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Olympische Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen 1936 - "Der Geist des neuen Deutschland" |
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Öffentlicher Abendvortrag anlässlich der 45. Jahrestagung des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung – „Sport als städtisches Ereignis“ Garmisch-Partenkirchen - 10. November 2006
„Es geht um eine bayerische Sache." 3. Die Olympiabewerbung bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten
Garmisch und Partenkirchen hatten nach der Entscheidung des IOC im Mai 1931 für Berlin als Austragungsort der Sommerspiele von 1936 eine Reihe von Konkurrenten auf nationaler Ebene, darunter mit der Gemeinde Schreiberhau in Niederschlesien einen überaus ernst zu nehmenden. Beide Seiten haben alle Register gezogen. Ende Mai 1931 trat der Garmischer Bezirksamtmann Carl von Merz - er zog die Fäden hier und nicht die beiden Bürgermeister - mit dem Ersuchen an die Regierung von Oberbayern heran, die Orte Garmisch und Partenkirchen doch bitte bei ihren Bemühungen, Austragungsorte für die Winterspiele 1936 zu werden, wirksam zu unterstützen. Der rührige Beamte listete in seinem Schreiben alle Vorzüge der ihm vertrauten Gemeinden Garmisch und Partenkirchen sorgsam auf: die organisatorische Erfahrung, die Anerkennung im In- und Ausland, die Erfolge einzelner herausragender Athleten und die Tüchtigkeit der örtlichen Vereine. Und dann fügte er noch hinzu: „In ganz besonderem Sinne müsste Bayern, das in so starkem Maße auf den Fremdenverkehr angewiesen, auf das große Ziel hinarbeiten.“ Die „bayerische Sache“ war geboren. Es häuften sich örtliche und überörtliche positive Stellungnahmen. Die Bayerische Zugspitzbahn – seit 1929 im Betrieb – wies darauf hin, dass sie auf dem Zugspitzplatt über eine schneesichere Sportarena verfüge – ein klimatisches Pfund, mit dem Garmisch und Partenkirchen wuchern konnten, weil Schreiberhau eine solche Schneegarantien kaum abgeben konnte. Konrad Ritter von Preger, bayerischer Gesandter beim Reichsrat in Berlin, setzte sich nachdrücklich für Garmisch-Partenkirchen ein, informierte die Regierung in München über die Sympathien des Vorsitzenden des Deutschen Olympischen Ausschusses Theodor Lewald für Garmisch-Partenkirchen und hielt sie über die Entwicklung bei den Konkurrenten in Thüringen, im Schwarzwald und in Schlesien auf dem Laufenden. Schützenhilfe für Garmisch-Partenkirchen kam auch von der bayerischen Presse, insbesondere von den „Münchner Neuesten Nachrichten". Die bekannte Zeitung lobte in ihrer Ausgabe vom 18. August 1931 den „Doppelort" mit starken Argumenten. Nicht ganz uneigennützig: Die Nähe von Garmisch-Partenkirchen, so hoffte man, werde auch für München einiges abwerfen. Erst im Herbst des Jahres 1932 wurden die beiden Gemeinden Garmisch und Partenkirchen selbst aktiv, gründeten einen lokalen „Olympiavorbereitungsausschuss", luden die drei deutschen Sportgötter Theodor Lewald, Carl Diem und Ritter von Halt dazu ein, sich vor Ort mit eigenen Augen ein Bild von den Gegebenheiten zu machen und hatten soviel Erfolg damit, dass selbst der vorsichtige Bezirksamtmann von Merz anschließend davon ausging, die Spiele würden „mit 99 Prozent" am 11. November 1932 bei der entscheidenden Sitzung des Deutschen Olympischen Ausschusses an Garmisch-Partenkirchen vergeben werden. Es kam aber doch ganz anders. Der Mitbewerber Schreiberhau wollte nicht klein beigeben. Der Schlesische Bobverband kritisierte die einseitige Vorgehensweise Lewalds und seiner Spitzenfunktionäre scharf und pochte darauf, dass die Vergabe der Spiele erst dann erfolgen dürfe, wenn auch Schreiberhau