Joseph Goebbels - Tagebuchnotizen zu den Olympischen Winterspielen 1936 in Garmisch-Partenkirchen

 

 

 

 

Joseph Goebbels (1897-1945) war einer der wichtigsten Gefolgsleute Adolf Hitlers, seit 1929 sein "Reichspropaganda-leiter". 1933 machte ihn der Diktator zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda. In dieser Funktion erkannte Goebbels schon bald nach der Machtergreifung der NSDAP die Bedeutung von Olympischen Spielen für die nationale, aber vor allem für die internationale Selbstdarstellung des "Dritten Reiches". Hatten die Nationalsozialisten bis 1933 die olympische Idee nach als "internationalistisch" und "jüdisch" abgelehnt, so vollzogen sie - mit Goebbels und gegen Julius Streicher, den Herausgeber des antisemitischen Hetzblattes "Der Stürmer" -  nach der Entscheidung des IOC am 7. Juni 1933 für Garmisch-Partenkirchen eine Kehrtwende.
Alle organisatorischen, medialen und finanziellen Register wurden gezogen, um aus den zehn Tagen der Winterspielen vom 6. bis zum 16. Februar 1936 ein spektakuläres Ereignis zu machen, in dessen Glanz die Diskriminierung der jüdischen Bürger, die Aufrüstung der Wehrmacht und der SS-Terror in den Konzentrationslagern unsichtbar gemacht werden sollten. Das NS-Dreigestirn Goebbels, Göring und Hitler nahm nicht nur an der Eröffnungsfeier am 6. Februar 1936 im Olympiaskistadion teil, sondern besuchte auch mehrere Eishockeyspiele und Eiskunstlauf-wettbewerbe.
Die wenigen Tagebucheintragungen, die Goebbels den Winterspielen gewidmet hat, zeigen eines: Der Propaganda-minister war mit dem Ergebnis seiner Tätigkeit als "Tarnkappenminister" zufrieden. Jetzt konnte er sich getrost den Sommerspielen von Berlin zuwenden.

Die folgenden Zitate aus den Tagebüchern von Joseph Goebbels folgen der vierbändigen Ausgabe, die Elke Fröhlich 1987 im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte (München) herausgegebenen hat.

 

31. Januar

„Beim Führer abends. Mit ihm und Heß Olympia durchgesprochen.“ (S. 570)

11. Februar (Di)

„Samstag: mittags von Garmisch weg. Herrliche Fahrt im Auto durch Schnee und Kälte. Schade, dass wir abfahren müssen.“ (S. 571)

„Dipl. Corps und Olympiaausschuss. Wir stellen seine große Reise zusammen. Schwerin, Berlin, Garmisch, Berlin, Garmisch, Berlin… Erste goldene Medaille in Garmisch. Christl Cranz im Damenlauf. Große Freude… Wir holen in Garmisch 2- Goldmedaille. Franz Pfnür im Herrenlauf. Große Begeisterung. Jetzt stehen wir sehr ordentlich da…Abends beim Führer. Großer Besuch. Christl Kranz (sic) und die kleine Grasegger. Sie sind sehr nette einfache Kinder aus dem Volke und aus tiefstem Herzen gerührt… Empfang. Ich rede kurz aber gut. Graf Baillet-Latour antwortet. Ein Norweger dankt in bewegten Worten. Eine ganz große Begeisterung. Das haben wir gut gemacht. Viel Arbeit hat´s gekostet. Doch hat es sich gelohnt. (S. 572)

 

Zu den Bildern:

Oben: Adolf Hitler, Hermann Göring und Joseph Goebbels während der Eröffnungsfeier am 6.2.1936 auf dem Balkon des Olympiahauses im Skistadion (Foto Cohen)

Rechts: SA-Stabschef Lutze, Goebbels, Reichssportführer von Tschammer und Osten, Hitler und Ritter von Halt bei einem Eislaufwettbewerb im Eisstadion (Foto unbekannt)

Unten links: Goebbels, Göring, General von Blomberg und Hitler beim Eishockeyspiel England gegen Ungarn - darunter Franz Pfnür, Gewinner der Goldmedaille im Slalom (Foto unbekannt)

Unten rechts: Robert Ley, Reichsleiter der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront (DAF) in der KdF-Halle ("Kraft durch Freude") mit dem Ehepaar Goebbels. Leys Aufgabe war es, die Arbeits- und die Freizeitwelt der Deutschen mit DAF und KdF "gleichzuschalten". 1945 gehörte er im Nürnberger Prozess zu den 24 Hauptangeklagten. (Foto unbekannt)

 

   

14. Februar (Fr)

„Sonderzug nach Schwerin… Begräbnis für Gustloff. Der Führer hält eine radikale scharfe Rede gegen die Juden. Das ist mal gut so.*

Donnerstag: früh Ankunft Garmisch. Mit Führer Eishockeyspiel England-Ungarn. Müde und lustlos… Nachmittags Paarlaufen. Wunderbar schön. Maxie Herber und Ernst Baier machen die goldene Medaille… Abends Eishockeyspiel Deutschland - Canada. Roh und Publikum undiszipliniert. 6:2 verloren. Ärgerliche Sache. Göring und ich bemühen uns vergebens um Ruhe. Der Sportpöbel rast. (S. 573)

17. Februar (Mo)

Spät im Zuge nach Garmisch… Sonntag: um 11h Garmisch Skistadion. Springen von der großen Schanze. Phantastische Anblicke. Birger Ruud wie ein Vogel. Er bekommt auch die Medaille. Eishockey USA - Kanada. 1:0 für Kanada. Ein aufregendes, aber rohes Spiel. Dann feierliche Siegerehrung mit einem schönen Zeremoniell. Deutschland hat 3 Goldmedaillen. Bravo! Alles rühmt unsere Organisation. Die war auch blendend. Am Schluss Wunderbares (sic) Bild. Umrahmt von den ewigen Bergen. Dann geht das Feuer aus. Die Winterspiele sind zu Ende.“ (S. 573f)

Aus: Elke Fröhlich (Hrgb.), Die Tagebücher von Josef Goebbels - Band 2 1931 - 1936 (München 1987)

 

* 11. Februar, Dienstag

"... Die Lage immer dunkler: In Davos hat ein jüdischer Student den deutschen Parteiagenten der NSDAP erschossen. Im Augenblick, da hier das Olympiaspiel stattfindet, wird alles totgeschwiegen. Hinterher wird man sich an die Geiseln, an die deutschen Juden halten."

Aus: Viktor Klemperer, Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933-1941 (Berlin 1995) S. 245

 

© Alois Schwarzmüller 2006

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