Die Kreisleiter der NSDAP in Garmisch-Partenkirchen
 – „Politische Frontoffiziere der Bewegung“

 

 

 

 

Hans Hartmann - „Aufopfernde Tätigkeit im Dienst der Bewegung“

 

Gegen „Meckerer, Nörgler, Miesmacher“

Während Hartmann auf diesem schwierigen Feld der Lokalpolitik wenig erfolgreich war, wuchs dessen ungeachtet seine Macht als Kreisleiter. In vielen Reden und Ansprachen, in Parteiveran­staltungen und bei öffentlichen Kundgebungen trat er als überzeugter und unnachgiebiger Repräsentant des Hitler-Regimes auf, kündigte an, „mit den ewig Besserwissenden abzurechnen“[1], rief dazu auf, „den Nörglern und Besserwissern“ das Maul zu stopfen[2] und warnte „die Spießer mit erhobenen Stöcken und Schirmen“, die „nur „Heil“ sagen, weil ihnen das „Heil Hitler“ noch nicht über die Lippen will.“[3] Zu den Kundgebun­gen der NSDAP gehörten Marschklänge und Trommlerkorps, aber auch Hartmanns unablässige Dro­hungen gegen „Störenfriede“ und „Meckerer“, gegen „Miesmacher“ und „Gerüchtefab­rikanten“.[4] Selbst auf dem Schulhof wütete Hartmann bei einer „Jugend- und Elternkundgebung“ gegen die „inneren Feinde“, nannte die Jugendlichen „Frontsoldaten“, die es nicht dulden, dass „Spießer, Nörgler, Miesmacher und Kritiker… Breschen in unsere Reihen schlagen“, um von hier aus „den jüdisch-bolschewistischen und sonstigen Hochverrätern das Eindringen zu ermöglichen.“[5] Aus diesen Reden sprach auch verborgene Angst vor jenen, die sich immer noch dem Zugriff des Gleichschalters Hartmann entzogen. Hier liegt auch die Ursache dafür, dass er vom nationalsozialistischen „Erziehungsinstrument“ der Schutzhaft so vielfach und so rücksichtslos Gebrauch machte.

Bei den Oberammergauer Passionsspielen im August 1934 gehörte Hartmann zu den Gästen Hitlers, bei der folgenden großen Kundgebung im Garmischer Kurpark am 16. August 1934 begrüßte er Gauleiter Adolf Wagner vor Tausenden von Zuhörern. Anschließend pilgerte er mit Garmisch-Partenkirchner Anhängern zum Nürnberger Parteitag der NSDAP.[6]

Im Oktober 1934 sprach Hartmann bei einer Kundgebung der Bezirksbau­ernschaft „über Sinn und Zweck des Bauerntums“ und machte auch hier „übelwollende Nörgler und Kritikaster“ aus, „die sich immer wieder oder immer noch gegen die natio­nalsozialistische Agrarpolitik wenden.“[7] Im Rahmen einer Kreisschulungstagung der NSDAP im Novem­ber 1934 erging er sich über die „nationalsozialistische Weltanschauung“, deren innerster Kern ihm die „Frontkameradschaft“ war. Erfahrungen, die er aus dem Ersten Weltkrieg nach Garmisch-Partenkirchen mitgebracht hatte, prägten seinen politischen Horizont.[8] Sie bestanden aus einem Gedankengang: Die Feinde lügen, dunkle Mächte wühlen – Hitler ist der Fels, die Kameraden sind treu ergeben. Und alle müssen einsehen, „dass der Staat keinen Zwiespalt, keine Saat des Misstrauens mehr dulde.“[9] Im Oktober 1936 sprach er vor Wehrmachtsangehörigen von der „große(n) Auseinandersetzung zwi­schen Ariertum und Judentum, zwischen Gut und Böse“ und stellte sich und seine Zuhörer „unter Kriegsgesetz“. Das hieß: „Keiner darf die Front verlassen.“ Allen, die noch nicht verstanden hatten oder nicht verstehen wollten, trat er „mit entschlossener Härte“ gegenüber.[10] Für das Garmisch-Parten­kirchner „Jungvolk“, die Jungen der HJ und die Mädchen des BdM, predigte er den „Glauben an Deutschland und seinen Führer“, bei einer Jugendkundgebung am 1. Mai 1935 auf dem Platz vor der Realschule hämmerte er den Zuhörern sein Credo ein: „Ja, die Fahne ist mehr als der Tod.“[11]

 

[1] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 14.05.1934

[2] ebd.

[3] ebd.

[4] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 29.08.1935 – Kundgebung der Garmisch-Partenkirchner NSDAP im Kurpark mit SA, SS, NSKK, DAF

[5] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 23.10.1934 – „Gegen das Schanddiktat von Versailles“

[6] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 26.09.1934

[7] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 23.10.1934

[8] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 20.11.1934

[9] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 04.07.1935 – NSDAP-Versammlung im Rassen

[10] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 16.10.1936 – Rede am Tag der Wehrmacht in Garmisch-Partenkirchen

[11] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 02.05.1935

 

 

© Alois Schwarzmüller 2012

Zurück zur Startseite