Garmisch-Partenkirchen 1. Januar 1935
Die erzwungene Vereinigung

 

 

 

 

Quelle 21

30.12.1934

Aus dem Protokoll der Sitzung des Gemeinderates Garmisch

„Der Ge­meinderat konnte trotz 3 1/2-stündiger Beratung nicht zu dem Entschluss kommen, die Beschlüsse vom 19. und 29. Dezember zurückzunehmen. Er fühlt sich von dem Vorwurf der Disziplinwidrigkeit frei, da er die Beschlüsse vom 19. und 29. Dezem­ber 1934 nur seinem Gewissen gemäß zur Wahrung der Interessen der Gemeinde Garmisch gefasst hat. Diese Stellungnahme wurde nötig durch das erst in jüngster Zeit bekannt gewordene Vorliegen der Pläne der Gemeinde Partenkirchen, deren Durchführung die wirtschaftliche Entwicklung einseitig zugunsten der Gemeinde Partenkirchen verschieben würde. Der Gemeinderat vertritt mit den Beschlüssen vom 19. und 29. Dezember die Stimmung der Gesamtbevölkerung der Gemeinde Garmisch.“

 

Quelle 22

31.12.1934

Bericht des NS-Gemeinderats Engelbert Freudling über die Vorladung nach München

„In der heutigen Gemeinderatssitzung berichtet vor der Abstimmung Fraktionsführer und Ge­meinderat Freudling über die Verhandlungen im Staatsministerium: 'Wir haben verhandelt mit Stabsleiter Köglmeier, der auch die Verhandlungen geführt hat, Herrn Ministerialrat Woerner und einem weiteren Ministerialbeamten. Die Verhandlungen sind eingeleitet worden unter der Devise: Der Führer Adolf Hitler wünscht, dass alle Hemmungen und Hemmnisse, die in Garmisch - Partenkirchen noch bestehen und die zur Durchführung der Olympischen Spiele aus dem Wege zu räumen notwendig sind, unbedingt und ohne irgendwelche Debatten aus dem Wege geräumt werden müssen. Die Beschlüsse vom 19. und 29. Dezember sind wiederholt als Disziplinwidrigkeit bezeichnet worden. Wir sind vor die Wahl ge­stellt worden, diese Beschlüsse zurückzuziehen, oder aber uns mit der Möglichkeit abzufinden, dass der gesamte Gemeinderat verhaftet und nach Dachau eingeliefert wird. Innenminister Adolf Wagner wurde in Unterammergau angerufen und ihm die Verhandlungen vorgetragen. Gauleiter und Innenminister Wagner hat am Tele­fon erklärt: Wenn sich der Gemeinderat Garmisch nicht fügt - beide Gemeinderäte sofort auflösen und die beiden Bürgermeister heimschicken. Unsere Einwände sind wohl anerkannt worden, niemals aber wäre es möglich, die Zusammenlegung auf­zuhalten. Bezüglich der Rathausfrage haben wir erreicht, dass diese noch einmal gründlich untersucht werden wird und zwar im Beisein von ORR Gablonski, der beiden Bürgermeister, des Kreisleiters sowie je eines Gemeinderates aus Garmisch und Partenkirchen.

Dann ist uns der Auftrag erteilt worden, sofort nach Hause zu fahren, auf dem schnellsten Wege den Gemeinderat einzuberufen und den Beschluss zu fassen, wel­cher dem Befehl der Staatsregierung Rechnung trägt. Es ist uns vorgehalten worden, dass wir keine Nationalsozialisten sind, wenn wir das nicht begreifen wollen, was die Regierung will. Der Beschluss, den wir zu fassen haben, ist uns in München vor­geschrieben worden und ist jetzt einstimmig zu fassen und auf schnellstem Wege bis morgen 10 Uhr nach München zu bringen. Es ist der Befehl des Staatministe­riums und der Wunsch der Gauleitung, dass der Gemeinderat beisammenbleibt, an­dernfalls hätten wir die bereits angekündigte Konsequenz zu ziehen.“

 

Protokoll der Geheimsitzung am Silvesterabend 1934

„Nach Sachvortrag wird einstimmig beschlossen:

  1. Der Gemeinderat Garmisch anerkennt die dringende Notwendigkeit der Vereinigung der Gemeinden Garmisch und Partenkirchen.

  2. Es wird hiermit beschlossen, dass die Gemeinden nach Maß­gabe des Gemeinderatsbeschlusses vom 14. Dezember 1934 vereinigt werden. Die­ser Beschluss wird ausdrücklich wiederhergestellt, und die entgegengesetzten Be­schlüsse vom 19., 29. und 30. Dezember wieder aufgehoben.

  3. Die Gemeinde Garmisch bittet den Herrn Staatsminister und Gauleiter die Frage des Platzes für das neue Rathaus unabhängig von der Vereinigung noch einmal wohlwollend im Sinne der Gemeinde Garmisch zu prüfen.“

 

© Alois Schwarzmüller 2006

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