Erinnern statt Vergessen
Häftlinge im KZ Dachau aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen

 

 

Der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP am 30. Januar 1933 folgte schon bald die systematische Beseitigung des Rechtsstaates verbunden mit organisiertem Terror gegen politische Gegner, die sich nicht mundtot machen lassen wollten und gegen Menschen, die "anders" waren und nicht in das Bild vom "Herrenmenschen" passten wie Juden, Zigeuner, Homosexuelle und soziale Außenseiter.

Schon am 1. März 1933 gab es einen ersten Hinweis darauf, dass auch in den Gemeinden des Bezirksamtes Garmisch machtlüsterne NS-Funktionäre darauf warteten, mit ihren politischen Gegnern gewalttätig und gefahrlos abrechnen zu können. Das Bezirksamt informierte an diesem Tag die Regierung von Oberbayern darüber, dass "die NSDAP ... mit baldiger Heranziehung zu polizeilichen Aufgaben" rechne. Am 11. März 1933 war es dann soweit: In der Nacht zum Samstag wurden „einige Personen, die als kommunistische Parteifunktionäre bekannt sind, in Polizeihaft genommen.“ Dabei kam es auch zu ersten  Hausdurchsuchungen, bei denen die SA den Ton angab. Die Gendarmerie war teilweise nur noch rechtsstaatliche Staffage.

Am 16. Mai 1933 erstattete das Bezirksamt Bericht an die Regierung von Oberbayern und meldete die neuesten Zahlen: „Außer den in Dachau befindlichen Schutzhäftlingen aus dem Bezirk Garmisch (z.Zt. noch fünf) sind in Garmisch in Schutzhaft noch 4 Personen. Davon sind 2 seit 10.III., 2 erst seit einigen Tagen.“ Sechs Wochen später befanden sich noch sechs Personen, "meistens wegen beleidigender Äußerungen über die Regierung" in Schutzhaft, die Zahl der Häftlinge im KZ Dachau wurde nicht mehr erwähnt. Sie muss aber sehr groß gewesen sein, wenn man Bezirksamtmann Dr. Fux vertrauen darf, der am 30. August 1933 der Regierung von Oberbayern mitteilte - und dabei seine Sympathie für die neuen Herren und ihre drakonischen Maßnahmen nicht verbarg - , dass "am letzten Sonntag mit Hilfe von SA-Mannschaften eine Razzia in Partenkirchen durchgeführt (wurde), bei der 20 verdächtige arbeitsscheue männliche Personen im Alter von 18 – 26 Jahren festgenommen und in Schutzhaft genommen wurden... Ich hoffe, daß ein großer Teil dieser Tagediebe nach Lager Dachau zur weiteren Verwahrung übernommen wird.“ Mit dieser Haltung unterstützte und förderte der höchste politische Repräsentant des Bezirksamtes die Absicht der Nationalsozialisten, das KZ als zunächst relativ harmlosen Umerziehungsort für politische Querulanten und soziale Außenseiter erscheinen zu lassen. Es dauerte freilich nicht lange, bis die Bevölkerung diese Lüge durchschaut und den wahren Charakter dieses Lagers erkannt hatte. Kritik am Dritten Reich oder an seinen politischen Führern wurde immer häufiger mit der Warnung  "Halts Maul, sonst kommst nach Dachau!" kommentiert.

Die folgende Liste von Männern aus den Gemeinden des Bezirksamtes Garmisch, die zwischen 1933 und 1938 in das KZ Dachau verschleppt wurden, ist das Ergebnis vielfältiger Recherche. Sie erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viele Informationen über Namen und Schicksale fehlen. Die Buchhalter des Terrors haben Spuren verwischt, wo immer sie konnten.

Bierling, Heinrich
Der Oberammergauer Heinrich Bierling, geboren am 10. Oktober 1893, kam vom 20. Juni 1933 bis zum 20. Dezember 1933 in "Schutzhaft". Im Konzentrationslager Dachau war er vom 21. Dezember 1933 bis zum 22. Februar 1934.
Er wurde auf Veranlas­sung des NS-Kreisleiter Hans Hartmann, Sonderkommissar beim Bezirksamt Garmisch, in das Lager eingewiesen.

