"Halt's Maul, sonst kommst nach Dachau!" - Staatsfeinde, Schutzhaft, KZ Dachau

 

 

 

 

"Verzeichnis über alle Staatsfeinde des Bezirkes Garmisch-Partenkirchen" (1936) - Mitglieder der KPD

 

Die Liste der „Staatsfeinde“ nannte für den Bezirk Garmisch insgesamt 87 Mitglieder der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands). Bis zum August 1936 waren 31 von ihnen kürzere oder längere Zeit im KZ Dachau.

 

Karl Christoph

Geb. am 28.01.1894, Au (BA Bogen), Hilfsarbeiter, KPD, Ga.-Pa., Hörmannstr. 4

„Er war Ortsgruppenführer der KPD in Garmisch u. hat diese Stelle vor der Umstellung nur kurze Zeit begleitet. Dabei ist er nicht besonders hervorgetreten. Auch nach der Umstellung ist Christoph politisch nicht mehr hervorgetreten, es konnten aber auch keine Tatsachen festgestellt werden, die dafür sprechen, dass er jetzt für den Nationalsozialismus ist. Trotzdem sich Christoph in den letzten Jahren zurückgezogen verhalten hat, kann seine Streichung aus der Liste der Staatsfeinde nicht befürwortet werden, weil er bei seinem Auftreten den Eindruck eines Gegners des Nationalsozialismus macht. Der NSDAP oder einer Gliederung gehört er nicht an. Mit politisierenden Kirchenbeamten verkehrt er nicht. Christoph verdient als Hilfsarbeiter wöchentlich ungef. 40 RM. Vermögen besitzt er nicht.“

 

Josef Radner

Geb. 17.05.1892, Partenkirchen, Hilfsarbeiter, KPD, Ga.-Pa., Zugspitzstr. 112

„In der Systemzeit war er beim Verteilen der komm. Druckschriften tätig. Er war ein überzeugter und eifriger Kommunist, was er heute noch ist. Radner wurde am 11.3.1933 in Schutzhaft genommen und bald wieder entlassen. Er gab bisher zu keiner Beanstandung Anlass in politisch-polizeilicher Hinsicht. Er verkehrt auch nicht mit früheren Gesinnungsgenossen. Allmählich scheint er den Eindruck zu machen, als ob er dem neuen Staat etwas näher gekommen wäre; durch den Deutschen Gruß, dessen er sich zwangsläufig bedient. Der Partei und deren Gliederungen gehört er nicht an. Innerlich steht Radner sich noch dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber.

 

Josef Strobl

Geb. 18.06.1903, Bichl, Zeitungsverkäufer, Ga.-Pa., Zugspitzstr. 13

„Er war 1919 kommunistischer Bürgermeister in Miesbach. In Garmisch hat er sich politisch nicht betätigt. Nach der Umstellung ist Strobl politisch nicht mehr hervorgetreten. Er ist aber mit dem Nationalsozialismus nicht einverstanden. Eine offene Gegnerschaft trägt er nicht zur Schau; bestimmt ist er aber innerlich gegen den heutigen Staat eingestellt. Der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen gehört er nicht an. Mit politisierenden Kirchenbeamten verkehrt er nicht. Strobl verdient monatlich 200 RM und hat sonst kein Vermögen. Nachdem er noch ein versteckter Kommunist ist, kann die Streichung aus der Liste der Staatsfeinde nicht empfohlen werden.“

 

Anton Piethold

Geb. 26.10.1892, Essen / Ruhr, Schlosser, KPD, Ga.-Pa., Frickenstr. 22

„Er war in der Systemzeit Leiter der KPD-Ortsgruppe Partenkirchen und überzeugter und fanatischer Kommunist. Seine Kampfesweise war im Allgemeinen gegen die NSDAP anständig. Am 11.3.1933 erfolgte seine Inschutzhaftnahme mit Überstellung in das Konzentrationslager Dachau. Nach seiner Entlassung fand er bald geregelte Arbeit als Maschinenschlosser. Er lebt sonst zurückgezogen. Ein Verkehr mit früheren Gesinnungsgenossen ist nicht wahrnehmbar. Nach seinem jetzigen politischen Verhalten (äußerlich) könnte man meinen, dass er dem neuen Staat und dem Nationalsozialismus näher gekommen ist. Er grüßt auffällig mit dem Deutschen Gruß und ist ein fleißiger und verlässiger Arbeiter. Sein Gebaren muss aber als Schein betrachtet werden. Er dürfte nach wie vor Gegner des neuen Staates sein. Piethold gehört der Partei usw. nicht an. Verkehrt auch nicht mit politisierenden Kirchenbeamten. Hat als Maschinenschlosser ein ausreichendes Einkommen. Kein Vermögen.“

