1936 - Anmerkungen zu den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen

 

 

Chronik der Bewerbung

 

Text 13

17.10.1932

Bezirksamtmann von Merz an Direktor Doehlemann

„In diesen Tagen hat sich die Frage der Olympiade 1936 so gut wie völlig dahin entschieden, dass als Ort für die Winterspiele einzig und allein Garmisch-Partenkirchen in Frage kommt. Der Vorsitzende des Olympischen Ausschusses, Exzellenz Lewald, sein Generalsekretär Dr. Diem und der Vorsitzende des deutschen Sportausschusses Dr. v. Halt - München waren 2 Tage hier und haben mit uns von Früh bis Nacht beraten. Wenn auch noch einzelne Proteste gegen die am 11. November erfolgende endgültige Bestimmung von Garmisch-Partenkirchen erfolgen sollte (schon gestern Abend lief ein stürmischer „Protest" von Schreiberhau und einem großen schlesischen Sportverband ein, obwohl ja die Wahl offiziell noch nicht getroffen ist), so wird das an der Sache nach Aussage von Exz. Lewald nichts mehr ändern; mit 99% wird am 11. November von der obersten Sportbehörde bzw. dem olympischen Ausschuss die Wahl auf unsere Orte fallen. Dabei haben wir uns eigentlich gar nicht vorgedrängt… So sind wir in eine Sache hineingekommen, deren Übernahme wir, gewissermaßen in Erfüllung einer Ehrenpflicht gegenüber ganz Deutschland, nicht gut ablehnen können, die aber zweifellos eine ungeheure Bedeutung in werbetechnischer Hinsicht für die beiden Orte besitzt… Garmisch-Partenkirchen wird in allen Weltteilen genannt werden und wird hoffentlich den Beweis erbringen können, dass es in Deutschland der einzige Winterplatz ist, der allen klimatischen Möglichkeiten am besten Rechnung trägt…

Unterdessen hat sich, beschleunigt durch die Ereignisse, wie sie in Berlin kommen, und durch den Besuch der allein maßgebenden Sportkommission hier ein Ausschuss gebildet, der aus den 2 Bürgermeistern und notgedrungen auch aus dem Vorstand des Bezirksamtes besteht. Ich bin dem Ausschuss schweren Herzens beigetreten; aber wie die Dinge hier liegen – sie sind Ihnen ja bekannt – kann ich mich nicht gut entziehen.

Die Umrichtung der hier gegebenen Sportanlagen für den Gebrauch bei den olympischen Spielen gestaltet sich nach der bisher gewonnenen Übersicht und den Aussprachen mit den Berliner Herren anscheinend erheblich einfacher als wir zuerst befürchteten. An Ausgaben in amerikanischem Ausmaß ist natürlich nicht zu denken; aber trotzdem wird die Finanzierung der Vorbereitungen in den nächsten Jahren, in gewissem Umfang schon jetzt bald, ernste Sorgen machen und uns vor schwere Entscheidungen stellen. Dazu kommst, dass wir es in Garmisch-Partenkirchen mit 2 einfachen Landgemeinden zu tun haben, deren finanzielle Lage mehr als zur genüge bekannt ist… Diese finanziellen Dinge zu meistern sind die beiden Gemeinden von sich aus niemals in der Lage. Dazu kommen ja auch die Schwierigkeiten, die in der Jetztzeit hinsichtlich der Aufnahme von Geldern überhaupt bestehen. Der Ausschuss … würde Sie, sehr geehrter Herr Direktor, aus diesem Grunde dringendst bitten, dem Ausschuss vielleicht in der Form eines Beirates oder dergleichen beizutreten…

Bald nach dem 11. November, wenn also die Entscheidung endgültig gefallen sein wird, wird Dr. Diem auf meine Bitte auch hier in Garmisch-Partenkirchen die gesamte interessierte Bevölkerung bei einem Vortrag vor sich haben…"

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 61935

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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