Garmisch-Partenkirchen 1. Januar 1935
Die erzwungene Vereinigung

 

 

 

 

Quelle 1

24.07.1933

Dringlichkeitsantrag der NSDAP-Fraktion im Gemeinderat Garmisch:

„… bringen wir den Antrag ein, dass die Gemeinden Garmisch und Partenkirchen schnellstens zu einer politischen Gemeinde vereinigt werden…

Begründung: Die Gemeinden Garmisch und Partenkirchen haben im Fremdenverkehr als dem Hauptgewerbe und -verdienst gemeinsame Interessen. Die beiden Gemeinden bilden heute schon ein zusammenhängendes Ganzes. Im Hinblick auf die Garmisch-Partenkirchen bevorstehenden Aufgaben insbesondere der 1936 stattfindenden IV. olympischen Winterspiele halten wir es für unumgänglich, dass die Vereinigung der Orte selbst bei Hintanstellung der verschiedenartig gelagerten finanziellen Verhältnisse schnellstens vollzogen wird, um in Zukunft allen Unzuträglichkeiten, die aus der Trennung der politischen Gemeinden entstehen, einen Riegel vorzuschieben….

Wir schließen uns voll und ganz des Worten des Bayerischen Innenministers P:G: Adolf Wagner an in dieser für die Orte Garmisch-Partenkirchen so wichtigen Frage. Wir sind außerdem in der Lage, mit unserer Ansicht auch die des Gewerbevereins G-P zu vertreten, welcher sich in dieser Frage vor kurzem in einer engeren Ausschusssitzung, die aus Vertretern von Garmisch und Partenkirchen besucht war, 100%ig  für den Zusammenschluss auszusprechen…

Der Gemeinderat Garmisch erklärt zugleich, dass er heute 100%ig nationalsozialistisch gemäß der bei Amtsantritt abgegebenen ehrenwörtlichen Erklärung bedingungslos seinen Platz räumt und nichts in den Weg legt, was die Neuaufstellung eines gemeinsamen Gemeinderates der beiden vereinigten Orte verhindern sollte.“

Die Fraktion der NSDAP:

1. Bürgermeister Thomma

2. Bürgermeister Hartmann

Gemeinderäte:

  • Dillis

  • Maier Gg.

  • Maier Hans

  • Manz Wilhelm

  • Glatz Ignaz

  • Betz

  • Ostler

  • Röhrl

  • Seiwald (Hospitant)

  • Dr. Friedrich

  • Karl Steiger

(Alle mit Unterschrift - außer Ostler, d.V.)

 

Quelle 2

25.07.1933

Protokoll der Sitzung des Gemeinderats Garmisch vom 25.07.1933

„Zahl aller Ratsmitglieder 17 – von denen aber 1 Vertreter der SPD und 3 Vertreter der BVP ausgeschieden sind, so dass die Zahl der noch vorhandenen und geladenen Ratsmitglieder 13 beträgt. Anwesend 11

Geheimsitzung

Die Fraktion der NSDAP hat folgenden eigenhändig unterschriebenen Dringlichkeitsantrag eingebracht. Der Gemeinderat Garmisch möge beschließen:

„Auf Grund der neuen Gemeindeordnung vom 17. Oktober 1927 Gemeindemarkung Art. 5 betreffend, der lautet:

„1. Änderungen im Bestande der Gemeinden, Ortschaften und abgesonderten Marken sind zulässig, wenn alle Beteiligten einverstanden sind oder wenn die Kreisregierung ein dringendes öffentliches Bedürfnis dafür festgestellt hat.“

Die Änderungen werden vom Staatsministerium des Innern oder von der hierzu ermächtigten Kreisregierung verfügt…

… bringen wir den Antrag ein, dass die Gemeinden Garmisch und Par­tenkirchen schnellstens zu einer politischen Gemeinde vereinigt werden. Dieser Antrag ist nach Genehmigung seitens des Gesamtgemeinderates Garmisch an die Gemeinde Partenkirchen zur Stellungnahme weiterzuleiten, ebenso gleich­zeitig eine Abschrift hiervon an das Staatsministerium nach München zu senden.

Begründung: Die Gemeinden Garmisch und Partenkirchen haben im Fremdenver­kehr als dem Hauptgewerbe und -verdienst gemeinsame Interessen. Die beiden Gemeinden bilden heute schon ein zusammenhängendes Ganzes. Im Hinblick auf die Garmisch-Partenkirchen bevorstehende Aufgabe, insbesondere der 1936 statt­findenden IV. Olympischen Winterspiele, halten wir es für unumgänglich, dass die Vereinigung der Orte selbst bei Hintanstellung der verschiedenartig gelagerten fi­nanziellen Verhältnisse schnellstens vollzogen wird, um in Zukunft allen Unzu­träglichkeiten, die aus der Trennung als politische Gemeinden entstehen, einen Riegel vorzuschieben.

Nur durch die Zusammenlegung der beiden Orte wird er­reicht werden, dass in Zukunft die die beiden Orte interessierenden Fragen wirklich zum Vorteile für dieselben gelöst werden. Auch in sozialer, kultureller und gemeindepo­litischer Beziehung wird sich die Zusammenlegung nur zum Vorteile derselben auswachsen.

Wir schließen uns voll und ganz den Worten des bayerischen Innenministers PG Adolf Wagner an in dieser für die Orte Garmisch – Partenkirchen so wichtigen Frage. Wir sind außerdem in der Lage, mit unserer Ansicht auch die des Gewerbeverbandes G.P. zu vertreten, welche sich in dieser Frage vor kurzem in einer engeren Ausschusssitzung, die aus Vertretern von Garmisch und Partenkirchen besucht war, 100%ig für den Zusammenschluss aussprach, ferner zum Ausdruck gebracht wurde, dass sich jeder, der sich für den Zusammenschluss einsetzt, zum Wohle der beiden Gemeinden das größte Verdienst erwirbt.

Wir ersuchen somit das Bayerische Staatsministerium des Innern die hierfür notwendigen Schritte zu unternehmen.

Wir ersuchen somit das bayerische Staatsministerium des Innern die hierfür nötigen Schritte zu unternehmen.

Der Gesamtgemeinderat Garmisch erklärt zugleich, dass er heute 100%ig nationalsozialistisch gemäß der bei Amtsantritt abgegebenen ehrenwörtlichen Erklärung bedingungslos seinen Platz räumt und nichts in den Weg legt, was die Neuaufstellung eines gemeinsamen Gemeinderates der beiden vereinigten Orte verhindern solle.

Nach entsprechender Beratung wurde einstimmig beschlossen, den vorstehenden Dringlichkeitsantrag zum Beschluss zu erheben.“

 

         © Alois Schwarzmüller 2006

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