1936 - Anmerkungen zu den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen

 

 

 

 

"Die Behandlung jüdischer Sportsleute in Deutschland" - Die Boykottbewegung

 

09.09.1935

Bayerische politische Polizei an das Bezirksamt Garmisch

Erlass des Politischen Polizeikommandeurs der Länder:

„Vertraulich wird mir mitgeteilt, dass englische Zeitungen von ihren Berichterstattern aus Deutschland dahingehend unterrichtet wurden, dass z. Zt. aus dem Ort Garmisch-Partenkirchen alle Juden vertrieben werden. An den Parkeingängen sollen Schilder mit der Aufschrift angebracht sein „Es ist Juden nicht gestattet, hier einzutreten."

Im Hinblick auf die bevorstehende Winter-Olympiade halte ich ein offenes Vorgehen gegen die dort zureisenden Juden für unangebracht. Auch scheinen solche Maßnahmen nur dazu geeignet, in maßgebenden ausländischen Kreisen den Wunsch nach Verlegung der Olympiade 1936 in eine andere Weltstadt zu bestärken. Ich ersuche deshalb auf die zuständigen Dienststellen der NSDAP und die Bevölkerung dahin einzuwirken, dass Einzelaktionen gegen Juden unter allen Umständen unterbunden werden und dass die Schilder an den Parkeingängen entfernt werden.

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 61941

 

11.12.1935

Reichspropagandaministerium an Dr. Harster, Organisations-Komitee der IV. Olympischen Winterspiele – Abteilung Presse - in Garmisch-Partenkirchen:

„In der Anlage übersende ich Ihnen … einen Ausschnitt aus dem „Manchester Guardian". Gleichzeitig bitte ich, mich möglichst rasch mit einem Dementi zu versehen. Das Bild zeigt ja deutlich, dass hier ein Fälschung vorliegt. Sollten Sie ebenfalls eine Aufnahme machen können, die schlagend beweist, dass das Bild des „Manchester Guardian" gefälscht ist, so wäre ich Ihnen außerordentlich dankbar dafür."

Bild im Guardian, Freitag, 6. Dezember 1935

Text: Olympia-Verkehrsamt

Ski-Club Partenkirchen

Juden Zutritt verboten!

Bildunterschrift: At Garmisch-Partenkirchen, in Germany, the site auf the Winter Olympic Games, appears the notice „Jews – Entrance Forbidden"

Bundesarchiv Potsdam - 70 Or 1 G 147

 

15.12.1935

Kurdirektor Werneck vom Olympia-Verkehrsamt an Dr. Harster vom Organisations-Komitee:

„Der Tatbestand ist folgender: Die Aufnahme stammt vom Kurhaus in Partenkirchen und zwar stellt das Bild den Aufgang zu den Leseräumen dar.

Bevor das Plakat „Juden Zutritt verboten" an die Wand geklebt worden ist, war das Olympia-Verkehrsamt in den Räumen des Kurhauses Partenkirchen provisorisch untergebracht. Dann übersiedelte das Olympia-Verkehrsamt in das Rathaus nach Garmisch. Ein Maler wurde beauftragt, die Aufschrift „Olympia-Verkehrsamt" zu überstreichen. Bevor diese Arbeit getätigt wurde, wurde das Plakat „Juden Zutritt verboten" angebracht.

Das Plakat hat also mit dem Olympia-Verkehrsamt gar nichts zu tun."

Bundesarchiv Potsdam - 70 Or 1 G 147

 

23.12.1935

Ritter von Halt, der Präsident des Komitees der IV. Olympischen Winterspiele, an Prinz Ferdinand Lobkowicz:

„Euer Durchlaucht!

Ich bestätige unsere heutige Unterredung, die sich auf folgende Punkte erstreckte:

  • In Garmisch-Partenkirchen befinden sich keine Tafeln mit der Inschrift „Juden sind hier unerwünscht".

  • Es bedarf keiner erneuten Bestätigung, dass die von den deutschen Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees auf den Sitzungen in Wien und Athen gegebenen Zusicherungen hinsichtlich der Behandlung nichtarischer Sportsleute von uns genauestens eingehalten werden. Alle Teilnehmer werden in Garmisch-Partenkirchen als olympische Gäste behandelt."

  • Bundesarchiv Potsdam - 70 Or 1 G 120

     

    © Alois Schwarzmüller 2006

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