Die Kreisleiter der NSDAP in Garmisch-Partenkirchen
 – „Politische Frontoffiziere der Bewegung“

 

 

 

 

Hans Hartmann - „Aufopfernde Tätigkeit im Dienst der Bewegung“

 

20.05.1933 - Joseph Mayr, geb. 1896, zwei Jahre jünger als Hartmann und wie er in Mindelheim geboren, verheiratet, Vater eines Kindes, selbstän­diger Maler in Oberau, Vorsitzender des dortigen SPD-Ortsvereins. Der Gendarmeriestation Eschenlohe war er im Mai 1933 aufgefallen, weil er sich im „Alten Wirt“ zu Farchant und im Oberauer „Forsthaus“ „gegen die nationale Regierung“ geäußert hatte. Der SA-Trupp Oberau beschwerte sich bei Hartmann über „spitzige Bemerkungen“ Mayrs, verprügelte ihn so, „dass die Sanitäter eingegriffen haben“ und ließ ihn „im Einvernehmen mit dem Sonderbeauf­tragten“ in Schutzhaft nehmen. Am 5. Juli wandte sich Joseph Mayrs Frau Mary an das Garmischer Bezirksamt. Ihr Mann befinde sich seit 9. Juni in Schutzhaft. Da er „in nächster Zeit einige größere Malerarbeiten ausführen könnte, bitte ich dringend um Freilassung desselben. Durch die Schutzhaft ist die Existenz meines Mannes vernichtet.“ Wann Mayr aus der Schutzhaft entlassen wurde, ist nicht aktenkundig.

Zwei Jahre später, am 8. August 1935, geriet der bockige Oberauer Malermeister ein weiteres Mal ins Visier der SA. Diesmal endete die Auseinandersetzung für ihn im KZ Dachau. Ausgangspunkt war eine verbale Auseinandersetzung Mayrs mit SA- und NSKK-Männern im Gasthof „Forsthaus“ und eine anschließende Rangelei mit einem Oberauer HJ-Mitglied. Tags darauf nahm Kreisleiter Hartmann den Vorfall zum Anlass, Mayr durch das Bezirksamt Garmisch in Schutzhaft nehmen zu lassen, „zu sei­nem persönlichen Schutz“. Die Begründung Hartmanns: „Der Stützpunkt Oberau hat prozentual die meisten Pg. mit den goldenen Ehrenzeichen im Kreis Garmisch. Dass sich in den Kreisen dieser alten Kämpfer eine ungeheure Erregung über diesen Vorfall gebildet hat, ist verständlich.“ Das war Drohung mit Lynchjustiz, sollte Mayr nicht vom Bezirksamt verhaftet werden. Der Schutzhaftbefehl wurde am 10. August 1935 ausgestellt, am 13. August wurde Mayr in das KZ Dachau gebracht.

Drei Versuche Mary Mayrs, ihren Mann aus dem Konzentrationslager  frei zu bekommen, scheiterten am Kreisleiter. Im Oktober 1935 wollte er Mayrs „Entlassung aus der Schutzhaft nicht befürworten“, sondern plädierte dafür, „Mayr weiterhin im Konzentrationslager Dachau zu be­lassen, bis er sich wirklich gebessert hat.“ Im Dezember 1935 setzte sich Mayrs Frau erneut für die Freilas­sung ihres Mannes ein: „Ich bitte dringend meinen Mann doch baldigst aus der Schutzhaft zu entlas­sen. Er ist selbständig, mein Sohn, welcher ein eifriger Hitler-Junge ist, lernt bei seinem Vater und ist seine Lehrzeit unterbrochen. Außerdem ist seine ganze Existenz vernichtet, da ich selbst mit­tellos bin, bin ich der Gemeinde zur Last, was nicht wäre, wenn mein Mann hier wäre und arbeiten könnte.“ Aber selbst diese Klage über die fatalen Auswirkungen der monatelangen Lagerhaft auf Familie und Ge­schäft konnten die Kreisleitung nicht erweichen.

Im Gegenteil: Josef Mayr wurde auch noch zum Opfer der Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen. Hartmann ließ das Bezirksamt am 11. Februar 1936 wissen, „dass ich die Entlassung des Josef Mayr, Oberau, aus der Schutzhaft vor der Beendigung der 4. Olympischen Winterspiele nicht befürworten kann.“ Die olympische Flamme erlosch am 16. Februar. Entlassen wurde der Ma­lermeister Mayr erst am 23. März 1936. Über sieben Monate war er im Konzentrationslager Dachau in der Hand der natio­nalsozialistischen Folterknechte, ehe Hartmann die Hand für seine Freilassung rührte.[1]

 

[1] alle Zitate StA München LRA 199042 Schutzhaft / Mayr

 

© Alois Schwarzmüller 2012

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