Die "Weiße Rose", Alexander Schmorell und Schloss Elmau - 1943

 

 

Den Leserinnen und Lesern des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts wurden am 25. Februar 1943 von der Kriminalpolizeileitstelle München 1000.- Reichsmark in Aussicht gestellt - „als Belohnung für die Mitwirkung zur Ergreifung eines Verbrechers.“ Gesucht wurde nach Alexander Schmorell. Er gehörte mit den Geschwistern Sophie und Hans Scholl, mit Christoph Probst und Willi Graf und mit Professor Kurt Huber zum innersten Kreis der Münchner Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Mit sechs Flugblättern wandte sich die Gruppe zwischen Juni 1942 und Februar 1943 an die Öffentlichkeit, schrieb über die Massenmorde in Polen und in Russland und klagte den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Diktatur an. Ende Februar 1943 wurden sie alle verhaftet, vom sogenannten „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und ermordet.

Oben: Schloss Elmau (1937)

Links: Fahndungstext und Foto von Alexander Schmorell - Aus dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 25.02.1943

 

 

 

 

 

Das Fahndungsbild im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt zeigt einen jungen Mann - entschlossen, ernst, wach. Alexander Schmorell kam 1917 in Russland zur Welt, nach dem Tod der Mutter holte ihn der Vater 1921 nach München. In der Schule lernte er Christoph Probst kennen. Nach Abitur, Arbeitsdienst und Wehrdienst begann Schmorell 1939 in Hamburg mit dem Studium der Medizin, wurde als Sanitäter zur Wehrmacht eingezogen und begegnete in einer Studentenkompanie Hans Scholl und Willi Graf. Ende 1942 entschied er sich für den Widerstand gegen das Hitler-Regime. Das fünfte Flugblatt der „Weißen Rose“ mit dem Titel „Aufruf an alle Deutschen“ formulierte er zusammen mit Kurt Huber und Hans Scholl. Nach der Verhaftung der Freunde am 18. Februar versuchte Schmorell über Innsbruck und Schloss Elmau in die Schweiz zu fliehen. In Elmau konnte er sich mit Hilfe eines russischen Kutschers einige Tage versteckt halten. Quelle 1

Am 22. Februar beauftragte die Gestapo München den Gendarmerie-Posten Mittenwald damit, nach Alexander Schmorell in Schloss Elmau „vertraulich zu fahnden“ und ihn „im Betretungsfall“ festzunehmen. Die Mittenwalder Gendarmen Thalmeier und Merk machten sich auf die Suche, jedoch ohne Erfolg - „es konnte eben dort nirgends jemand unter diesem Namen festgestellt werden.“ Quelle 2

Aufgefallen war der Student aber schon am Vortag - als „Alexi“. Unter diesem Namen hatte Schmorell im Gasthof Elmau am Nachmittag des 21. Februar mit der Mutter von Christoph Probst telefoniert. Er wollte von ihr wissen, wo sich sein Freund zur Zeit aufhielt. Die Mutter glaubte ihren Sohn in Aldrans bei Innsbruck. Sie hatte keine Ahnung davon, dass er verhaftet und in München vor den „Volksgerichtshof“ gestellt worden war.

Am 23. Februar, einen Tag nach dem Freislerschen Todesurteil und der Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl und von Christoph Probst kamen die Polizisten Thalmeier und Merk erneut nach Elmau, um diesen „Alexi“, dessen Telefongespräch mit der Mutter von Christoph Probst nicht unbemerkt geblieben war, genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie fanden den Verdächtigen im Gasthaus Elmau, kontrollierten seinen Reisepass, konnten aber nichts Auffälliges oder Ungesetzliches feststellen. Schmorell hatte sich mit Hilfe von Lilo Ramdohr, einer Münchner Bekannten, die Papiere eines russischen „Fremdarbeiters“ besorgt. Er hieß jetzt Nicolai Nicolaeff, war Student an der TH München und hielt sich in diesen Tagen als Gast in Krün auf. Die Legende und der Reisepass waren perfekt, die Polizisten schöpften bei der Überprüfung der Dokumente keinen Verdacht. Quelle 2

In Schloss Elmau war Schmorell jetzt aber nicht mehr sicher. Seinen Plan, sich vorübergehend in den umliegenden Bergen zu verstecken, ließen Kälte und Schnee aussichtslos erscheinen. Deshalb machte er sich auf den Weg zurück nach München. Dort wurde er am 24. Februar 1943 von einem Blockwart im Luftschutzkeller am Habsburger Platz entdeckt und der Gestapo übergeben. Quelle 3

 

Alexander Schmorell (1917-1943)

Am 13. Juli 1943 wurde Alexander Schmorell im Münchner Gefängnis Stadelheim enthauptet. Quelle 4

 



Literatur und Quellen:
Richard Hanser, Deutschland zuliebe. Leben und Sterben der Geschwister Scholl - Die Geschichte der Weißen Rose (München 1982)
Helmuth Gollwitzer (Hrsg.), "Du hast mich heimgesucht bei Nacht" (Gütersloher 1985)
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, Ausgabe 25.02.1943
Staatsarchiv München, LRA Garmisch-Partenkirchen
61687

 

© Alois Schwarzmüller 2009

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