Die Kreisleiter der NSDAP in Garmisch-Partenkirchen
 – „Politische Frontoffiziere der Bewegung“

 

 

 

 

Hans Hartmann - „Aufopfernde Tätigkeit im Dienst der Bewegung“

 

Gemeinderat – 2. Bürgermeister – Mitglied des Bezirkstags

In den Tagen nach der Reichstagswahl am 5. März 1933, nach der Gleichschaltung der Länder und der Einsetzung von Reichskommissaren festigte die NSDAP ihre Macht auch auf kommunaler Ebene. Die neue politische Zusammensetzung der Länder- und Kommunalparlamente wurde mit der Über­nahme des Wahlergebnisses vom 5. März 1933 zugunsten der NSDAP geregelt – sie hatte jetzt überall zu­sammen mit der DNVP die Mehrheit. Die Mitglieder der Gemeinde­parlamente wurden nicht mehr von den Wahlbürgern, sondern von örtlichen Funktionären der NSDAP bestimmt. In den 16 Gemeinden des Bezirks Garmisch war dies die Aufgabe des Kreisleiters und SA-Sonderbeauftragten Hans Hartmann.

Im Gemeinderat des Marktes Garmisch saßen jetzt neun Mitglieder der NSDAP (Josef Thomma, Georg Maier, Hans Hartmann, Karl Steiger, Josef Röhrl, Ig­naz Glatz, Johann Ostler, Wilhelm Manz, Hans Mayer), drei Mitglieder der BVP (Kaspar Ostler, Josef Ostler, Karl Hartenstein), zwei Mitglieder der DNVP/Kampfbund Schwarz-Weiß-Rot (Dr. Karl Friedrich, Anton Seiwald) und ein Mitglied der SPD (Josef Reiser). Diese 15 Gemeindevertreter trafen sich zu ihrer ersten Sitzung am 22. April 1933 zur Wahl der Bürgermeister.

Zum 1. Bürgermeister wurde der Kaufmann Josef Thomma (NSDAP) gewählt. Er erhielt 14 Stimmen, ein Mitglied des Gemeinderats wählte ungültig. Bei der Wahl des 2. Bürgermeisters gab es zwei Kan­didaten – Hans Hartmann und Josef Dillis jun.. Auf Hartmann entfielen neun Stimmen, auf Dillis jun. sieben. Es war ein ungewöhnlicher Vorgang, dass zwei Mitglieder der NSDAP gegeneinander kandidier­ten - kein starker Vertrauensbeweis für den neuen 2. Bürgermeister.[1]

Auch der Bezirkstag Garmisch, ein dem heutigen Kreistag verwandtes Gremium, wurde in diesen Tagen ohne Wahlen „umgebildet“. Von seinen neun Mitgliedern wurden 5 von der NSDAP gestellt (Hans Hartmann, Jakob Scheck, Wilhelm Melcher, Anton Sailer, Jakob Burger), 3 von der BVP (Kaspar Ostler, Georg Benedikt, Hans Mayr)  und 1 von der DNVP/KSWR (Dr. Karl Friedrich). SPD-Vertreter wurden nicht mehr berufen. Hartmann wurde Vorsitzender des Bezirkstags.[2]

Als 2. Bürgermeister des Marktes Garmisch spielte Hartmann keine besondere Rolle mehr. Aktiv wurde er 1933 noch bei der Ausschließung des einzigen SPD-Gemeinderats Josef Reiser aus dem Gremium[3], dann mit einem Antrag, „dass alle Hotelkapellen, die im Freien musizieren, nur deutsche Musik, ohne Saxo­phon, spielen dürfen“[4] und schließlich mit einer Anweisung an „sämtliche Beamten und Arbeiter“ der Gemeindeverwaltung, sich anlässlich der Reichstagswahl am 12. Novem­ber 1933 zu einer Hitler-Rede in der Halle des Garmischer Rathauses zu versammeln.[5]

Nach dieser Wahl agierte Hartmann fast nur noch als Kreisleiter. Bürgermeister Thomma übergab ihm in dieser Funktion nach dem Wahltag eine Liste mit den Namen „der am 12. November von der Wahl fernge­bliebenen Personen“. Hartmann sichtete die Namen und gab die Liste zurück mit der Bitte, sie „gut zu verwahren.“[6] 4745 Stimmen wurden in Garmisch abgegeben, davon votierten 4635 mit Ja. Hartmann behielt die wenigen Wahlverweigerer im Auge.

