Pfarrer Hermann Mencke
und die Pfarrei St. Martin Garmisch zur Zeit des Nationalsozialismus

 

 

 


1. Papenburg – München – Freising

Das Städtchen Papenburg liegt im Westen Niedersachsens, im Grenzbereich zu den Niederlanden entlang der Ems. Über die RegPapenburg mit der Meyer-Werft - um 1850

ion hinaus wurde es vor allem durch die Meyer-Werft bekannt, deren Name bis heute mit der Herstellung großer und eleganter Kreuzfahrtschiffe verLudwigs-Gymnasium München - 1870
bunden ist. Reeder, Schiffsoffiziere und Handel treibende Kaufleute gehörten im 19. Jahrhundert zum bürger-lichen Rückgrat der kleinen Stadt. Einer von ihnen war der Kapitän Stefan Mencke, – eine Kapitän-Mencke-Straße gibt es heute noch in Papenburg - dem seine Frau Susanne am 23. September 1882 einen Sohn gebar. Die Kapitänseheleute Mencke nannten ihn Hermann und schickten ihn mit sechs Jahren in die Papenburger Volksschule. Die Mutter starb 1887, Hermann war gerade fünf Jahre alt. Eine ältere Schwester, die nach München geheiratet hatte, holte ihn später zu sich. Er besuchte das renommierte Ludwigsgymnasium, auf dem der junge Richard Strauss lange vor Hermann Mencke und der spätere bayerische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner kurz nach ihm die Schulbank drückten. VomAnsicht des Domgymnasiums Freising
 Münchner Ludwigsgymnasium wechselte Hermann 1896 ins Freisinger Dom-Gymnasium – katholische Kaderschmiede für Kleriker und Laien – und erhielt im Frühjahr 1902 das Zeugnis der Reife.

Zwanzig Jahre war er jetzt und es gibt keine Hinweise dafür, dass er je etwas anderes ins Auge gefasst hätte als die Aufgabe des Seelsorgers. Sein Weg führte bruchlos vom Besuch des Priesterseminars in den Jahren 1902 bis 1907 zur Priester-weihe im gleichen Jahr. Pfarrhof St. Martin Kohlgrub

Der Emsländer Mencke scheint auch keine Sekunde gezögert zu haben, sich unverzüglich und tief auf den oberbayerischen Katholi-zismus einzulassen. Sein Weg führte ihn als Kaplan zunächst für drei Monate nach Siegsdorf im Chiemgau, dann von 1907 bis 1911 nach Bad Kohlgrub und schließlich als Kooperator für die nächsten zwölf Jahre nach Bad Aibling. Lehrreiche Jahre waren das für einen Mann, der die Welt mit offenen Augen betrachtete – die Scheinidylle vor dem großen Krieg, die Jahre des europäischen Völkermordens und die Folgen für die Seele der Menschen, für ihre täglichen Bedürfnisse und für die Gestaltung des Gemeinwesens.


© Alois Schwarzmüller 2007

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