Garmisch-Parten­kirchen.

Im fünften Jahr nach Hitlers Niederlage vor der Feldherrnhalle sammelten sich seine Anhänger auch in Garmisch-Partenkirchen wieder. Sechs Personen werden namentlich genannt: Büchner, Harlacher, Schmaus, Hans Maier, Dr. Lisbeth Frey und Jakob Scheck. 1928 gründeten Scheck, Büchner und Schmaus eine neue „Ortsgruppe“. Eine Kundgebung mit Joseph Goebbels, dem Chefagitator der NSDAP, in der Garmischer Gaststätte „Zugspitze“, brachte öffentliche Aufmerksamkeit und Mitglieder­zuwachs.[9] Die Gemeindewahlen im Jahre 1929 führten allerdings weder in Garmisch noch in Partenkir­chen zu einem zählbaren Erfolg.

Dass Scheck nicht erst 1928, sondern schon 1922 Mitglied der NSDAP wurde, dafür spricht seine sehr niedrige Mitgliedsnummer 80313. Mit einer Mitgliedsnummer unter 100000 gehörte er zur „Alten Garde“ der NSDAP. Für sein „rückhaltloses Bekenntnis zum Nationalsozialismus“ wurde er später mit dem „Goldenen Ehrenzeichen der NSDAP“ ausgezeichnet,[10] mit dem Nürnberger Parteiabzeichen von 1929 und mit den Dienstauszeichnungen der NSDAP für zehn- und fünfzehnjährigen Ein­satz.

Der Gründung der Ortsgruppe im zweiten Anlauf folgte der Aufbau der SA in Garmisch-Partenkirchen. Die „Sturmabteilungen“ waren der paramilitärische Arm der NSDAP zur politischen Agitation auf der Straße im Kampf gegen die Republik. Scheck war einer ihrer führenden Köpfe im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Vor der Machtergrei­fung wurde er mehrfach zu Geldstrafen verurteilt, u.a. „wegen ver­botenen Aufmärschen.“[11] Der Spruchkammer erzählte er, sein Hauptziel als SA-Führer sei „die sportli­che Förderung der Mitglieder“[12] gewesen. 1938 wurden im Kreisgebiet 600 SA-Männer mit 64 „Füh­rern“ gezählt.[13] Scheck machte Karriere bei den „braunen Bataillonen“. 1930 wurde er Truppführer, 1931 Sturmführer, 1933 Sturmhauptführer, 1934 Führer eines Sturmbanns, 1935 Obersturmbannfüh­rer, am 26. Januar 1936, zehn Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele, stieg er mit Führerbrief 36 zum Standar­tenführer auf, 1939 kam die letzte Beförderung zum Oberführer (Führerbrief 71). In wenigen Jahren vom Unteroffizier zum General – Scheck hatte sich bewährt und genoss hohes Anse­hen. 1927, 1929 und 1933 nahm er an den Parteitagen der NSDAP in Nürnberg teil.

Im Juli 1933 heiratete er Agnes Wagner aus Hohenpeißenberg. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder hervor.

 

 

 

Jakob Scheck - 1936 (Foto: Amtlicher Führer für die Olympischen Winterspiele 1936, Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen)

Die weiteren Kapitel

 

 

 
 

[1] Verschiedene Quellen: Bundesarchiv SA-Führer-Fragebogen / 16.11.1934 / SPIEGEL 31.05.1961 / Garmisch-Partenkirch­ner Tagblatt 20.05.1961 / Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.04.1954

[2] www.historisches-lexikon-bayerns.de – aufgerufen am 17.08.2012

[3] Bundesarchiv SA-Führerbogen

[4] StA München Spruchkammern - Karton 1588 Jakob Scheck / Spruchkammerbescheid Scheck 09.09.1948 S. 3

[5] ebd. S. 4

[6] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 07.09.1943 und 11.09.1943

[7] StA München Spruchkammern - Karton 4302 Josef Thomma / 04.05.1949

[8] ebd.

[9] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 07.09.1943 und 11.09.1943

[10] „Die Träger des Goldenen Ehrenzeichens der NSDAP im Kreis Garmisch-Partenkirchen - Ein Erinnerungsblatt für die Männer und Frauen in unserem Kreisgebiet, die sich zu Adolf Hitler bekannten, als ihn noch viele für einen verrückten Phantasten und schlimmeres nannten… Die beiden Frauen und die 17 Männer tragen das Goldene Ehrenzeichen der NSDAP, das den Mitgliedern der Bewegung mit den Mitgliedsnummern unter 100000 verliehen wurde.“ – erhalten 2004 von Kaspar Jocher, Garmisch-Partenkirchen, in Kopie – Neben Jakob Scheck wurden auch Georg Maier, Lisbeth Frey, Johann Maier, Bernhard Bader und Johann Groß als „Alte Kämpfer“ geehrt.

[11] Bundesarchiv SA-Führerbogen

[12] StA München Spruchkammern - Karton 1588 Jakob Scheck / Urteil 09.09.1948 S. 4

[13] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.09.1938

 

© Alois Schwarzmüller 2012

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