1936 - Anmerkungen zu den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen

 

 

 

 

„.. den Ring der Gräuelpropaganda sprengen…“ –

Die Winterspiele 1936 als Instrument der NS-Propaganda

 

24.11.1934

2. Vorstandssitzung des Organisationskomitees

Staatssekretär Pfundtner: „… Anlässlich der heute vorausgegangenen Besichtigung haben Dr. Ritter von Halt und ebenso Herr Reichssportführer bereits auf die große Bedeutung der IV. Olympischen Winterspiele 1936 für das Vaterland hingewiesen. Nicht zuletzt misst der Führer den Olympischen Spielen außerordentliche Bedeutung bei, weil im Jahre 1936 zum ersten Mal die Welt zu uns kommen und davon sprechen wird, wie es bei uns in Deutschland aussieht. Der Führer erwartet deshalb, dass sich die Anlagen für 1936 sehen lassen können, er erwartet ganz besonders, dass die sportlichen Leistungen der deutschen Olympia-Kämpfer auf der Höhe sein werden…“

Dr. von Halt: „… Manchmal scheine man die Bedeutung der Olympischen Winterspiele nicht richtig einzuschätzen. Diese ungeheuer große Veranstaltung habe einen besonderen außenpolitischen Wert, dem gegenüber man alle Nebeninteressen fallen lassen müsse… Man möge es nicht missverstehen, wenn man in weiten Kreisen nicht begreife, dass man z.B. ein Sommerstadion in Garmisch baut und damit die große Aufgabe, nämlich die Durchführung der Olympischen Winterspiele, die doch im Interesse ganz Deutschlands stünden, in den Hintergrund stellt…“

Staatssekretär Pfundtner: „…. Er wundere sich allerdings darüber, dass die örtlichen Instanzen dieser Aufgabe (der Errichtung des Olympia-Kunsteisstadions) nicht das Verständnis gezeigt haben, wie es Reich und Land zeigten. Die Durchführung der Spiele käme doch in erster Linie Garmisch-Partenkirchen zugute. Es sei deshalb nicht zu verstehen, dass der Bau des Eisstadions um 8 m weiter nach Süden gerückt werden musste. Er richte daher an die örtlichen Instanzen die Bitte, in Zukunft in Erwägung zu ziehen, dass es sich hier um eine deutsche Sache handle.“

Oberregierungsrat Dr. Mahlo vom Reichspropagandaministerium "weist darauf hin, dass nicht nur von Seiten des Propagandaausschusses gearbeitet werden soll, sondern auch in Garmisch-Partenkirchen selbst soll dafür gesorgt werden. Man müsse verlangen, dass sich der Ort, die ganze Bevölkerung, vollständig auf die große Aufgabe einstelle. Jeder müsse wissen, um was es geht. Der Führer sei der Auffassung, dass nur durch derartige große Veranstaltungen der Ring der Gräuelpropaganda gesprengt werden könne. Politisch gesehen sei es von größter Wichtigkeit, welchen Eindruck die Menschen, die hierher kommen, gewinnen… Man soll nach Ablauf der Spiele vom nationalsozialistischen Staat berichten können, dass wir nicht nur einen sportlichen Erfolg hatten, sondern dass wir uns auch in einem Land der Ruhe und Ordnung, in einem Lande der Volksgemeinschaft befinden.“

Bundesarchiv Potsdam

 

14.12.1935

Dr. F. M. Messerli, Schweizerisches Olympisches Komitee, an Ritter von Halt und Baron Le Fort

„Sicherlich wissen Sie, dass man hier in der Schweiz jeden Tag Propagandamaterial gegen die Feier der Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen und Berlin erhält. Ich bemühe mich meinerseits sehr darum die Wirkung dieser Propaganda in der Schweiz zu ersticken.“

Bundesarchiv Potsdam

 

© Alois Schwarzmüller 2006

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