Der Wehrmachtsstandort Garmisch-Partenkirchen

 

 

Offizierheim der 1. Gebirgsdivision - Garmisch, General-Ludendorff-Straße 2 (Osterfelderstraße)

Innerhalb weniger Jahre war aus den weitgehend kleinbäuerlichen Marktflecken und Fremdenverkehrsgemeinden Garmisch und Partenkirchen der olympische Doppelort Garmisch-Partenkirchen herangewachsen. 1936 bis 1938 kam in Folge der Hitlerschen Kriegsplanungen eine starke Garnison mit einem Gebirgsjäger- und einem Gebirgsartilleriebataillon sowie einem Standortlazarett dazu - alles in allem etwa 1800 Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere.

Im Winter 1938/39 begann die Heeresneubauleitung mit den Planungen für ein Offizierscasino am Standort Garmisch-Partenkirchen. Der Wehrmachtsfiskus hatte sich ein Grundstück ausgesucht, das man zu den schönsten Lagen im Ortsteil Garmisch rechnen durfte - zwischen Zugspitzstraße und Villa Ladenburg, auf halbem Weg zwischen der neuen Gebirgsjägerkaserne und dem alten Ortsrand von Garmisch.

 

Lageplan des Standortoffizierheims (1937)

Aufgelassenes Patton-Hotel (2009), bis 1945 Offizierheim

Der größere Teil des ins Auge gefassten Grundstücks war bis dahin im Besitz des Münchner Verlegers und ungarischen Generalkonsuls a.D. Alfons von Bruckmann gewesen. Im Adressbuch des Marktes Garmisch-Partenkirchen war sein Wohnsitz mit Zugspitzstraße 67 angegeben. Außerdem waren die Garmischer Pfarrkirchenstiftung St. Martin und das Ehepaar Dr. Richard und Maude Ladenburg mit ihren Grundstücken von den Neubauplänen betroffen. Die Verhandlungen der Pfarrkirchenstiftung mit dem Heeresfiskus waren - wie schon bei der Errichtung der Jägerkaserne und des Standortlazaretts - stets begleitet von den Drohungen des „Gesetzes über die Enteignung zur Beschaffung von Arbeitsgelegenheit" vom 1. August 1933. Pfarrer Mencke wurde auf seine Abtretungspflicht hingewiesen und darauf, dass das Bezirksamt ein Entschädigungsverfahren einleiten werde. In der zweiten Jahreshälfte 1938 erteilte die Regierung von Oberbayern dem Bezirksamt Garmisch-Partenkirchen schließlich die Anweisung, das Zwangsenteignungsverfahren zu eröffnen und durchzuführen.

Die Planung und Ausführung des Offizierheims lagen in den Händen der Garmisch-Partenkirchner Heeresneubauleitung mit Bauassessor Geißler und Bauleiter Dietz, des Garmischer Architekten Hanns Ostler und des Partenkirchner Baumeisters Josef Zwerger.

Von der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen wurden zur Erschließung des Gebäudes zwei neue Straßen gebaut - die General-Ludendorff-Straße (heute Osterfelderstraße) als Verbindungsstück zwischen Zugspitzstraße und Riesserseestraße und die General-Litzmann-Straße (heute Bärenalplstraße). Karl Litzmann (1850-1936), Infanteriegeneral im Ersten Weltkrieg, unterstützte Hitler seit 1930 als Mitglied der NSDAP und als Alterspräsident des Berliner Reichstages. 1940 wurde der polnischen Stadt Lodz von den Nazis ihm zu Ehren der Name „Litzmannstadt" aufgezwungen. Erich Ludendorff (1865-1937), Mitglied der Obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg, nahm 1923 an Hitlers Münchner Putschversuch gegen die Parlamentarische Republik teil.

Oberst Karl Wintergerst, Standortältester und Kommandeur des GebArtReg 79, ließ beim Richtfest des Offizierheimes „mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den ersten Bauherrn des Dritten Reiches, unseren Führer Adolf Hitler" nicht den geringsten Zweifel aufkommen, wem die Loyalität der Wehrmacht gehörte. Zwei Jahre später war Wintergerst Stadtkommandant von Lemberg in Polen. Das Gebirgsjägerregiment 99 hatte die Stadt im Juli 1941 im Kampf gegen russische Verbände eingenommen. Den folgenden verheerenden antijüdischen Pogromen durch ukrainische Einwohner stellte sich Wintergerst nicht in den Weg.


© Alois Schwarzmüller 2009

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