Die Kreisleiter der NSDAP in Garmisch-Partenkirchen
 – „Politische Frontoffiziere der Bewegung“

 

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Johann Hausböck - „Wir siegen, weil Gott es will!

 

Vom Karteischreiber zum „Gaustabsführer“

Johann Hausböck, Hartmanns Nachfolger im Amt des Garmisch-Partenkirchner Kreisleiters, wurde am 12. März 1910 in München geboren. Er wuchs in der Schellingstraße 30 auf. Einen Häuserblock weiter, in der Schellingstraße 62, war Hitler in den zwanziger Jahren Stammgast in der „Osteria Bava­ria“. Hausböcks Vater führte ein Elektrogeschäft, in dem der Sohn nach vier Jahren Volksschule, drei Jahren Realschule und drei Jahren Elektrofachschule die Ausbildung zum Elektromonteur abschloss.[1] Da war er 16 Jahre. Von diesem Adolf Hitler, der 1923 nicht unweit von der Schellingstraße versucht hatte, die demokratische Republik zu stürzen, hatte er sicher schon gehört. Vielleicht ist er ihm und seinem Anhang im Universitätsviertel auch begegnet. Am 1. Oktober 1931 trat er der Partei des schnauzbärtigen „Führers“ bei – „im guten Glauben zu den Versprechungen Hitlers“[2], wie er seinen Schritt fast 20 Jahre später rechtfertigte. „Wirtschaftliche Umstände“ waren auch im Spiel. Hausböck war zu der Zeit arbeitslos.

Sein Aufstieg in der Münchner Partei war rasant: 1932 noch Karteischreiber in der Mitgliederverwal­tung der NSDAP und Ausfahrer für das Parteiblättchen „Die Front“, war er im Herbst 1932 bereits Begleiter von Gauleiter Adolf Wagner und Adjutant des Stellvertretenden Gauleiters Otto Nippold. Es folgten der Eintritt in die SS, die Mitgliedschaft in der SA und seit Oktober 1935 eine Beauftragung als Stabsleiter beim Gau München-Oberbayern. In kurzer Zeit war Hausböck Gauredner der NSDAP. Seine „rednerische Wirksamkeit“[3] nützte ihm sowohl in seiner Rolle als Kreisleiter wie auch später als NS-Führungsoffizier im Krieg.

Dass er trotz oder gerade wegen seiner jungen Jahre große Wertschätzung in der Führungsetage der Gauleitung genoss, zeigte sich am Tag des „Röhmputsches“. Heinz Höhne beschreibt die Ereignisse, die Hausböck mit Goebbels zusammenführten: „Erschießen, erschießen - Hitler schien keinen ande­ren Gedanken mehr zu kennen. Für ruhige Absprachen hatte er jetzt keinen Sinn. Er wollte augen­blicklich nach Bad Wiessee...Wagner ließ drei Wagen kommen. In den ersten stürzte sich Hitler mit Lutze und Heß, der zweite wurde von Polizeibeamten und SS-Männern besetzt, und in den dritten Wagen kletterten Goebbels und ein Konfident Wagners, der Gaustabsführer Hausböck. Die drei Autos rasten davon, nach einer guten Stunde näherten sie sich Bad Wiessee.“[4]

Bei der Suche nach einem Nachfolger für den im März 1937 entlassenen Kreisleiter Hans Hartmann setzte die Gauleitung auf den gerade 27 Jahre alten Johann Hausböck.[5] Kurz zuvor hatte er geheiratet. Seine Frau Ursula und zwei Kinder brachte er mit nach Garmisch-Partenkirchen. Hausböck kam aus der braunen Kaderschmiede Adolf Wagners, war ein strammer „Parteisoldat“ und gab schon bald die Parole aus, dass Garmisch-Partenkirchen „judenrein“[6] werden müsse.

 

 

Johann Hausböck - US-Internierungslager (Foto: Staatsarchiv München, Spruchkammern Karton 642)

          Die weiteren Kapitel

 
 

[1]StA München Spruchkammern – Karton 642 Johann Hausböck, NS-Kreisleiter / Personalien

[2] ebd. 04.03.1950 Berufungskammer - NSDAP-Mitgliedsnummer 653039

[3] StA München Spruchkammern - Karton 642 Johann Hausböck, NS-Kreisleiter / Personalien

[4] Heinz Höhne, Mordsache Röhm. Hitlers Durchbruch zur Alleinherrschaft 1933-1934 (Hamburg, 1984) S. 267

[5] Vgl. Meldekarte des Marktes Garmisch-Partenkirchen - Hans Hausböck

[6] StA München Spruchkammern - Karton 642 Johann Hausböck, NS-Kreisleiter / Laufbahn 4.3.1950

 

© Alois Schwarzmüller 2012

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