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Der Machtergreifung Hitlers
und der NSDAP am 30. Januar 1933 folgte schon bald die systematische
Beseitigung des Rechtsstaates verbunden mit organisiertem Terror gegen
politische Gegner, die sich nicht mundtot machen lassen wollten und
gegen Menschen, die "anders" waren und nicht in das Bild vom
"Herrenmenschen" passten wie Juden, Zigeuner, Homosexuelle und soziale
Außenseiter.
Schon am 1. März 1933 gab es
einen ersten Hinweis darauf, dass auch in den Gemeinden des Bezirksamtes
Garmisch machtlüsterne NS-Funktionäre darauf warteten, mit ihren
politischen Gegnern gewalttätig und gefahrlos abrechnen zu können. Das
Bezirksamt informierte an diesem Tag die Regierung von Oberbayern
darüber, dass "die NSDAP ... mit baldiger Heranziehung zu polizeilichen
Aufgaben" rechne. Am 11. März 1933 war es dann soweit: In der Nacht zum
Samstag wurden „einige Personen, die als kommunistische
Parteifunktionäre bekannt sind, in Polizeihaft genommen.“ Dabei kam es
auch zu ersten Hausdurchsuchungen, bei denen die SA den Ton angab.
Die Gendarmerie war teilweise nur noch rechtsstaatliche Staffage.
Am 16. Mai 1933
erstattete das Bezirksamt Bericht an die Regierung von Oberbayern und
meldete die neuesten Zahlen: „Außer den in
Dachau
befindlichen Schutzhäftlingen aus dem Bezirk Garmisch (z.Zt. noch fünf)
sind in Garmisch in Schutzhaft noch 4 Personen. Davon sind 2 seit
10.III., 2 erst seit einigen Tagen.“ Sechs Wochen später befanden sich
noch sechs Personen, "meistens wegen beleidigender Äußerungen über die
Regierung" in
Schutzhaft, die Zahl der Häftlinge im KZ Dachau
wurde nicht mehr erwähnt. Sie muss aber sehr groß gewesen sein, wenn man
Bezirksamtmann Dr. Fux vertrauen darf, der am 30. August 1933 der
Regierung von Oberbayern mitteilte - und dabei seine Sympathie für die
neuen Herren und ihre drakonischen Maßnahmen nicht verbarg - , dass "am
letzten Sonntag mit Hilfe von SA-Mannschaften eine Razzia in
Partenkirchen durchgeführt (wurde), bei der 20 verdächtige arbeitsscheue
männliche Personen im Alter von 18 – 26 Jahren festgenommen und in
Schutzhaft genommen wurden... Ich hoffe, daß ein großer Teil dieser
Tagediebe nach Lager Dachau zur weiteren Verwahrung übernommen wird.“
Mit dieser Haltung unterstützte und förderte der höchste politische
Repräsentant des Bezirksamtes die Absicht der Nationalsozialisten, das
KZ als zunächst relativ harmlosen Umerziehungsort für politische
Querulanten und soziale Außenseiter erscheinen zu lassen. Es dauerte
freilich nicht lange, bis die Bevölkerung diese Lüge durchschaut und den
wahren Charakter dieses Lagers erkannt hatte. Kritik am Dritten Reich
oder an seinen politischen Führern wurde immer häufiger mit der Warnung
"Halts Maul, sonst kommst nach Dachau!" kommentiert.
Die folgende Liste von
Männern aus den Gemeinden des Bezirksamtes Garmisch, die zwischen 1933
und 1938 in das KZ Dachau verschleppt wurden, ist das Ergebnis
vielfältiger Recherche. Sie erhebt aber keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Viele Informationen über Namen und Schicksale fehlen.
Die Buchhalter des Terrors haben Spuren verwischt, wo immer sie konnten.
Bierling, Heinrich
Der Oberammergauer
Heinrich Bierling, geboren am 10. Oktober 1893, kam vom 20. Juni 1933
bis zum 20. Dezember 1933 in "Schutzhaft". Im Konzentrationslager Dachau
war er vom 21. Dezember 1933 bis zum 22. Februar 1934.
Er wurde auf Veranlassung des NS-Kreisleiter Hans Hartmann,
Sonderkommissar beim Bezirksamt Garmisch, in das Lager eingewiesen.
