Die Kreisleiter der NSDAP in Garmisch-Partenkirchen
 – „Politische Frontoffiziere der Bewegung“

 

 

 

 

Johann Hausböck - „Wir siegen, weil Gott es will!“

 

Im Bündnis mit Adolf Hitler und „dem Herrgott“

Die Bedingungslosigkeit seiner Haltung gegenüber den Juden bestätigte Hausböck am Ende seiner Rede mit einem „fanatischen Glau­bensbekenntnis zum Führer“ und scheute sich nicht, die „segnende Hand des Herrgotts“[1] zu bemühen. Hausböck berief sich gerne, frei von Religion, auf Gott. Wer „einig, stolz und gläubig“ die „Lebens­gesetze des Volkes ergründet“, der handelte für Hausböck im Auftrag Gottes, weil er „die ewigen göttli­chen Gesetze“ erfüllte.[2]

Hitler und Gott im Bündnis – damit fühlte sich Hausböck abgesichert in dem, was er als Kreisleiter zu verantworten hatte. Grundlage seines „Glaubensbekenntnisses“ war dieser Bund zwischen „dem Herrgott“ und „dem Führer“ – wer für Hitler kämpfte, der kämpfte für „Gott“. Hitlers „wunderbarer Kampf“ schien „ohne die gütige Mithilfe des Allmächtigen unmöglich“. Kein Zweifel bei Hausböck: „Wenn wir für von Gott Gewolltes kämpfen, müssen wir siegen, weil Gott bei uns ist.“[3] Bei anderer Gelegenheit sagte er: „Wir glauben an einen Herrgott, der nicht will, dass das Gute vom Bösen vernichtet wird und deshalb kämpfen wir mit unserem Führer für dieses Gute und damit auch für unseren Herrgott.“[4] Die Formel, die Hausböck sich letztlich zurechtgelegt hatte, hieß: „Wir siegen – weil Gott es will!“

Nach diesem als „Judenaktion“ in die Geschichte von Garmisch-Partenkirchen eingegangenen Pog­rom konnten Hausböcks Auftraggeber mit ihrem Kreisleiter zufrieden sein – der Olympiaort war „ju­denfrei“, Mittenwald meldete „judenfrei“ und Oberammergau ebenfalls.[5]

 

Hausböcks Kriegsrhetorik – Vom „Glück des Opfertodes“

Ähnlich spektakuläre Auftritte gab es im ersten Kriegsjahr 1939 nicht mehr. Der Kreisleiter führte im Februar die „Erfassung der gesamten Jugend des Kreisgebietes“ und ihrer „Einordnung in HJ und BdM“ durch. „Die Jugend gehört uns“,[6] rief er bei dieser Gelegenheit aus und meinte damit, dass sie, erzogen zum willigen Instrument, für alle Ziele nationalsozialistischer Politik eingesetzt werden könne. Das nächste Ziel war der Krieg. Hitler zeigte zur Feier seines 50. Geburtstages am 20. April 1939 in Berlin schon einmal die Stärke seiner Waffen. Kreisleiter Johann Hausböck durfte an dieser ein­drucksvollen Militärparade als Gast auf der Stehtribüne teilnehmen und mit den versammelten Kreis­leitern in der Reichskanzlei eine Ansprache Hitlers hören. Am 1. Mai 1939 schritt Hausböck, in Be­gleitung des Standortältesten Oberst Wintergerst, die Front der Ehrenkompanie der 1. Gebirgsdivision auf dem Platz vor dem Olympia-Festsaal ab.[7] Fingerübungen für die kommenden größeren militäri­schen Unternehmungen.

Bei der jährlich stattfindenden Heerschau der NSDAP, dem sogenannten Kreistag, spielte Hausböck überraschenderweise keine Rolle. Der Kreistag 1939 versammelte die „politischen Leiter“ der Kreise Garmisch-Partenkirchen, Weilheim und Starnberg zu Kundgebungen, Paraden und Berichten aus den Kreisämtern. Obwohl der Kreistag in Garmisch-Partenkirchen stattfand, wurde Hausböck nicht er­wähnt. Ein Zeichen dafür, dass er nicht mehr die in ihn gesetzten Erwartungen der Münchner Gaulei­tung erfüllte? Auch bei anderen Anlässen wurde Hausböck hin und wieder von Karl Märkl, seinem Stellvertreter und Kreisorganisationsleiter, vertreten.

