1933 - Der Beginn der nationalsozialistischen Diktatur in Garmisch-Partenkirchen

 

 

Die Reichstagswahl am 5. März 1933

Quellen zum Thema

Die NSDAP erreichte ihr Ziel einer absoluten Mehrheit nicht – weder im Deutschen Reich noch im Bezirk Garmisch - obwohl sie ihre überragende Propagandamaschine landauf, landab eingesetzt hatte, obwohl sie den Wahlkampf mit massivem Terror gegenüber den politischen Gegnern geführt hatte.

In der Gemeinde Garmisch blieb die Hitler-Partei mit 49,97 % der gültigen Stimmen freilich denkbar knapp unter ihrem Wahlziel. Sie lag damit sechs Prozent über dem Durchschnitt im Deutschen Reich. In Partenkirchen blieb sie unter 40 Prozent. Größter Verlierer war die Bayerische Volkspartei in beiden Gemeinden, das katholische Wählerpotential war auf 20 bis 30 Prozent zusammengeschrumpft.

Der Erdrutsch zugunsten der NSDAP wird aber noch deutlicher, wenn man die absoluten Zahlen betrachtet: Sowohl in Garmisch wie auch in Partenkirchen hatte sich die Zahl ihrer Wählerinnen und Wähler gegenüber der Reichstagswahl im November 1932 mehr als verdoppelt, die BVP konnte ihren Wählerstamm dagegen gerade noch halten. Auch die Sozialdemokraten konnten ein erhebliches Anwachsen ihrer Wähler verbuchen, blieben aber prozentual im Werdenfelser 10-Prozent-Turm gefangen. Halbiert wurde die Wählerschaft der Kommunisten, während die Deutschnationalen die Zahl ihrer Wähler fast verdoppeln konnten. Fazit für Garmisch-Partenkirchen: Die radikalnationalistischen autoritären Parteien triumphierten mit zusammen ca. 64 Prozent in Garmisch bzw. 51 Prozent in Partenkirchen, die republiktreuen christlich-konservativen und sozialdemokratischen Kräfte brachten zusammen nur 29 Prozent in Garmisch bzw. 41 Prozent in Partenkirchen auf die Waagschale.

Im gesamten Bezirk Garmisch hatte die NSDAP mit 46,21 Prozent ein Ergebnis erzielt, das immer noch drei Prozent über dem Resultat im Deutschen Reich lag. Spitzenreiter für die Hitlerbewegung waren die Orte Altenau (67,95 %), Ober- und Untergrainau (57,57 %), Ohlstadt (54,56 %) und Unterammergau (54,33 %).

Die christlich-konservativen Appelle gegen die braunen „Neuheiden" hatten nicht mehr überzeugt. Das üble Gerede von der Dolchstoßlegende in den nationalen Wehrverbänden, die Verherrlichung des Waffen- und Kriegsmythos auch in durchaus bürgerlichen Kreisen und die antirepublikanischen Gedankenwelten der Gefühls- und Programm-Monarchisten zwischen Schloss Linderhof und dem Schachen – dieses Gebräu war schon lange salonfähig und nun auch politisch mehrheitsfähig. Die liberalen, sozialdemokratischen und republikanischen Kräfte waren im Werdenfelser Land bzw. im Bezirk Garmisch fast in einer Randlage. Lion Feuchtwanger und Oskar Maria Graf haben es in ihren Romanen zum Zeitgeschehen beschrieben.

Der „Umschwung", so drückten es die Sympathisanten im Bezirksamt aus, „vollzog sich hier im Großen und Ganzen ohne Reibung." Die politischen Gegner fielen in eine Art Erschöpfungszustand nach ihrem vergeblichen Kampf gegen die braune Flut. „Sicherheitszustand gut!" meldete der Monatsbericht und „Anteilnahme der SA und SS am öffentlichen Leben mit Schuld". Terror erzeugt Depression und Resignation.

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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