„… Juden sind hier nicht mehr aufhältlich.“
Die Ausgrenzung jüdischer Kurgäste in Garmisch-Partenkirchen
1937/38

 

 

Die Folgen - „Juden sind hier nicht mehr aufhältlich“

Vier Tage nach der Kundgebung gab die NSDAP-Ortsgruppe Wank den Partenkirchner Geschäftsinhabern, die sich bisher den antijüdischen Maßnahmen noch verweigert hatten, eine Chance, ihre "Pflichten" im Sinne der NSDAP zu erfüllen. Sie teilte in der Presse mit, "dass noch eine Anzahl Judenabwehrschilder in unserer Geschäftstelle zu haben sind" und dass sie "ab heute nachmittags 15 Uhr in Empfang genommen" werden konnten. Quelle 24

Allen, die der judenfeindlichen Fremdenverkehrspolitik in Garmisch-Partenkirchen auch dann noch zaudernd oder gar ablehnend gegenüberstanden, signalisierte kurze Zeit später der 2. Bürger­meister Thomma den Entzug jeder Unterstützung und die „Verachtung der Mitwelt“ als „Söldling unseres größten Feindes, des Juden.“ Quelle 25

 

 

 

2. Bürgermeister Josef Thomma

 

 

"Haus der Nationalsozialisten" am Adolf-Wagner-Platz (Marienplatz) in Garmisch - Sitz
der NSDAP-Verwaltung - Hier wurden die "Judenabwehrschilder" für 2.- RM verkauft.

Bezirksamtmann Dr. Reinhard Wiesend

 

 

 

Damit drohte allen bisher Standhaften neben wirtschaftlichen Nachteilen und politischer Denunziation jetzt auch noch die gesellschaftliche Ausgrenzung. Die Wirkung blieb nicht aus: Jüdische Gäste wurden weniger oder blieben, z.B. in Ettal, Oberammergau und in Eschenlohe, ganz aus. Der Garmisch-Partenkirchner Verkehrsdirektor Max Werneck sprach von einem "ohne Zweifel merklich fühlbaren Rückgang der Besuchsziffern nicht nur unseres Ortes". Bezirksamtmann Dr. Wiesend berichtete der Regierung von Oberbayern im Juli 1938 davon, dass „vor allem von den erstklassigen Hotels und Pensionen über schlechte Belegung“ geklagt werde, vor allem ausländische Gäste blieben „fast völlig“ aus. Die Ursache: Eine wirkungsvolle Strategie zur Ausgrenzung jüdischer Besucher mit Hilfe der jetzt weit verbreiteten „Judenabwehrschilder“ durch Einschüchterung der Vermieter.

Der nächste, umgekehrte Schritt folgte nur wenige Wochen später. Im August 1938 wurde die Möglichkeit zur Kennzeichnung jüdischer Gäste eröffnet. Noch nicht mit dem gelben Judenstern, der folgte 1941, aber mit Hilfe der Kurkarte. Die für jüdische Besucher ausgestellten Kurkarten konnten aufgrund einer Mitteilung des Bezirksamts Garmisch „durch eine besondere Farbe (z.B. gelb)“ kenntlich gemacht werden. Wie viele dieser Dokumente zur Kennzeichnung der Gäste, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden galten, tatsächlich ausgestellt wurden, ist nicht bekannt. Man darf daran zweifeln, dass nach der Vorgeschichte und den „Judenaktionen“ seit 1937 und früher jüdische Gäste noch daran interessiert waren, ihren Ferienaufenthalt in Garmisch-Partenkirchen zu nehmen. Quelle 26

 

Es dauerte nicht lange, dann folgte die nächste „Judenaktion“: Der 18. Februar 1938 war der Vorbote des 10. November 1938, an dem alle jüdischen Bürgerinnen und Bürger mit Wohnsitz in Garmisch-Partenkirchen im Zuge der „Reichskristallnacht“ dazu gezwungen wurden, den Ort innerhalb Stundenfrist ins Ausland zu verlassen - „unbekannt wohin“.

 

© Alois Schwarzmüller 2009

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