Cavael, Rolf
Cavael,
am 27. Februar 1898 in Königsberg geboren, war von 1916 bis 1918 Soldat
im Ersten Weltkrieg und erlebte den Stellungskrieg in allen seinen
mörderischen Phasen. 1924 bis 1926 studierte er Graphik an der
Staedelschule in Frankfurt am Main. Anschließend unterrichtete er als
Lehrer für Angewandte Graphik an der Städtischen Fachschule Frankfurt.
Nach seiner Heirat mit Dorothea Schemel ließ er sich 1930 als freier
Maler in Berlin nieder. Gleich zu Beginn der nationalsozialistischen
Machtergreifung geriet er ins Visier der neuen Machthaber: Eine im
Frühjahr 1933 geplante Ausstellung in der Berliner Galerie Ferdinand
Möller kam nicht mehr zustande. Eine weitere Ausstellung seiner Werke in
Braunschweig - zusammen mit Josef Albers - wurde von den Nazis
geschlossen. Zum Ausstellungsverbot, das ihn und seine Familie schon
hart genug getroffen hatte, kam noch im gleichen Jahr ein generelles
Malverbot und der Ausschluss aus der Reichskulturkammer. 1934 ließ er
sich deshalb in Garmisch-Partenkirchen nieder. Dort wohnte er in der
Dreitorspitzstraße 19 im Haus des schlesischen Gutsbesitzers Leo von
Lüttichau und betrieb zusammen mit seiner Frau eine kleine Diätpension.
Am 6. Dezember 1936 wurde er - gemeinsam mit dem Maurer Rolf Scherer aus
Walldorf bei Heidelberg - wegen „kommunistischer Betätigung und
öffentlich gezeigter kommunistischer Gesinnung“ in
Garmisch-Partenkirchen denunziert und von der örtlichen Gendarmerie
verhaftet. Nach zwei Wochen „Schutzhaft“ wurde er am 19. Dezember 1936
in das KZ Dachau gebracht, aus dem er erst am 2. April 1937 wieder
entlassen wurde.
1954 ging Cavael nach München, erhielt in diesem Jahr den Kunstpreis
der Stadt München und 1968 die Auszeichnung "München leuchtet". 1979
starb Rolf Cavael in München.
Christoph, Karl
Der Tagelöhner und Hilfsarbeiter Christoph wohnte in
der Hörmannstr. 4 in Garmisch-Partenkirchen. Er war verheiratet mit der
Hausbesitzerin und Lebensmittelhändlerin Therese Christoph.
Er schrieb – ähnlich wie Sepp Roith aus Oberau – nach seiner Entlassung
und vermutlich kurz nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen
Regimes einen detaillierten Bericht über seine
Erlebnisse im Konzentrationslager Dachau.
Gmeinwieser, Max
Gmeinwieser stammte aus Garmisch-Partenkirchen und wohnte in der
Zugspitzstraße 86.
Er war Mitglied der KPD-Ortsgruppe Garmisch-Partenkirchen und wurde
vermutlich aus diesem Grund in das Konzentrationslager gebracht.
Nach dem Ende des NS-Diktatur war Max Gemeinwieser Vorsitzender der
Garmisch-Partenkirchner KPD und für kurze Zeit Flüchtlingskommissar der
Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen.
Haas, Josef
Der Bauarbeiter Haas, geboren am
16. September 1901, lebte in Garmisch-Partenkirchen
In den Jahren 1933/34 war Haas acht Monate im KZ Dachau. Es wurde ihm
unbefugtes Tragen eines Parteiabzeichens sowie fortgesetztes Vergehen
gegen das
Heimtückegesetz
in Verbindung mit staatsfeindlichen Äußerungen zum Vorwurf gemacht.
Huber, Martin
Huber, geboren am 4. August 1905, stammte aus Garmisch-Partenkirchen.
Vom 28. August 1933 bis zum 9. April 1934 wurde er in „Schutzhaft“
genommen. Die Gründe sind nicht bekannt. Die Einweisung in das KZ Dachau
erfolgte am 9. April 1934, entlassen wurde er am 1. Mai 1934.
Karg
Karg stammte aus Garmisch-Partenkirchen. Genauere Angaben können nicht
gemacht werden. Nach der Entlassung aus dem KZ
nahm er sich das Leben.
Kreuzer, Georg
Kreuzer wurde am 20. Juli 1900 in Tirschenreuth
geboren. Er war von Beruf Schneider.
