1933 - Der Beginn der nationalsozialistischen Diktatur in Garmisch-Partenkirchen

 

 

Die Haltung der „Patriotischen Vereine"

Quellen zum Thema

In der kurzen demokratischen Ära zwischen Kaiserreich und Drittem Reich gab es in Garmisch und in Partenkirchen ein facettenreiches Angebot an Vereinen mit „nationalen", „vaterländischen", „weiß-blauen" und monarchistischen Zielen. Sie sahen ihren eigenen Standort meist „über den Parteien", scharten gerne „Gutgesinnte" um sich, verurteilten die Revolution von 1918 und mit ihr die demokratische Staatsform, pflegten „echten deutschen Schützengeist" oder hofften, dass die Jungen bald wieder „wie wir Alten einst am Mörser oder an der Haubitze stehen" würden.

Ihre Mitglieder waren meist keine Nationalsozialisten, standen der Demokratie und der Republik aber ebenfalls ablehnend gegenüber und bereiteten auf diese Weise den großen Acker, auf dem Hitler und seine Anhänger ernten konnten.

Sie nannten sich Bayerischer Heimat- und Königsbund, Bayernwacht (der Wehrverband der Bayerischen Volkspartei), Bayerischer Heimatschutz – Gau Werdenfels, Schützengesellschaft Edelweiß, Artillerievereinigung Werdenfels oder „Stahlhelm".

Meist waren es adelige ehemalige Offiziere, die an der Spitze dieser Vereinigungen standen: Enoch Freiherr zu Guttenberg für den Bayerischen Heimat- und Königsbund, Oberstleutnant Ritter von Schrenk führte die Artillerievereinigung Werdenfels, Rittmeister Robert Schmitt machte nach dem 30. Januar mit dem „Stahlhelm" gemeinsame Sache mit den Nationalsozialisten bei der Verfolgung politischer Gegner. Der Königin-Luise-Bund stand unter dem Protektorat der Hohenzollernprinzessin Cecilie.

Die Veranstaltungen hießen „Deutscher Abend" oder – in Erwartung des bayerischen Kronprinzen Rupprecht - „Weiß-blauer Tag". Kameradschaftsabende fanden im Restaurant Kurlichtspiele statt.

Alles in allem: Diese Form des „Heimatschutzes" verstand sich nie als Schutz der Republik. „Weiß-Blau" stand mehr auf der Seite von „Schwarz-Weiß-Rot" als auf der Seite von „Schwarz-Rot-Gold". Ein Beleg dafür: Am 15. März 1933 teilte Dr. Kiendl, der Kreisleiter der Bayernwacht, im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt die Auflösung der Bayernwacht mit, „schmerzbewegt aus den bayerischen Bergen" und „Mit Bayerntreu". Dann schlug er ganz schnell den Bogen zu den neuen Machthabern und empfahl den Mitgliedern der Bayernwacht - bisher „auf dem Boden der christlichen Weltanschauung" - ihre Kraft „ungebrochen auch dem neuen Staat opferfreudig zur Verfügung zu stellen."

Der SPD-nahe und republiktreue Wehrverband „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" hatte, im Unterschied zu den monarchistischen Vereinigungen, zum nationalkonservativen „Stahlhelm" und zu den „Sturmabteilungen (SA)" der Hitler-Bewegung keine wirkliche Bastion im Werdenfelser Land.

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

Startseite