Cavael, Rolf
Cavael, am 27. Februar 1898 in Königsberg geboren, war von 1916 bis 1918 Soldat im Ersten Weltkrieg und erlebte den Stellungskrieg in allen seinen mörderischen Phasen. 1924 bis 1926 studierte er Graphik an der Staedelschule in Frankfurt am Main. Anschließend unterrichtete er als Lehrer für Angewandte Graphik an der Städtischen Fachschule Frankfurt. Nach seiner Heirat mit Dorothea Schemel ließ er sich 1930 als freier Maler in Berlin nieder. Gleich zu Beginn der nationalsozialistischen Machtergreifung geriet er ins Visier der neuen Machthaber: Eine im Frühjahr 1933 geplante Ausstellung in der Berliner Galerie Ferdinand Möller kam nicht mehr zustande. Eine weitere Ausstellung seiner Werke in Braunschweig - zusammen mit Josef Albers - wurde von den Nazis geschlossen. Zum Ausstellungsverbot, das ihn und seine Familie schon hart genug getroffen hatte, kam noch im gleichen Jahr ein generelles Malverbot und der Ausschluss aus der Reichskulturkammer. 1934 ließ er sich deshalb in Garmisch-Partenkirchen nieder. Dort wohnte er in der Dreitorspitzstraße 19 im Haus des schlesischen Gutsbesitzers Leo von Lüttichau und betrieb zusammen mit seiner Frau eine kleine Diätpension.
Am 6. Dezember 1936 wurde er - gemeinsam mit dem Maurer Rolf Scherer aus Walldorf bei Heidelberg - wegen „kommu­nistischer Betätigung und öffentlich ge­zeigter kommu­nistischer Gesinnung“ in Garmisch-Partenkirchen denunziert und von der örtlichen Gendarmerie verhaftet. Nach zwei Wochen „Schutzhaft“ wurde er am 19. Dezember 1936 in das KZ Dachau gebracht, aus dem er erst am 2. April 1937 wieder entlassen wurde. 
1954 ging Cavael nach München, erhielt  in diesem Jahr den Kunstpreis der Stadt München und 1968 die Auszeichnung "München leuchtet". 1979 starb Rolf Cavael in München.

Christoph, Karl
Der Tagelöhner und Hilfsarbeiter Christoph wohnte in der Hörmannstr. 4 in Garmisch-Partenkir­chen. Er war verheiratet mit der Hausbesitzerin und Lebensmittelhändlerin The­rese Christoph.
Er schrieb – ähnlich wie Sepp Roith aus Oberau – nach seiner Entlassung und vermutlich kurz nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes einen detaillierten Bericht über seine Erlebnisse im Konzentrationslager Dachau.

Gmeinwieser, Max
Gmeinwieser stammte aus Garmisch-Partenkirchen und wohnte in der Zugspitzstraße 86.
Er war Mitglied der KPD-Ortsgruppe Garmisch-Partenkirchen und wurde vermutlich aus diesem Grund in das Konzentrationslager gebracht.
Nach dem Ende des NS-Diktatur war Max Gemeinwieser Vorsitzender der Garmisch-Partenkirchner KPD und für kurze Zeit Flüchtlingskommissar der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen.

Haas, Josef
Der Bauarbeiter Haas, geboren am  16. September 1901, lebte in Garmisch-Partenkirchen
In den Jahren 1933/34 war Haas acht Monate im KZ Dachau. Es wurde ihm unbefugtes Tragen eines Parteiabzeichens sowie fortgesetztes Vergehen gegen das
Heimtückegesetz in Verbindung mit staatsfeindlichen Äußerungen zum Vorwurf gemacht.

Huber, Martin
Huber, geboren am 4. August 1905, stammte aus Garmisch-Partenkirchen.
Vom 28. August 1933 bis zum 9. April 1934 wurde er in „Schutzhaft“ genommen. Die Gründe sind nicht bekannt. Die Einweisung in das KZ Dachau erfolgte am 9. April 1934, entlassen wurde er am 1. Mai 1934.

Karg
Karg stammte aus Garmisch-Partenkirchen. Genauere Angaben können nicht gemacht werden. Nach der Entlassung aus dem KZ  nahm er sich das Leben.