Erst nach Kriegsbeginn trat Hausböck als Kreisleiter wieder an die Öffentlichkeit. Er verpflichtete zu Opfern, gab Gesetze und Verordnungen bekannt, „die von uns allen Einschränkungen erfordern“[8], warnte vor ausländischen Sendern mit „von Judenhänden zusammengeschmierten Gräuelmärchen.“[9] Und drohte „Stellt nicht die ausländischen Sender ein und hört sie nicht ab, dann habt ihr einen Ärger we­niger am Tag. Was gehen uns fremde Nachrichten an! Heil unserem Führer Adolf Hitler!“[10]

Eine wichtige Rolle fiel dem Kreisleiter erst wieder zu, als nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen die ersten Gefallenen aus Garmisch-Partenkirchen[11] zu beklagen waren. Hausböck inszenierte eine „Gedenkstunde“ und hielt die Trauerrede. Das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt berichtete: „In der Lichtflut der Scheinwerfer standen die Tausende am Samstagabend vor dem Festsaal, die Kolonnen der Wehrmacht, der Politischen Leiter, der SA, des NSKK, des Reichskriegerbundes, der HJ, die endlosen dichten Reihen der Bevölkerung, nichts von Düsterheit waltete über dieser Gedenkstunde.“ Und dann der schreckliche Satz: „Keiner starb, der nicht glücklich gewesen wäre im Augenblick seines Op­fertodes.“ Hausböcks Rede endete mit den Worten: „Es ist nicht notwendig, dass wir leben, aber es ist notwendig, dass das deutsche Volk lebt.“[12] Kaltherzig, ungerührt, ideologisch perfekt – Hausböck hatte seine Pflicht als „politischer Leiter“ erfüllt.

Ehe er als Kreisleiter abgesetzt wurde, bot sich Hausböck noch eine weitere Gelegenheit, seine mitleidlose Systemtreue zu demonstrieren – bei der „Protestkundgebung“ am 9. November 1939 im Olympia-Festsaal. Der württembergische Schreiner Georg Elser war am Vortag im Münchner Bürgerbräukeller mit seinem Versuch gescheitert, Hitler mit Hilfe einer Bombe zu töten und damit, so seine Hoffnung, den Krieg zu beenden. Hausböck rief umgehend zu einer „Kundgebung der Liebe und Treue zum Führer“[13] auf. Seine Logik war schlicht: Die Engländer und die Juden stehen hinter dem Attentäter. Seine Schlussfolgerung war schonungslos: „Diese inneren Feinde müssen ausgerottet werden“, rief er in den Festsaal und gab von dieser Stelle aus seinen „politischen Leitern“ den ausdrücklichen Befehl, „dass jede geringste Regung des inneren Feindes gemeldet und im Keim vernichtet wird.“[14] Die ersten Verhaftungen habe er, so teilte er der Versammlung mit, bereits vornehmen lassen. Der „Traum eines Dolchstoßes“ sei zu Ende geträumt, auf eine „lange Dauer des Krieges“ müsse man sich einrichten.[15] Der Krieg dauerte fünfeinhalb Jahre und alle folgenden Versuche, den Tyrannen Hitler auszuschalten, scheiter­ten.

 

[1] ebd.

[2] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 10.03.1938 – „9 Jahre Ortsgruppe der NSDAP Oberammergau“

[3] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 03.06.1937 – „Kreisleiter Hausböck sprach am Dienstag im Lammsaal“

[4] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 13.04.1937 – „Kreisappell der Politischen Leiter in Garmisch-Partenkirchen“

[5] StA München LRA 61616 – Monatsberichte 1938-1939 / 31.12.1938, 27.04.1939, 25.08.1939

[6] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 15.02.1939

[7] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 02.05.1939

[8] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 08.09.1939 – „Volksgenossen und Volksgenossinnen“

[9] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 09.09.1939 – „Wer hört noch ausländische Sender“

[10] ebd.

[11] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 09.10.1939 - Die Namen der Gefallenen: Engelbert Mayr, Friedrich Kaiser, Anton Salisko, Gerhard Rohde, Hans Hiller, Fritz Lehmann, Karl Schultheiß, Eduard Heldwein, Josef Mayer, Ludwig Geist und Fritz Fischer

[12] ebd.

[13] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 09.11.1939

[14] ebd.

[15] ebd.

 

© Alois Schwarzmüller 2012

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