Wegen „staatsabträglichen Verhaltens“ und weil er sich „öffentlich zum
Marxismus bekannt und den NS kritisiert“ hatte, wurde er vom 26. April
1936 bis zum 16. April 1937 im KZ Dachau inhaftiert. Vermutlich wurde er
dann bis zum 27. September 1939 in das
KZ Flossenbürg
verschleppt.
Maier, Peter
Maier stammte aus Garmisch-Partenkirchen und war Mitglied der örtlichen
KPD.
Maier, Sebastian
Der Maurer Sebastian Maier wurde am 20. Januar 1908 in
Garmisch-Partenkirchen geboren.
Er wurde zunächst „wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung“ in „Schutzhaft“ genommen und anschließend in das KZ Dachau
eingewiesen. Näher Informationen liegen nicht vor.
Mayr, Josef
Josef Mayr wurde am 3. Oktober 1896 in Oberau geboren, wo er den Beruf
des Malers ausübte. Er war politisch stark engagiert und stand als
Vorsitzender an der Spitze des SPD-Ortsvereins Oberau.
“Wegen Verächtlichmachung der Reichsregierung“ wurde Mayr in den Jahren
von 1933 bis 1935 viermal in
Schutzhaft genommen, ehe er 1935 in das Konzentrationslager Dachau
gebracht wurde.
Meier, Georg
Georg Meier wohnte in Garmisch-Partenkirchen in der Zugspitzstraße 125.
Er war KPD-Mitglied in Garmisch-Partenkirchen.
Murr, Otto
Otto Murr aus Eschenlohe wurde am 06. Juni 1912 geboren. Er soll
Anhänger der KPD gewesen sein und wurde deshalb in „Schutzhaft“ genommen
und vom 23. September 1935 bis zum 31. Juli 1936 in das KZ Dachau
eingewiesen.
Piethold, Anton
Piethold, Schlossergeselle aus Garmisch-Partenkirchen, geboren am 26.
Oktober 1902, wurde schon im März 1933
wegen Mitgliedschaft in der KPD in „Schutzhaft“ genommen und dann in das
KZ Dachau gebracht.
Auch seine Frau Auguste, geboren am 1. September 1903, wurde - im Jahre
1934 - wegen „Beleidigung der Reichsregierung“ in „Schutzhaft“
genommen.
Rauh, Hans Karl
Rauh wurde am 24. August 1907 in Strose geboren. Er wohnte in
Oberammergau in der Lukasstr. 51.
Wegen „Vergehens gegen das Heimtückegesetz“ und weil er „Gräuelnachrichten
über angebliche Vorkommnisse im KZ Dachau“ verbreitet haben soll, wurde
er am 7. August 1937 in das KZ eingewiesen und erst wieder am 20. April
1939 entlassen.
Richter, Hubert
Richter, geboren am 10. Februar 1897, lebte als Schriftsteller in
Garmisch-Partenkirchen und wurde wegen „Beleidigung der NSDAP und des
Staatsministers Adolf Wagner“ in „Schutzhaft“ genommen und anschließend
vom 4. August 1934 bis zum 12. Februar 1936 in das KZ Dachau überstellt.
Roith, Josef
Josef
Roith, bekannt als „Loffer Sepp“, kam am 6. Januar 1897 in Etzmannsried
zur Welt. Ein wechselvolles Schicksal brachte ihn in den zwanziger
Jahren nach Oberau, wo er in den ereignisreichen Jahren am Ende der
Weimarer Demokratie Ortsvorsitzender der SPD war.
Am 20. August 1933 wurde er von Gendarmerie und SA in „Schutzhaft“
genommen. Mit einem Postbus brachte man ihn, zusammen mit 17 weiteren
Leidensgenossen, vom Amtsgerichtsgefängnis Garmisch in das KZ Dachau. In
seiner Autobiographie mit dem Titel „Ganterbaum. Das mutige Leben des
‚Loffer Sepp’“, im Jahre 2001 im Buchendorfer Verlag herausgegeben von
Josef Bader, beschreibt Roith seine ersten Erlebnisse in der Hölle von
Dachau:
"Schon bei der Einfahrt ins Lager haben wir erlebt, was da für ein Wind
weht. Bei der Fahrt durchs Tor hat der »Spakn Toni«, Anton Trist von
Mittenwald, beim Busfenster zu den SS-Wachmännern hinausgegrinst ohne
böse Absicht. Die sind dann neben dem Bus hergelaufen bis vor die
Kommandantur, wo er anhielt. Sie stürzten auf uns zu mit den Worten: »Wo
ist der Kerl, der das alles lächerlich findet?«
Und schon ist der »Spakn Toni« zu Boden gegangen, weil ihn die beiden
niedergeschlagen haben.