Kreuzer, Georg
Kreuzer wurde am 20. Juli 1900 in Tirschenreuth geboren. Er war von Beruf Schneider.
Wegen „staatsabträglichen Verhaltens“ und weil er sich „öffentlich zum Marxismus bekannt und den NS kritisiert“ hatte, wurde er vom 26. April 1936 bis zum 16. April 1937 im KZ Dachau inhaftiert. Vermutlich wurde er dann bis zum 27. September 1939 in das
KZ Flossenbürg verschleppt.

Maier, Peter
Maier stammte aus Garmisch-Partenkirchen und war Mitglied der örtlichen KPD.

Maier, Sebastian
Der Maurer Sebastian Maier wurde am 20. Januar 1908 in Garmisch-Partenkirchen geboren.
Er wurde zunächst „wegen Gefährdung der öffentlichen Si­cherheit und Ordnung“ in „Schutzhaft“ genommen und anschließend in das KZ Dachau eingewiesen. Näher Informationen liegen nicht vor.

Mayr, Josef
Josef Mayr wurde am 3. Oktober 1896 in Oberau geboren, wo er den Beruf des Malers ausübte. Er war politisch stark engagiert und stand als Vorsitzender an der Spitze des SPD-Ortsvereins Oberau.
“Wegen Verächtlichmachung der Reichsregierung“ wurde Mayr in den Jahren von 1933 bis 1935 vier­mal in  Schutzhaft genommen, ehe er 1935 in das Konzentrationslager Dachau gebracht wurde.

Meier, Georg
Georg Meier wohnte in Garmisch-Partenkirchen in der Zugspitzstraße 125. Er war KPD-Mitglied in Garmisch-Partenkirchen.

Murr, Otto
Otto Murr aus Eschenlohe wurde am 06. Juni 1912 geboren. Er soll Anhänger der KPD gewesen sein und wurde deshalb in „Schutzhaft“ genommen und vom 23. September 1935 bis zum 31. Juli 1936 in das KZ Dachau eingewiesen.

Piethold, Anton
Piethold, Schlossergeselle aus Garmisch-Partenkirchen, geboren am 26. Oktober 1902, wurde schon im März 1933  wegen Mitgliedschaft in der KPD in „Schutzhaft“ genommen und dann in das KZ Dachau gebracht.
Auch seine Frau Auguste, geboren am 1. September 1903, wurde - im Jahre 1934 - wegen „Beleidigung der Reichs­regierung“ in „Schutzhaft“ genommen.

Rauh, Hans Karl
Rauh wurde am 24. August 1907 in Strose geboren. Er wohnte in Oberammergau in der Lukasstr. 51.
Wegen „Vergehens gegen das Heimtückegesetz“ und weil er „Gräuelnachrichten über angebliche Vorkommnisse im KZ Dachau“ verbrei­tet haben soll, wurde er am 7. August 1937 in das KZ eingewiesen und erst wieder am 20. April 1939 entlassen.

Richter, Hubert
Richter, geboren am 10. Februar 1897, lebte als Schriftsteller in Garmisch-Partenkirchen und wurde wegen „Beleidigung der NSDAP und des Staatsministers Adolf Wagner“ in „Schutzhaft“ genommen und anschließend vom 4. August 1934 bis zum 12. Februar 1936 in das KZ Dachau überstellt.