Noch ein zweites Mal setzte sich Hartmann für den Ausschluss eines Gemeinderatsmitglieds aus dem Gre­mium ein. Diesmal ging es um Anton Seiwald, Mitglied der DNVP und seit einiger Zeit Hospitant der NSDAP-Fraktion im Gemeinderat. Hotelier Seiwald, er führte den angesehenen „Garmischer Hof“, hatte im Mai 1934 im Kurförderungsausschuss des Marktes Garmisch die Art der Erhebung und die Erhöhung der Kurabgabe kritisiert – durch „Männer, die absolut keine diesbezügliche Kenntnis zeig­ten.“ Diese Kritik traf ins Herz der NSDAP-Fraktion. Hartmann stellte Seiwald darauf am 1. Juni 1934 „anheim, selbst aus dem Gemeinderat Garmisch auszuscheiden.“[7] Seiwald lehnte ab, wurde für 15 Sitzungen ausgeschlossen und am 24. August auf Antrag Hartmanns und der NSDAP-Fraktion endgültig aus dem Gemeinderat verbannt.[8]

Zu dieser Zeit befanden sich die Marktgemeinden Garmisch und Partenkirchen auf dem Weg zu ihrer zum 1. Januar 1935 erzwungenen Vereinigung. Die Frage, wer Bürgermeister der neuen Doppelge­meinde werden sollte, beschäftigte Behörden, NS-Apparat und Sportfunktionäre im Laufe des Jahres 1934. Als Kandidaten waren die Bürgermeister Jakob Scheck (Partenkirchen) und Josef Thomma (Gar­misch) im Spiel. Hartmann war zwar der mächtigste NS- und SA-Funktionär auf lokaler Ebene, hatte aber kaum eine Chance. Hans von Tschammer und Osten, seit 1933 einflussreicher Reichs­sportführer und an der Entwicklung des Olympiaorts Garmisch-Partenkirchen interessiert, brachte in einem Brief an Gau­leiter Adolf Wagner offen zum Ausdruck, „dass er sich von der Person Hartmann nach den bishe­rigen Erfahrungen keine ersprießliche Arbeit“ verspreche.[9] Gründe nannte er nicht. Auch Ritter von Halt wandte sich gegen Hartmann. Der Kreisleiter hatte die Aufnahme seines Generalsekretärs Peter Le­ Fort in die NSDAP abgelehnt.[10] Das ärgerte den mächtigen Organisationspräsidenten der Olympi­schen Winterspiele 1936. Karl Roesen, Anwalt des ehemaligen NS-Bürgermeisters Jakob Scheck in dessen Auseinandersetzungen mit der Marktgemeinde in den Fünfzigerjahren, führte die Ablehnung Hartmanns darauf zurück, dass man während der Vorbereitung auf die olympischen Spiele keinen „Bürgermeister und Inhaber der Polizeigewalt“ haben wollte, der „hemmungslos seinen antisemiti­schen Tendenzen Verwirklichung geben werde.“[11]

Hartmann zog sich zum Jahresende 1934 aus der Kommunalpolitik zurück und legte seine Ämter als 2. Bürgermeister und Fraktionsführer mit der Begründung nieder, dass er „bei der Neubildung des Gemeinderats nicht hinderlich sein“ und „als Kreisleiter freie Hand haben“ wolle.[12] Sein Rückzug lag wohl auch darin begründet, dass er die NSDAP-Ortsgruppen Garmisch und Partenkirchen bei der Zusammenlegung der beiden Gemeinden lange Zeit nicht zu einem einheitlichen Vorgehen bewegen konnte, [13] ein Ärgernis für die Münchner Gauleitung.

 

[1] MA Garmisch-Partenkirchen – AltReg Garmisch I/2/10 – Bildung der neuen Gemeindevertretung

[2] StA München LRA 61592 – Umbildung des Bezirkstages 1933-1936

[3] MA Garmisch-Partenkirchen – AltReg Garmisch I/2/10 und Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 11.06.1933

[4] Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 11.06.1933

[5] MA Garmisch-Partenkirchen – AltReg Garmisch XVIII/52/17 – Vollzug des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums

[6] MA Garmisch-Partenkirchen – AltReg Garmisch I/1/24 – Reichstagswahl 12.11.1933

[7] MA Garmisch-Partenkirchen – AltReg Garmisch I/2/10 – Bildung der neuen Gemeindevertretung

[8] MA Garmisch-Partenkirchen 1725 – Schreiben über verschiedene Personen

[9] ebd. 25.10.1934 von Lex an von Halt

[10] Bundesarchiv Olympiabestand 216 / 06.11.1934

[11] MA Garmisch-Partenkirchen Akt – Akt Jakob Scheck / 07.01.1959

[12] MA Garmisch-Partenkirchen 1725 – Schreiben über verschiedene Personen / 14.12.1934

[13] StA München LRA 61612 – Monatsberichte 1934 / 03.11.1934

 

© Alois Schwarzmüller 2012

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