 

Paul Riedel

Geb. 31.05.1907, Oels / Schlesien, Schreiner, KPD, Ga.-Pa., Silberackerstr. 10

„In der Systemzeit war Riedel Schriftführer der KPD-Ortsgruppe Partenkirchen. Er war ein eifriger Anhänger der kommunistischen Sache. Seine Kampfesweise war untergeordneter Art und trat wenig in Erscheinung. Am 11.3.1933 wurde er in Schutzhaft genommen und in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Seit seiner Entlassung geht er einer geregelten Arbeit nach. Ein Verkehr mit früheren Gesinnungsgenossen ist nicht wahrnehmbar. Riedel dürfte innerlich eine Abneigung gegen den Nationalsozialismus haben. Der Partei und deren Gliederungen gehört er nicht an. Mit politisierenden Kirchenbeamten verkehrt er nicht. Hat als Hilfsarbeiter ständig Arbeit und Verdienst.“

 

Max Unger

Geb. 15.06.1900, Lengenfeld, Schneider, KPD, Ga.-Pa., Martinswinkelstr. 14

„In der Systemzeit war er Leiter der KPD-Ortsgruppe Garmisch. Er war überzeugter und fanatischer Kommunist. In seiner Kampfesweise war er trotzdem sachlich. Am 11.3.1933 erfolgte seine Inschutzhaftnahme. Seit seiner Entlassung hat er ständig Arbeit. Ein Verkehr mit früheren Gesinnungsgenossen ist nicht wahrnehmbar. Er grüßt mit dem Deutschen Gruß, doch ist dies nicht innerste Überzeugung. Unger ist ein schlauer und überlegter Mensch. Nach seiner früheren Einstellung ist er sicher noch als Gegner des neuen Staates anzusehen, jedenfalls wird er innerlich dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüberstehen. Mit politisierenden Kirchenbeamten verkehrt er nicht. Hat als Gelegenheitsarbeiter ständig Arbeit und Verdienst und ist vermögenslos.“

 

Paul Schretter

Geb. 11.12.1910, Grafenaschau, Hilfsarbeiter, KPD, Grafenaschau

„Er war vor der nationalen Erhebung Bezirksleiter der KPD und trieb rege Propaganda als Versammlungsredner. Ferner verteilte er fleißig Flugblätter und komm. Schriften. Er war auch in Schutzhaft… Nach Mitteilung des Bürgermeisters Utzschneider in Aschau muss vor ihm gewarnt werden. Eine illegale Verbindung mit der früheren KPD ist nicht mehr nachweisbar, dennoch ist er als versteckter Staatsfeind zu bezeichnen. Der Partei und deren Gliederungen gehört er nicht an. Mit politisierenden Kirchenbeamten verkehrt er nicht. Vermögen besitzt er nicht. Sein Einkommen reicht zum Leben aus.“[5]

 

Weitere in der Liste der „Staatsfeinde“ genannte Mitglieder der KPD aus Garmisch-Partenkirchen waren:

Ludwig Bergbauer, Josef Brunner, Josef Braun, Simon Eggl, Wolfgang Ganselmeier, Max Gmeinwieser, Maria Huber, Ludwig Handlmeier, Benno Heitmeier, Leonhard Kittinger, Georg Kuffer, Sebastian Meier, Dominkus Malik, Franz Mühlbauer, Helmut Pröhl, Ferdinand Rackeseder, Anton Reindl, Josef Reindl, Josef Reitmeier, Hubert Richter, Johann Schauer, Auguste Piethold, Josef Sam

 

© Alois Schwarzmüller 2013

Zurück zur Startseite