Die Kreisleiter der NSDAP in Garmisch-Partenkirchen
 – „Politische Frontoffiziere der Bewegung“

 

 

 

 

Hans Hartmann - „Aufopfernde Tätigkeit im Dienst der Bewegung“

 

Gegen „jüdisch-fremdes Gedankengut“

Selten fehlte in Hartmanns Reden, in seinen Appellen und Kundgebungen der Rassengedanke. Bei der Feier des 1. Mai 1935 klang das so: „Es darf keiner in der Gemeinschaft geduldet werden, der nicht unseres Blutes ist, denn er kann auf die Dauer das andere Blut, das andere Denken und Fühlen … nicht unterbinden. Mit dieser Auffassung von Treue und Kameradschaft vereinigt sich nicht, wenn einer glaubt einen Judenstämmling decken zu müssen und dadurch die Kameraden angreift, die sei­nes Blutes sind und die ihre Pflicht erfüllen.“ Gegen „jüdisch-fremdes Gedankengut“ zog er vom Leder und scheute sich nicht, Hass „gegen das Fremde“ zu predigen.[1]

Einer der Zuhörer dieser nationalsozialistischen Mai-Kundgebung in Garmisch-Partenkirchen war Karl Ritter von Halt. Der Chef-Organisator der Olympischen Winterspiele 1936 schrieb wenig später an Hans Pfundtner, den Staatsekretär im Reichsinnenministerium, was er da zu hören bekommen hatte: „Am 1. Mai hat der Kreisleiter Hartmann in seiner Rede dazu aufgefordert, alles Jüdische aus Gar­misch-Partenkirchen zu entfernen. Ich war selbst Zeuge, wie derselbe Kreisleiter einen anscheinend jüdischen Gast aus der Garmischer Post entfernt hat.“ Hartmann vertrat das Parteiprogramm, dem er sich verpflichtet fühlte. Von Halt befürchtete in dem rigorosen Antisemitismus des Kreisleiters eine Gefahr für die Olympischen Winterspiele.[2]

Hartmann ließ sich von solchen Erwägungen nicht bremsen, forderte die „entschlossene Ausschaltung aller volksfremden Elemente“[3], nannte die Juden eine „minder­wertige und schädliche Rasse“[4], bezeich­nete den Garmisch-Partenkirchner Kurbetrieb vor der Machtergrei­fung der NSDAP als „ver­judet“[5] und fand es „erfreulich, wenn … Auftragsertei­lung an Juden unterbliebe.“[6] Beim Erntedankfest 1935 warnte er die Garmisch-Partenkirchner Bau­ern, „lasst Euch nicht von jüdischem Geist und jüdischem Geld verlocken“ und rief sie dazu auf, „nur der Stimme unseres deutschen Blu­tes“ zu gehorchen, „nicht irgendeiner internationalen Regung.“[7] Ein Kurort mit olympisch-internationa­lem Publikum und einem rassistisch-nationalistischen Scharfma­cher in zentraler politischer Position – das war ein Widerspruch, der sich schwer verbergen ließ.

Noch wenige Tage vor Beginn der Winterspiele wurden die Nürnberger Rassengesetze in Garmisch-Partenkirchen unerbittlich vollzogen. Die Schutzpolizei hatte am 28. Januar 1936 festgestellt: „Im Haushalt der Jüdin Betty Braun hält sich zu den Hauptmahlzeiten auch der verheiratete Sohn Gustav Braun, geb. 13.9.1901, ständig auf.“[8] Hartmann „ersuchte“ das Bezirksamt Garmisch-Partenkirchen, gegen Betty Braun Anzeige „wegen Vergehens gegen die Nürnberger Gesetze“ zu erstatten.[9]

Er propagierte aber nicht nur die „Ausschaltung“ jüdischer Menschen, sondern forderte auch Zwangssterilisation und Euthanasie. In öffentlicher Kundgebung im Kurpark, „dicht gefüllt von Kur­gästen und Einheimischen“, plädierte er „für die Erhaltung von Blut und Rasse“ und dafür, dass „der Einschlag des Minderwertigen, Erbkranken, Verbrecherischen soweit nur im­mer möglich ausgeschal­tet“ werde.[10]

 

[1] ebd.

[2] Bundesarchiv Olympiabestand L 382846 – Ritter von Halt an Staatssekretär Pfundtner 14.05.1935

[3] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 22.06.1935 – Rede bei der Sanitätskolonne Garmisch

[4] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 29.08.1935

[5] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 05.10.1936 – Aus der Rede Hartmanns am „Tag der Wehrmacht“

[6] ebd.

[7] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 07.10.1935

[8] StA München LRA 63212 – Blutschutzgesetz 1936-1941 / 28.02.1936

[9] ebd.

[10] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 29.08.1935 – Kundgebung der NSDAP im Kurpark Garmisch-Partenkirchen

 

© Alois Schwarzmüller 2012

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