Roith, Josef
Josef Roith - 1944 (Aus: Josef Roith, Ganterbaum - Herausgegeben von Josef Bader - München 2001)Josef Roith, bekannt als „Loffer Sepp“, kam am 6. Januar 1897 in Etzmannsried zur Welt. Ein wechselvolles Schicksal brachte ihn in den zwanziger Jahren nach Oberau, wo er in den ereignisreichen Jahren am Ende der Weimarer Demokratie Ortsvorsitzender der SPD war.
Am 20. August 1933 wurde er von Gendarmerie und SA in „Schutzhaft“ genommen. Mit einem Postbus brachte man ihn, zusammen mit 17 weiteren Leidensgenossen, vom Amtsgerichtsgefängnis Garmisch in das KZ Dachau. In seiner Autobiographie mit dem Titel „Ganterbaum. Das mutige Leben des ‚Loffer Sepp’“, im Jahre 2001 im Buchendorfer Verlag herausgegeben von Josef Bader, beschreibt Roith seine ersten Erlebnisse in der Hölle von Dachau:
"Schon bei der Einfahrt ins Lager haben wir erlebt, was da für ein Wind weht. Bei der Fahrt durchs Tor hat der »Spakn To­ni«, Anton Trist von Mittenwald, beim Busfenster zu den SS­-Wachmännern hinausgegrinst ohne böse Absicht. Die sind dann neben dem Bus hergelaufen bis vor die Kommandantur, wo er anhielt. Sie stürzten auf uns zu mit den Worten: »Wo ist der Kerl, der das alles lächerlich findet?«
Und schon ist der »Spakn Toni« zu Boden gegangen, weil ihn die beiden niedergeschlagen haben.
Nachdem wir verlesen und von den höheren SS-Schergen der Kommandantur genug besichtigt worden waren, trieben uns etliche SS-Schläger im Laufschritt in den sogenannten Schlageterraum. Sie waren mit umgehängten Pistolen und Ochsenziemern bewaffnet. Die Wände dieses Raumes waren mit Blut bespritzt und mit Kugellöchern gespickt. Ein Dut­zend Schläger nahm sich unser an.
Der »Spakn Toni« und ich, wir waren die einzigen mit kur­zen Lederhosen bei dem Transport. Wir sollten den Wat­schen-Tanz aufführen. Selbstverständlich hauten wir uns da­bei nicht ins Gesicht, wie die Brüder wollten. Da nahmen zwei von ihnen sich unser an und schlugen uns von allen Seiten mit der Faust ins Gesicht und an den Kopf, bis uns das Blut aus Maul und Nase lief. Die anderen wurden in ähnlicher Weise fertiggemacht.
Die ganze Prozedur dauerte eine gute halbe Stunde, dann wurden wir, wieder von den Schlägern begleitet, im Laufschritt an der Wache vorbei ins eigentliche Lager getrieben.“

Sailer, Andreas
Sailer, Kaufmann aus Garmisch-Partenkirchen, geboren am 7. April 1899, war im KZ Dachau vom 1. Juli 1936 bis zum 20. Juli 1937, weil er sich in einer Gastwirtschaft „abfällig über den NS geäußert und ge­sagt haben soll ‚Lieber bin ich Kommunist’“. Nach der Entlassung aus dem KZ soll er sich das Leben genommen haben.

Sam, Josef
Sam, Hilfsarbeiter aus Garmisch-Partenkirchen, geboren am 28. Januar 1905 wurde wegen „staatsfeindlicher Gesinnung und Äußerungen“ vom 16. September 1933 bis zum 30. August 1934 in das KZ Dachau gebracht.

Specht-Fey, Walter
Der Student Walter Specht-Fey aus Seehausen (damals im Landkreis Weilheim), geboren am 23. Februar 1902 wurde in „Schutzhaft“ genommen und dann in das KZ Dachau eingewiesen, weil er sich „als kommunistischer Funktionär ausgegeben und über Hitler und die nationale Bewegung Witze erzählt“ haben soll.

