„… Juden sind hier nicht mehr aufhältlich.“
Die Ausgrenzung jüdischer Kurgäste in Garmisch-Partenkirchen
1937/38

 

 

Quelle 17

24.01.1938 - NSDAP Gau München Oberbayern

An den Kreisleiter der NSDAP Pg. Hausböck Garmisch-Partenkirchen

„Betreff: Judenaktion

Die Gemeinden werden angewiesen, die Schilder von der Kreisleitung abzunehmen und an den Ortsein- und ausgängen deutlich sichtbar anzubringen…

Nach Rücksprache mit dem Reichspropagandaministerium (Oberreg.Rat Mahlo) wurde der Kameradschaftsführer des Kreises Werdenfels (Kurdir. Reitinger) angewiesen, sämtliche Fremdenverkehrsgemeinden des Kreises Garmisch-Partenkirchen dahingehend zu verständigen, dass sie in ihrem bildlichen Prospekt ein Faltblatt beilegen mit der Inschrift: „Juden sind in den Werdenfelser Fremdenverkehrsorten unerwünscht.“ Sämtliche in Deutschland verschickten Prospekte werden mit diesem Faltblatt versehen sein. Kurdirektor Reitinger wird die Überwachung dieser Anordnung vornehmen.“

 

Quelle 18

25.01.1938 - Bürgermeister Jakob Scheck, Kreisamtsleiter für Kommunalpolitik des Kreises Garmisch-Partenkirchen - Rundschreiben K II/38

An die Bürgermeister der Gemeinden des Kreises Garmisch-Partenkirchen

Betreff: Judenaktion

  1. Alle Gemeinden des Kreises Garmisch-Partenkirchen bringen der Bevölkerung erneut zur Kenntnis, dass Juden in ihrer Gemeinde unerwünscht sind.

  2. An allen Ortsein- und ausgängen der Gemeinden des Kreises werden die gleichen Judenschilder, wie an den Geschäften, nur in größerem Ausmaße angebracht. Die Schilder werden durch die Kreisleitung beschafft und sind von den Gemeinden abzunehmen.

  3. Die Bürgermeister der Gemeinden werden verantwortlich gemacht, dass sie einen eventuellen Ankauf von Grundstücken oder Gebäuden, der durch Juden oder für Juden getätigt wird, unter allen Umständen unterbinden. Ich mache jeden Bürgermeister für die Durchführung dieser Anordnung nochmals darauf aufmerksam und persönlich verantwortlich.

  4. Durch den Kameradschaftsführer des Kreises Werdenfels (Kurdir. Reitinger) ergehen in den nächsten Tagen Anweisungen über Prospektversand mit einem Faltblatt als Beilage, dass Juden in Werdenfelser Kur- und Fremdenverkehrsorten unerwünscht sind. Diese Anweisungen bitte ich genau zu beachten und durchzuführen… Heil Hitler, gez. Scheck, Kreisamtsleiter für Kommunalpolitik

19.02.1938 - Carl LIPP & Co – Gesellschaft für Kupfer-Tiefdruck

München Lotzbeckstraße 2a

An die Kurverwaltung Garmisch-Partenkirchen

„In der Beilage überreiche ich Ihnen Bürstenabzug des gewünschten Beilageblattes für Ihren Prospekt. Wir haben für das Papier ein der Parteifarbe ähnliches Rot verwendet, da das Originalpapier nur für die Zwecke der Partei verwendet werden darf… Das Papier haben wir für eine Auflage von 250000 Expl. gesichert.“

 

21.02.1938 - Verlag Buch- und Kunstdruckerei A. Adam - Garmisch-Partenkirchen

An die Kurverwaltung Garmisch-Partenkirchen

„Für Ihre Anfrage, betreffend Lieferung von 250.000 Stück Zetteln „Juden unerwünscht“ danke ich Ihnen bestens. Wir können liefern: 250.000 Zettel mit rotem Papier und Aufdruck zu M. 340.-. Die Lieferung kann sofort erfolgen, so dass ev. schon heute ein Teil der Auflage geliefert werden kann. In Erwartung Ihres geschätzten Auftrages grüße ich Sie mit Heil Hitler! Gez.. Alois Adam“

 

Quelle 19

28.02.1938 - Der Beauftragte des Landesfremdenverkehrsverbandes München und Oberbayern für den Kameradschaftskreis Werdenfels

An die Bürgermeister der Gemeinden des Kreises Garmisch-Partenkirchen

Betreff: Judenaktion

„Unter Bezugnahme auf Ziffer 4 des Rundschreibens K II/38 des Kreisamtsleiters für Kommunalpolitik des Kreises Garmisch-Partenkirchen übersende ich in der Anlage Muster des Beilagenfaltblattes „Juden sind in den Werdenfelser Kur- und Fremdenorten unerwünscht“, die gemäß Anordnung des Kreisamtsleiters für Kommunalpolitik ab sofort jedem Faltblatt (Prospekt) beizufügen sind, mit Ausnahme derjenigen Exemplare, die für den Versand ins Ausland bestimmt sind. Ich ersuche um umgehende Bekanntgabe Ihres Bedarfs… Heil Hitler gez. Reitinger

 

03.03.1938 - Verkehrsamt Mittenwald an Kurdirektor Reitinger

„Von den Judenzetteln wollen Sie uns bitte 100.000 Stück übersenden. Wir werden die Zettel nicht nur unseren Prospekten beilegen, sondern auch unserer Korrespondenz wie der Korrespondenz der Gemeinde, soweit diese dafür infrage kommt. Kann man auch Privatleute, wie Hoteliers usw. veranlassen,, die gleichen Zettel Ihren Briefen beizulegen? Wir glauben wohl! Heil Hitler gez.

 

Quelle 20

31.03.1938 - Kurdirektor Plenio Oberstdorf an Kurdirektor Reitinger Garmisch-Partenkirchen

„Im Auftrag des Bürgermeisters bitte ich Sie, mir entweder ein Juden-Abwehrschild, auf das in der letzten Nummer des „Stürmers“ hingewiesen wurde, zu schicken, oder, falls das zu umständlich ist, mir den Text dieses Schildes mitzuteilen… Wir haben etwa seit einem Monat eingeführt, dass bei der Anmeldung angegeben werden muss, ob arisch oder nichtarisch. Auf diese Weise haben wir sehr genaue und interessante Feststellungen machen können, wie viel Juden nach Oberstdorf kommen. Die Zahl war gering und stets waren es Leute, bei denen man nicht ohne weiteres vermutet hatte, dass es sich um Juden handelt.“

Gez. D.O.

 

03.04.1938 - Kurdirektor Reitinger an Kurdirektor Plenio Oberstdorf

„… beeile ich mich, Ihnen wenigstens ein Photo unserer Judenabwehrschilder anbei zu übersenden, da die Originalexemplare zur Zeit restlos vergriffen… Im Folgenden einige angaben darüber: Gesamtdurchmesser der Scheibe ca. 20 cm…

Zu Ihrer Orientierung teile ich Ihnen noch mit, dass wir in Garmisch-Partenkirchen keinen Konzessionsbetrieb und auch kein Geschäft mehr haben, das diese Schilder an gut sichtbarer Stelle und zwar schon von außen gut sichtbar, nicht angebracht hätte.

Außerdem habe ich erreicht, dass sämtlichen Inlandsfaltblättern meines Kameradenkreises, soweit sie im Bezirksamt Garmisch-Partenkirchen liegen, beiliegender roter Zettel eingelegt wird, eine Maßnahme, die unsere nun einmal eingeleitete Judenaktion sehr fühlbar unterstützen wird.“ Gez.

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2009

 

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