1936 - Anmerkungen zu den Olympischen Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen

 

 

 

 

Chronik der Bewerbung

 

Text 3

30. 05. 1931

Bezirksamt Garmisch – Bezirksamtmann von Merz - an die Regierung von Oberbayern

„Durch die Zeitungen ging die Nachricht, dass die Olympiade 1936 Berlin übertragen werde… Das gibt mir Anlass, auch von meiner Stelle aus an alle in Frage kommenden Landes- und Reichsstellen die dringende Bitte zu richten, auf den Ausschuss für die Olympiade dahin einzuwirken, dass für die Winterveranstaltungen, sofern sie in Deutschland verbleiben können, die Orte Garmisch und Partenkirchen in die engste Erwägung gezogen werden. … In den letzten 10 und 5 Jahren ist auch in immer weitere Kreise des Auslandes das Verständnis für die Bedeutung unserer beiden Winterplätze gedrungen. Die skisportlichen Veranstaltungen, die Bobrennen, die eistechnischen Wettkämpfe, die Pferderennen, die Automobilrennen am Eibsee sind längst Gegenstand von in der ganzen Welt laufenden Filmen geworden… Auch einzelne Persönlichkeiten aus hiesigen Sportkreisen haben bereits Weltruf; so wurde die Weltmeisterschaft im Zweierbob vor einem Jahre von Kilian und Huber – Garmisch – erstritten, der deutsche Viererbob in St. Moritz war mit einem hiesigen Rittmeister besetzt, die Eishockeymannschaft Riesserseeklub tritt jährlich fast in sämtlichen Ländern des Kontinents an, die Garmisch-Partenkirchner Skisprungschanzen gehören anerkannt zu den besten in Deutschland. Hinter dem Skisport steht der wichtige Skiklub Partenkirchen unter bewährter Führung. Bekanntlich ist die Grundlage für ein Gelingen von skisportlichen Veranstaltungen ein bewährter Skiklub. Für alles was mit Eishockey, Kunst- und Schnelllauf auf dem Eise, mit Bob zusammenhängt, tritt der Sportklub Riessersee unter tatkräftiger Leitung des Herrn v. Mallinkrodt besonders lebhaft und energisch ein.

Sind so die Grundlagen für eine gediegene und sachliche Durchführung von Olympiade-Kämpfen in Garmisch-Partenkirchen in hervorragender Weise gegeben, so verfügen die beiden Kurorte auch über eine Fülle von erstklassigen Unterkunftsmöglichkeiten, die es mit den ersten Häusern an den besten Plätzen aller Wintersportgebiete getrost aufnehmen können.

Auch die Wetterlage hat, solange ich jetzt hier bin, für die Abhaltung von Wintersportveranstaltungen fast nie ernstliche Schwierigkeiten bereitet… Schlimmstenfalls aber, wenn alle Stricke im Tal reißen, steht für Garmisch-Partenkirchen im Gegensatz zu allen anderen deutschen Wintersportplätze durch die Erschließung der Höhenlagen durch die Bergbahnen immer noch ein ganz besonders wertvolles, dazu von der Natur in reichstem Maß landschaftlich ausgestattetes Höhengelände zur Verfügung. In Betracht kommt für skisportliche Veranstaltungen besonders das Kreuzeck mit der Hochalm und namentlich das immer verwendungsbereite, in seinem sporttechnischen Ausbau noch immer weiterer Vervollkommnung entgegengehende ausgedehnte Sportgelände auf der Zugspitze (über 2600 m).

Dass Deutschland in seiner wirtschaftlichen Lage alle Grund hat, die Winterolympiade bei sich zu sehen, versteht sich wohl von selbst. In ganz besonderem Sinne aber müsste Bayern, das in so starkem Maße auf den Fremdenverkehr angewiesen ist und das in seinen Alpen auch im Winter den Fremden Hervorragendes zu bieten in der Lage ist, auf das große Ziel hinarbeiten. Ich darf versichern, dass die Orte Garmisch und Partenkirchen sich der hohen Aufgabe, die sie mit der örtlichen Durchführung der Winterolympiade auf sich zu nehmen hätten, bewusst sind und sich ihr gewachsen zeigen würden und dass sie auch nichts scheuen würden, um ihre Anlagen, aber auch die Unterkunftsmöglichkeiten für 1936 auf einen Stand zu bringen, der den Vergleich auch mit großen und größten anderen Wintersportzentren aushalten kann."

 Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 61935

 

© Alois Schwarzmüller 2006

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