Speer, Augustin
Augustin Speer wurde am 20. Januar 1899 in Unterammergau geboren. Bei seiner Verhaftung wohnte der Zeuge Jehovas und Vater von vier Kindern im Alter von 16, 14, 11 und 8 Jahren in Schlattan/Partenkirchen.
Zur Vorgeschichte:
Am 12. 12.1936 wurden im Deutschen Reich Flugblätter mit der Überschrift „Resolution“ und der Unterschrift „Mitteleuropäischer Kongress der Zeugen Jehovas - Luzern“ verteilt. Das Bezirksamt Garmisch überprüfte, wer solche Flugblätter erhalten hatte und ließ „wegen des Verdachts der Anhänger­schaft und Betätigung für die Bibelforscher“ Hausdurchsuchungen vornehmen. Dabei wurde bei August Speer und bei Josef Kainberger (geb. 16.02.1881) aus Garmisch-Partenkirchen belastendes Material entdeckt. Sie wurden verhaftet, aber wohl nach einiger Zeit wieder frei gelassen.
Ein Jahr später, am 14. Januar 1938, wurde Augustin Speer von einer Frau wegen „Mitgliedschaft bei den Ernsten Bibelforschern ... Verweigerung des Fahneneides ... Schimpfens über die Reichsregierung“ angezeigt. Außerdem warf sie ihm vor, „Beziehungen zu Gleichgesinnten nach Chemnitz und Peissenberg“ zu haben.  Die Denunziantin sah in Speer „einen Staatsfeind, der vernichtet werden muß“.
Nur vier Tag nach dieser Anzeige  - am 18. Januar 1938 - wurde Speer  ohne richterlichen Haftbefehl in Haft genommen und erkennungsdienstlich behandelt. Am 19. Januar 1938 traf der auf sieben Tage begrenzte Schutzhaftbefehl ein, der Speer noch am gleichen Tag ausgehändigt wurde. Gleichzeitig wurde er „bis auf weiteres“ verlängert. Am 20. Januar 1938 gab Speer zu Protokoll, daß er den Fahneneid aus Glaubensüber­zeugung verweigert habe, in der letzten Zeit keinen Kontakt zu Gleichgesinnten und von 1924 bis Sommer 1933 oder 1934 keinen Kontakt zur Internationalen Bibelforscher-Vereinigung hatte.  Am 24. Januar 1938 bestätigte die Gestapo München den Schutzhaftbefehl. Speer wurde dann am 31. Januar 1938  zur Gestapo nach München überstellt und von dort aus nach weiterer Klärung seiner Beziehungen nach Chemnitz und Peißenberg in das KZ Dachau eingewiesen.
Die vier Kinder Speers wurden durch das Bezirksamt Garmisch mit Wirkung vom 2. März 1938 in „Familienerziehung“ gegeben. Am 17. März 1938 begann vor dem Sondergericht München das Ver­fahren gegen Speer wegen illegaler Betätigung für die verbotene IBV. Speer wurde am gleichen Tag zum weiteren Vollzug der Schutzhaft in das Strafgefängnis München eingeliefert. Am 14. Juli 1938 wurde dieses Verfahren aufgrund des Straffreiheitsgesetzes vom 30.4.1938 eingestellt. Das Verfahren wegen Verweigerung des Fahneneides wurde abgetrennt und dem Militärgericht der Gebirgsbrigade München übertragen. Die Militärrichter verurteilten Speer zu drei Wochen verschärftem Arrest.
Statt in die Arrestzelle der Gebirgsjäger wurde Speer aber schon am 20. Juli 1938 in das KZ Dachau gebracht  - „zugewiesen ... gemäß dortigem Antrag“ von Garmisch-Partenkirchner Behörden. Am 27. September 1939 wurde er dann in das
KZ Mauthausen „überstellt“. Nach Dachau  kam er am 28. Februar 1940 zurück. Den Angehörigen teilte der KZ-Kommandant vier Wochen später kaltschnäuzig mit, Speer sei am 26. März 1940 „an Herzschwäche“ gestorben.

Stadler, Josef
Der Hilfsarbeiter Josef Stadler, geboren am 8. März 1901 in München, wohnhaft in Unterammergau, wurde am 23. September 1935 wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses, wiederholt betrunken, stört öffentliche Ruhe und Ordnung“ auf Ersuchen des Bezirksamtes Garmisch in das KZ eingewiesen.

Staudinger, Ludwig
Staudinger, geboren am 2. Juni 1887 in Aichach, wohnte als Hilfsarbeiter in Garmisch-Partenkirchen. Im Ersten Weltkrieg bekam er das Eiserne Kreuz verliehen, das ihn aber vor Verfolgung und Verhaftung nicht schützen konnte.
Wegen angeblich „staatsfeindlicher Äußerungen – z.B. ‚Unsere Regierung besteht aus lauter Hanswurstl’ wurde am 9. Januar 1937 vom Bezirksamt Garmisch „Schutzhaft“ angeordnet und am 12. Januar 1937 von der Gestapo genehmigt. Erst am 18. Juli 1939 wurde Staudinger wieder aus dem KZ Dachau entlassen.