Nachdem wir verlesen und von den höheren SS-Schergen der Kommandantur
genug besichtigt worden waren, trieben uns etliche SS-Schläger im
Laufschritt in den sogenannten Schlageterraum. Sie waren mit umgehängten
Pistolen und Ochsenziemern bewaffnet. Die Wände dieses Raumes waren mit
Blut bespritzt und mit Kugellöchern gespickt. Ein Dutzend Schläger nahm
sich unser an.
Der »Spakn Toni« und ich, wir waren die einzigen mit kurzen Lederhosen
bei dem Transport. Wir sollten den Watschen-Tanz aufführen.
Selbstverständlich hauten wir uns dabei nicht ins Gesicht, wie die
Brüder wollten. Da nahmen zwei von ihnen sich unser an und schlugen uns
von allen Seiten mit der Faust ins Gesicht und an den Kopf, bis uns das
Blut aus Maul und Nase lief. Die anderen wurden in ähnlicher Weise
fertiggemacht.
Die ganze Prozedur dauerte eine gute halbe Stunde, dann wurden wir, wieder
von den Schlägern begleitet, im Laufschritt an der Wache vorbei ins
eigentliche Lager getrieben.“
Sailer, Andreas
Sailer, Kaufmann aus Garmisch-Partenkirchen, geboren am 7. April 1899,
war im KZ Dachau vom 1. Juli 1936 bis zum 20. Juli 1937, weil er sich in
einer Gastwirtschaft „abfällig über den NS geäußert und gesagt haben
soll ‚Lieber bin ich Kommunist’“. Nach der Entlassung aus dem KZ soll er
sich das Leben genommen haben.
Sam, Josef
Sam, Hilfsarbeiter aus Garmisch-Partenkirchen, geboren am 28. Januar
1905 wurde wegen „staatsfeindlicher Gesinnung und Äußerungen“ vom 16.
September 1933 bis zum 30. August 1934 in das KZ Dachau gebracht.
Specht-Fey, Walter
Der Student Walter Specht-Fey aus Seehausen (damals im Landkreis
Weilheim), geboren am 23. Februar 1902 wurde in „Schutzhaft“ genommen
und dann in das KZ Dachau eingewiesen, weil er sich „als kommunistischer
Funktionär ausgegeben und über Hitler und die nationale Bewegung Witze
erzählt“ haben soll.
Speer, Augustin
Augustin Speer wurde
am 20. Januar 1899 in Unterammergau geboren. Bei seiner Verhaftung
wohnte der Zeuge Jehovas und Vater von vier Kindern im Alter von 16, 14,
11 und 8 Jahren in Schlattan/Partenkirchen.
Zur Vorgeschichte:
Am 12. 12.1936 wurden im Deutschen Reich Flugblätter mit der Überschrift
„Resolution“ und der Unterschrift „Mitteleuropäischer Kongress der
Zeugen Jehovas - Luzern“ verteilt. Das Bezirksamt Garmisch überprüfte,
wer solche Flugblätter erhalten hatte und ließ „wegen des Verdachts der
Anhängerschaft und Betätigung für die Bibelforscher“ Hausdurchsuchungen
vornehmen. Dabei wurde bei August Speer und bei Josef Kainberger (geb.
16.02.1881) aus Garmisch-Partenkirchen belastendes Material entdeckt.
Sie wurden verhaftet, aber wohl nach einiger Zeit wieder frei gelassen.
Ein Jahr später, am 14. Januar 1938, wurde Augustin Speer von einer Frau
wegen „Mitgliedschaft bei den Ernsten Bibelforschern ... Verweigerung
des Fahneneides ... Schimpfens über die Reichsregierung“ angezeigt.
Außerdem warf sie ihm vor, „Beziehungen zu Gleichgesinnten nach Chemnitz
und Peissenberg“ zu haben.
