1940 - Anmerkungen zu den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen

 

 

 

 

„Tag des Skilaufs"

Entwurf zu einer  großen olympischen Kundgebung des Skilaufs - von Dr. Carl Diem

"In der Vorbereitung der V. Olympischen Winterspiele 1940 ergab sich der natürliche Wunsch, der Veranstaltung gegenüber der des Jahres 1936 am gleichen Orte eine Stei­gerung zu verleihen, und die Bemühungen richteten sich auf den Skilauf, dessen olympi­sches Programm umstritten war.

So ergab sich der Gedanke an eine Feierstunde des Skilaufs für die Skiläufer, außerhalb des Orts, in einsamer Bergnatur. Ebenso ergab sich der Gedanke, bei dieser Feier alle zu beteiligen, von der jüngsten Jugend bis zum vorgerückten Alter.

Dadurch gestaltete sich das Programm der Feier, die wir „Tag des Skilaufs" nannten und für die wir den vorletzten Vormittag in Aussicht nahmen.

Am Sonnabend, dem 10. Februar, 10.00 Uhr früh, sollte die Feier in einem Hochtale bei Klais, das ist 12 km östlich von Garmisch-Partenkirchen, vor sich gehen...

Der Festakt sollte nach folgendem Plan verlaufen:

Auf dem Feldherrnhügel versammeln sich die Geladenen und Zuschauer bevor der Akt  beginnt. Als erstes trifft das Olympische Feuer, vom Flammenmal im Skistadion her durch Fackelläufer herbeigetragen, ein, dann rufen die Olympischen Fanfaren von allen Höhen und aus der Luft schallen Worte von Frithjof Nansen.

Kanonenschüsse kündigen darauf das skisportliche Ereignis an.

Von den Höhen des Kranzberges (1200 m) fahren zehn Fahnenträger mit der Olympischen Fahne zu Tal, um dadurch die zehn Laufbahnen zu kennzeichnen, auf denen die weiteren Skiläufer sich zeigen werden. Sie stecken im Tal vor der Ehrentribüne den doppelten Halbkreis ab, vor dem sich die Skiläufer dann sammeln werden.

Eine Gruppe von 100 Schwebeläufern geht zu Tal, um, getragen von dem wehenden Ge­wand, über alle Hügel senkrecht hinwegzugleiten.

Dann kommt die eigentliche Abfahrt.

Zunächst die Jugendlichen, die Vorschulpflichtigen, die erste Schulzeit, die heranwach­senden Knaben und Mädchen; es folgt Abfahrt der Frauen und  die Abfahrt der Fünfzig­jährigen.

Ein Artillerie-Salut und die Hymne „Lohe, Olympische Flamme" zeigt den nächsten Ab­schnitt an. Dieser soll die Weltverbreitung des Skilaufs aufzeigen. In drei Wellen werden auf den verschiedenen Bahnen die Nationen geschlossen abfahren. Wir haben alle Natio­nen eingeladen, uns dazu eine Gruppe von Skiläufern zu entsenden, die unsere Gäste sein werden. Je nach skiläuferischer Größe der Nation und nach Möglichkeit haben wir die Gruppen zu zwanzig, fünfzig und hundert gestaffelt. Ein großer Teil der Nationen hat freudig zugesagt, von einem zweiten erwarten wir noch die Nachricht, ein dritter hat uns eine Absage gegeben, doch hoffen wir, dass bei näherer Kenntnis des Planes sich niemand ausschließen wird. Die Bahnen werden so eingeteilt, dass die einzelnen Nationen die Be­dingungen ihrer Heimat wieder finden; es werden also Flachlandsnationen auf flacheren Bahnen und Hochgebirgsnationen auf steileren angesetzt.

Einige Motive des Deutschlandliedes zeigen an, dass dann die dritte Abteilung eingesetzt wird, und zwar 8000 deutsche Skiläufer nach Skigebieten geteilt, in fünf verschiedenen Wellen.

Dann kommt ein letzter Lockruf. Es folgen die Berufe, die Skilaufen, also Postbeamte, Zöllner, Förster, Sanitäter, Feuerwehr, Polizei und schließlich die Wehrmacht.

Insgesamt werden etwa 10 000 Läufer und  Läuferinnen für diesen  Zweck  zusammen­gezogen und  eingeübt.

Mit der Abfahrt der Wehrmacht haben sich alle Teilnehmer im Tale vor der Ehrentribüne versammelt. Im engeren Halbkreis stehen die ausländischen Gaste, im größeren Halb­kreis um sie herum die deutschen Skiläufer. Sie alle singen ein gemeinsames Skiläufer­lied, dann wird eine Olympische Stiftung zur Erinnerung an die Winter­spiele 1910 ver­kündet. Die Olympische Hymne von Strauss schließt die Feier ab...

Da neben rund 1200 ausländischen Skiläufern 10000 deutsche Skiläufer an dem großen Abfahrtslauf am Kranzberg bei Klais teilnehmen sollten, wurde im Anschluss an den vom Fachamt Skilauf ausgearbeiteten Verteilungsplan folgende Aufstellung der Läufer aus Wehr­macht, Polizei, RDM., HJ., Reichsarbeitsdienst und den 18 Gauen des NSRL. vorge­nommen:

1000 - Wehrmacht (Gebirgs-Jäger-Regt. 98, Gebirgs-Art.-Regt. 79, Gebirgs-Pionier-Batl. Mittenwald)

500 -   Polizei

1000 - Hitler-Jugend, Bund Deutscher Mädchen

500 -   Reichsarbeitsdienst

7000 - Reichsbund für Leibesübungen"

 

Aus: Vorbereitungen zu den V. Olympischen Winterspielen 1940 in Garmisch-Partenkirchen - Amtlicher Bericht  (Herausgegeben im Auftrag des Organisationskomitees für die  V. Olympischen Winterspielen 1940 in Garmisch-Partenkirchen von Generalsekretär Dr. Carl Diem, Garmisch-Partenkirchen 1940) S. 88 ff

 

© Alois Schwarzmüller 2006

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