besichtigt worden sei. Das Hauptargument war hochpolitisch: Die Schlesier hofften seit den Grenzrevisionen im Gefolge des Versailler Vertrages auf Wirtschafts- und Entwicklungshilfe. In allen anderen Fragen, davon war man in Schreiberhau überzeugt, waren die Bedingungen am Fuße der Schneekoppe den bayerischen ebenbürtig. Schreiberhau schaltete nun seinerseits den Deutschen Olympischen Ausschuss ein. Die Industrie- und Handelskammer München zählte darauf hin nach und kritisierte die „Überzahl der preußischen Vertreter" im obersten deutschen olympischen Gremium. Der Olympiaausschuss tagte dann zwar am 11. November 1932 ganz wie geplant, kam aber überraschend und aus „taktischen Gründen", wie Freiherr von Imhoff, Bevollmächtigter Bayerns beim Reichsrat, vermutete, statt zu einem Votum für Garmisch und Partenkirchen zu dem Entschluss, auch Schreiberhau vor einer endgültigen Entscheidung von einer Kommission des Deutschen Olympischen Ausschusses besichtigen zu lassen. Die Bayerische Staatszeitung witterte Verrat und sah in der Verschiebung schon die Beziehungen zwischen Nord- und Süddeutschland getrübt. Der Gedanke, dass die Auswahlkommission stark antibayerischen Einflüssen unterworfen sein könnte, setzte sich in den bayerischen Köpfen fest. Deshalb wurde jetzt mit dem Leiter des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, Staatsrat Fritz Schäffer, schweres Geschütz in Stellung gebracht. Der Tenor: „Es geht um eine bayerische Sache“. Minister Schäffer machte seinen Einfluss geltend, stellte eine sehr nützliche Ausfallbürgschaft in Sicht und setzte auf Geld. Aber auch die andere Seite zog die politische Karte. Die Deutschnationale Volkspartei beantragte im Preußischen Landtag die Vergabe der Winterspiele 1936 an das schlesische Schreiberhau, sprach von der „bedrohten Ostmark" und setzte auf Patriotismus. Zum guten Schluss kam noch von beiden Seiten eine Prise Lokalkolorit ins Spiel: Die Niederschlesier demonstrierten mit etwa hundert Mitgliedern des Schreiberhauer Trachtenvereins vor dem Berliner Opernhaus unter dem Motto „Die Winterolympiade 1936 gehört nach Schreiberhau", konnten damit aber die Mitglieder des Deutschen Olympischen Ausschusses nicht mehr in ihrem Sinne entscheidend beeinflussen. Und Bezirksamtmann von Merz beklagte bei Finanzminister Schäffer ein letztes Mal die von ihm ungern gesehene und so bezeichnete „Marktplatz-Politik" in Garmisch. „Ganz vertraulich“ schrieb er: „Darunter versteht man und verstehe ich das enge Zusammenspiel zwischen dem Besitzer des Hotel Post in Garmisch, Gewerberat Clausing, und dem von Clausing weitgehend gegängelten Bürgermeister Ostler“. Aber auch die von Merz gerügten kommunalen Ränkespiele konnten die Entscheidung des Deutschen Olympischen Ausschusses zugunsten von Garmisch und Partenkirchen nicht mehr verhindern. Das war im Mai 1931. Nicht alle in Deutschland jubelten damals darüber, dass Deutschland Austragungsort der Olympischen Spiele 1936 werden sollte. Vor allem die NSDAP lehnte den olympischen Gedanken ab. Sie wollte schon 1923 die Olympischen Spiele durch eine „Olympiade der nordischen Völker" ersetzen, fünf Jahre später verwarf Chefideologe Rosenberg die Olympischen Spiele als „rasseloses Verbrechen gleich der Völkerbundsidee“. Die Spiele von Los Angeles im Jahre 1932 wurden zum Anlass genommen, die Fernhaltung aller Farbigen von den Olympischen Spielen in Berlin zu fordern. Sogar die prinzipielle Ablehnung der Teilnahme wurde vorübergehend propagiert. Aber noch waren die Nationalsozialisten nicht an der Macht.
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© Alois Schwarzmüller 2006 |
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