Die Denunziantin sah in Speer „einen Staatsfeind, der vernichtet werden
muß“.
Nur vier Tag nach dieser Anzeige
- am 18. Januar 1938 - wurde Speer
ohne richterlichen Haftbefehl in Haft genommen und erkennungsdienstlich
behandelt. Am 19. Januar 1938 traf der auf sieben Tage begrenzte
Schutzhaftbefehl ein, der Speer noch am gleichen Tag ausgehändigt wurde.
Gleichzeitig wurde er „bis auf weiteres“ verlängert. Am 20. Januar 1938
gab Speer zu Protokoll, daß er den Fahneneid aus Glaubensüberzeugung
verweigert habe, in der letzten Zeit keinen Kontakt zu Gleichgesinnten
und von 1924 bis Sommer 1933 oder 1934 keinen Kontakt zur
Internationalen Bibelforscher-Vereinigung hatte.
Am 24. Januar 1938 bestätigte die Gestapo München den Schutzhaftbefehl.
Speer wurde dann am 31. Januar 1938
zur Gestapo nach München überstellt und von dort aus nach weiterer
Klärung seiner Beziehungen nach Chemnitz und Peißenberg in das KZ Dachau
eingewiesen.
Die vier Kinder Speers wurden durch das Bezirksamt Garmisch mit Wirkung
vom 2. März 1938 in „Familienerziehung“ gegeben. Am 17. März 1938 begann
vor dem Sondergericht München das Verfahren gegen Speer wegen illegaler
Betätigung für die verbotene IBV. Speer wurde am gleichen Tag zum
weiteren Vollzug der Schutzhaft in das Strafgefängnis München
eingeliefert. Am 14. Juli 1938 wurde dieses Verfahren aufgrund des
Straffreiheitsgesetzes vom 30.4.1938 eingestellt. Das Verfahren wegen
Verweigerung des Fahneneides wurde abgetrennt und dem Militärgericht der
Gebirgsbrigade München übertragen. Die Militärrichter verurteilten Speer
zu drei Wochen verschärftem Arrest.
Statt in die Arrestzelle der Gebirgsjäger wurde Speer aber schon am 20.
Juli 1938 in das KZ Dachau gebracht
- „zugewiesen ... gemäß dortigem Antrag“ von Garmisch-Partenkirchner
Behörden. Am 27. September 1939 wurde er dann in das
KZ Mauthausen „überstellt“. Nach Dachau
kam er am 28. Februar 1940 zurück. Den Angehörigen teilte der
KZ-Kommandant vier Wochen später kaltschnäuzig mit, Speer sei am 26.
März 1940 „an Herzschwäche“ gestorben.
Stadler, Josef
Der Hilfsarbeiter Josef Stadler, geboren am 8. März 1901 in München,
wohnhaft in Unterammergau, wurde am 23. September 1935 wegen „Erregung
öffentlichen Ärgernisses, wiederholt betrunken, stört öffentliche Ruhe
und Ordnung“ auf Ersuchen des Bezirksamtes Garmisch in das KZ
eingewiesen.
Staudinger, Ludwig
Staudinger, geboren am 2. Juni 1887 in Aichach, wohnte als Hilfsarbeiter
in Garmisch-Partenkirchen. Im Ersten Weltkrieg bekam er das Eiserne
Kreuz verliehen, das ihn aber vor Verfolgung und Verhaftung nicht
schützen konnte.
Wegen angeblich „staatsfeindlicher Äußerungen – z.B. ‚Unsere Regierung
besteht aus lauter Hanswurstl’ wurde am 9. Januar 1937 vom Bezirksamt
Garmisch „Schutzhaft“ angeordnet und am 12. Januar 1937 von der Gestapo
genehmigt. Erst am 18. Juli 1939 wurde Staudinger wieder aus dem KZ
Dachau entlassen.
Tauschinger, Ludwig
Der Bauarbeiter Ludwig Tauschinger aus Penzberg, geboren am 2. Dezember
1905 fand 1935/36 Arbeit beim Bau der Artilleriekaserne in
Garmisch-Partenkirchen
Am 17. Dezember 1936 wurde er wegen eines „Verstoßes gegen das
Heimtückegesetz“ in Oberammergau durch die Gendarmerie in „Schutzhaft“
genommen. Der Pächter der Bahnhofswirtschaft Oberammergau hatte der
Polizei mitgeteilt, dass „in seinem Gasthaus ein Hilfsarbeiter permanent
über die angeblich üblen und erschreckenden Verhältnisse im Lager Dachau
klagen und schimpfen würde („Die in Dachau sind Lumpen, die haben Leute
mit Gewalt hingemacht.“).“
Tauschinger, der wegen illegaler Waffenbeschaffung schon einmal im KZ
Dachau war, wurde daraufhin sofort wieder nach Dachau gebracht und
musste dort bis zum 20. April 1939 bleiben.