Tauschinger, Ludwig
Der Bauarbeiter Ludwig Tauschinger aus Penzberg, geboren am 2. Dezember 1905 fand 1935/36 Arbeit beim Bau der Artilleriekaserne in Garmisch-Partenkirchen
Am 17. Dezember 1936 wurde er wegen eines „Verstoßes gegen das Heimtückegesetz“ in Oberammergau durch die Gendarmerie in „Schutzhaft“ genommen. Der Pächter der Bahnhofswirtschaft Oberammergau hatte der Polizei mitgeteilt, dass „in seinem Gasthaus ein Hilfsarbeiter permanent über die angeblich üblen und erschreckenden Verhältnisse im Lager Dachau klagen und schimpfen würde („Die in Dachau sind Lumpen, die haben Leute mit Gewalt hingemacht.“).“
Tauschinger, der wegen illegaler Waffenbeschaffung schon einmal im KZ Dachau war, wurde daraufhin sofort wieder nach Dachau gebracht und musste dort bis zum 20. April 1939 bleiben.
Nach dem Ende des Krieges erhob er Anklage wegen Denunzierung und beantragte die Verurteilung der Personen, die für seine Einweisung nach Dachau verantwortlich waren. Er selbst beschrieb den Schrecken, den er im Lager erlebt hatte, wie folgt: „Nach meiner Verbringung am 4.1.1937 in das KZ Dachau wurde ich dem ehemaligen Lagerkommandanten Loritz persönlich vorgestellt, der die gesamte SS-Lagermannschaft zusammenrief – es waren ca. 40 - 50 Mann – und mich diesen vorstellte mit folgenden Worten: „Männer des SS-Totenkopfverbandes, seht auch diesen Hund an, der sich äußerte, dass in diesem Lager alle die Leute umgelegt werden, die uns politisch am gefährlichsten sind. Ich empfehle ihn euch zur besonderen Behandlung“. ... Jede zweite Nacht wurde ich krumm geschlagen.“

Triest, Anton
Der Hilfsarbeiter Anton Triest aus Mittenwald, geboren am 11. Mai 1904, war vom 20. August 1933 bis zum 15. März 1935 in „Schutzhaft“ und anschließend im KZ Dachau. Er soll sich „abfällig über Hitler und die Regierung geäußert“ haben.

Unger, Max
Unger, 1890 im Vogtland geboren, war gelernter Schneider und seit 1921 Mitglied der KPD. In Garmisch-Partenkirchen gründete er 1930 die Ortsgruppe der Kommunistischen Partei. 1932 wurde er Obmann der Arbeitslosen in den Gemeinden Garmisch-Partenkirchen, Farchant, Grainau und Mittenwald.
Am 10. März 1933 wurde er in Garmisch-Partenkirchen verhaftet und bis zum Jahre 1935 im KZ Dachau festgehalten.

Wehr, Heinz
Heinz Wehr, lediger Uhrmacher und Bauhilfsarbeiter aus Garmisch-Partenkirchen, geboren am 22. Februar 1916, war vom 29. Juli 1936 – also wenige Monate nach seinem zwanzigsten Geburtstag - bis zum 10. Dezember 1938 im KZ Dachau.
Er hatte gegen den niedrigen Stundenlohn protestiert, den er beim Kasernenbau in Garmisch erhielt. Außerdem soll er „'Heil Moskau’ gerufen und auf seiner Mundharmonika die Internationale gespielt“ haben.

 


 

Quellen:

Archivinventar Widerstand und Verfolgung in Bayern 1933 - 1945 (LRA Garmisch-Partenkir­chen)

Häftlingsverzeichnis des Gedenkstättenarchivs Dachau

Josef Roith, Ganterbaum – Das mutige Leben des „Loffer Sepp“, herausgegeben von Josef Bader (München 2001)

Hans Hermann Rösch, Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus im Landkreis Garmisch-Partenkirchen (Garmisch-Partenkirchen 1985 - Unveröffentlichte Facharbeit aus dem Leistungskurs Geschichte 1983/85 am Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen)

Josef Brandner, Machtwechsel – Vom Wahlsieg zur Alleinherrschaft. Die Ereignisse im Bezirk Garmisch während der „nationalsozialistischen Revolution“ in Bayern – nach Quellen aus dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt (Ohl­stadt 1983 - Unveröffentlichtes Typoskript)

Florian Fuchsgruber, Häftlinge aus Garmisch-Partenkirchen und Umgebung im Konzentrationslager Dachau (Garmisch-Partenkirchen 2000 - Unveröffentlichte Facharbeit aus dem Leistungskurs Geschichte 1998/2000 am Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen)

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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