Olympische Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen 1936 - "Der Geist des neuen Deutschland"

 

 

Öffentlicher Abendvortrag anlässlich der 45. Jahrestagung

des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung –

„Sport als städtisches Ereignis“

 Garmisch-Partenkirchen - 10. November 2006

 

„Von der Sommerfrische zum Wintersportfest“

2. Ein kurzer Rückblick auf den Wintertourismus in Garmisch und Partenkirchen  bis zur Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 1936

 

  Winterstation "Neues Kurhaus Kainzenbad" Skispringer an der Gudibergschanze Skijöring vor dem Hausberg  
  Eislaufen auf dem Riessersee Marktplatz in Garmisch mit Kurhaus Hotel Alpenhof  

 

Die ersten Münchner Wintersportler brachten seit den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts ein neues Lebensgefühl in die zwei damals noch weit von einander entfernten Dörfer an Partnach und Loisach. Vereinzelt hatten sich wohlhabende, natur- und kunstliebende „Herrschaften“ aus den großen Städten schon früher hier niedergelassen oder waren wenigstens zeitweilig in die Sommerfrische hierher gereist.

Mit den viel zahlreicheren Anhängern des „Münchner Eislaufvereins“, den Skipionieren des „Schneeschuhvereins München“ oder den Mitgliedern des „Akademischen Ski-Club München“ ergriffen die ersten Touristen Besitz von Bergen und Gasthöfen. Das Fremdenverkehrsgewerbe schuf seit der Jahrhundertwende ein neues Garmisch, ein neues Partenkirchen.

Die lokalen Verantwortlichen erkannten ihre Chancen und überließen die Entwicklung nicht allein den Menschen aus der Stadt, sondern gründeten eigene Vereine und Organisationen, bauten Hotels und Sportanlagen. Ein touristisches Gründerfieber brach aus – der „Rodel- und Ski-Club Parten­kirchen“ entstand, der „Bobsleighclub Garmisch“ folgte, sogar ein orts­übergreifender „Fremdenverkehrsverein Garmisch-Partenkirchen“ wurde aus der Taufe gehoben. 3000 Besucher – soviel wie die Dörfer Garmisch und Partenkirchen zusammen Einwohner zählten - besuchten ein Horn­schlittenrennen am Riessersee. Es waren noch keine „Investoren“, die die immer stärker frequentierten Eis-, Rodel- und Bobbahnen anlegten; bür­gerschaftlicher Gemeinsinn wurde in dieser „take-off-Phase“ des örtlichen Tourismus gepflegt.

Die Wettbewerbsformen wandelten sich mit dem wachsenden sportlichen Ehrgeiz der Teilnehmer. Aus den in den frühen Jahren noch nahezu wett­bewerbslosen Wintersportfesten wurden vor dem Ersten Weltkrieg die Deutschen Skimeisterschaften in allen Disziplinen mit zwei Brettern unter den Füßen. Am Anfang der zwanziger Jahre entwickelten sich daraus die Deutschen Winterkampfspiele, die im Januar 1922 auch als „1. Olympi­ade“ – war der Begriff noch nicht geschützt? – mit 700 Teilnehmern in die Geschichte eingegangen sind. Ein Jahr später wurde der olympische An­spruch erneut unterstrichen – die Sprungschanze am Partenkirchner Gudi­berg hieß jetzt „Olympiaschanze am Gudiberg“. Der nächste Schritt war nur konsequent: 1926 warf die Gemeinde Partenkirchen den Hut in die fünf Ringe. Nach Chamonix, wo der Wintersport 1924 erstmals die olympi­sche Bühne betreten hatte, wollte jetzt auch Partenkirchen nach diesen bunten Ringen greifen. Auf Anhieb gelang das noch nicht. St. Moritz er­hielt den Zuschlag. Partenkirchen aber hatte es gewagt und blieb Kandi­dat.

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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