Nach dem Ende des Krieges erhob er Anklage wegen Denunzierung und
beantragte die Verurteilung der Personen, die für seine Einweisung nach
Dachau verantwortlich waren. Er selbst beschrieb den Schrecken, den er
im Lager erlebt hatte, wie folgt: „Nach meiner Verbringung am 4.1.1937
in das KZ Dachau wurde ich dem ehemaligen Lagerkommandanten Loritz
persönlich vorgestellt, der die gesamte SS-Lagermannschaft zusammenrief
– es waren ca. 40 - 50 Mann – und mich diesen vorstellte mit folgenden
Worten: „Männer des SS-Totenkopfverbandes, seht auch diesen Hund an, der
sich äußerte, dass in diesem Lager alle die Leute umgelegt werden, die
uns politisch am gefährlichsten sind. Ich empfehle ihn euch zur
besonderen Behandlung“. ... Jede zweite Nacht wurde ich krumm
geschlagen.“
Triest, Anton
Der Hilfsarbeiter Anton Triest aus Mittenwald, geboren am 11. Mai 1904,
war vom 20. August 1933 bis zum 15. März 1935 in „Schutzhaft“ und
anschließend im KZ Dachau. Er soll sich „abfällig über Hitler und die
Regierung geäußert“ haben.
Unger, Max
Unger, 1890 im Vogtland geboren, war gelernter Schneider und seit 1921
Mitglied der KPD. In Garmisch-Partenkirchen gründete er 1930 die
Ortsgruppe der Kommunistischen Partei. 1932 wurde er Obmann der
Arbeitslosen in den Gemeinden Garmisch-Partenkirchen, Farchant, Grainau
und Mittenwald.
Am 10. März 1933 wurde er in Garmisch-Partenkirchen verhaftet und bis zum
Jahre 1935 im KZ Dachau festgehalten.
Wehr, Heinz
Heinz Wehr, lediger Uhrmacher und Bauhilfsarbeiter aus
Garmisch-Partenkirchen, geboren am 22. Februar 1916, war vom 29. Juli
1936 – also wenige Monate nach seinem zwanzigsten Geburtstag - bis zum
10. Dezember 1938 im KZ Dachau.
Er hatte gegen den niedrigen Stundenlohn protestiert, den er beim
Kasernenbau in Garmisch erhielt. Außerdem soll er „'Heil Moskau’ gerufen
und auf seiner Mundharmonika die Internationale gespielt“ haben.
Quellen:
Archivinventar
Widerstand und Verfolgung in Bayern 1933 - 1945 (LRA
Garmisch-Partenkirchen)
Häftlingsverzeichnis
des Gedenkstättenarchivs Dachau
Josef Roith,
Ganterbaum – Das mutige Leben des „Loffer Sepp“, herausgegeben von Josef
Bader (München 2001)
Hans Hermann Rösch,
Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus im Landkreis
Garmisch-Partenkirchen (Garmisch-Partenkirchen 1985 - Unveröffentlichte
Facharbeit aus dem Leistungskurs Geschichte 1983/85 am
Werdenfels-Gymnasium Garmisch-Partenkirchen)
Josef Brandner,
Machtwechsel – Vom Wahlsieg zur Alleinherrschaft. Die Ereignisse im
Bezirk Garmisch während der „nationalsozialistischen Revolution“ in
Bayern – nach Quellen aus dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt
(Ohlstadt 1983 - Unveröffentlichtes Typoskript)
Florian Fuchsgruber,
Häftlinge aus Garmisch-Partenkirchen und Umgebung im Konzentrationslager
Dachau (Garmisch-Partenkirchen 2000 - Unveröffentlichte Facharbeit aus
dem Leistungskurs Geschichte 1998/2000 am Werdenfels-Gymnasium
Garmisch-Partenkirchen)
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt
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