1933 - Der Beginn der nationalsozialistischen Diktatur in Garmisch-Partenkirchen

 

 

Die christlichen Kirchen zwischen Republik und Diktatur

 

Der Katholische Männerverein Garmisch bereitet sich auf die Reichstagswahl am 5. März 1933 vor: „Herr Präses Pfarrer Mencke blickte zurück zu den alten Zentrumsführern Windthorst, Malinckrodt, Graf Balestrem, auf die Politik der letzten Jahre vor dem Weltkrieg, Kriegsjahre, Revolution, Entstehen der nationalsozialistischen Partei mit ihrem ungeheuren Anwachsen, ihrer Lehre und ihren Irrtümern. Er nennt die besondere Herhebung des Kampfblockes Schwarz-Weiß-Rot als Pächter der nationalen Gesinnung überflüssig. Mit dem Motto treu zu Bayern und treu zu Deutschland gehe die Bayerische Volkspartei verantwortungsvoll in den Wahlkampf, in Erwartung, dass die katholischen Männer am 5. März ihre Pflicht als Staatsbürger und Christen erfüllen."

28. 02.1933 - Garmisch-Partenkirchner Tagblatt

 

Kardinal Faulhaber, München, unterweist seine „lieben Diözesanen" im Fastenhirtenbrief 1933: „Die Staatsform ist nicht für alle Völker und alle Zeiten als Schablone festgelegt! Wie die Grenzen eines Staates im Laufe der Zeit wechseln können, so kann auch die Staatsform unter den Wechselfällen der Geschichte Erbreich oder Wahlreich, Monarchie oder Freistaat, Volksstaat oder Nationalstaat oder Ständestaat sein. Für das staatsbürgerliche Gewissen wäre es aber ein Verbrechen, durch Revolution oder Staatsstreich eine bestehende Staatsform gewaltsam umzustoßen.

In allen Staatsformen ist die Obrigkeit des Staates von Gott angeordnet. Auch wenn ein Pilatus oder Nero auf dem Thron sitzt. Es gibt keine Gewalt, außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott angeordnet… Der Satz im 1. Artikel der Verfassung des Deutschen Reiches: „Die Staatsgewalt geht vom Volke aus." ist eine Irrlehre, ein Fälschung des biblischen Satzes: „Es gibt keine Gewalt außer von Gott.""

02.03.1933 – Werdenfelser Anzeiger

 

Die Ortsgruppe Werdenfels des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes stellt sich auf die Seite der neuen Mächtigen: „Die große Freude über das Wiedererwachen einer starken nationalen Bewegung im Vaterland vertieft bei den Mitgliedern des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes das Verantwortungsgefühl, mit dem sie von jeher in ihrem Dienst am Volk gestanden haben. Diese Betonung des Verwurzeltseins im Evangelium einerseits, im deutschen Volkstum andererseits als der Grundlage für alles Wirken kam in dem programmatischen Vortrag klar und eindringlich zum Ausdruck."

22.04.1933 – Garmisch-Partenkirchner Tagblatt

 

Zwischen dem Deutschen Reich und dem Vatikan wird am 20. Juli 1933 ein Konkordat vereinbart: „Vor allem hat der erfolgreiche Abschluss des Konkordats eine wesentlich günstigere Stellung der Geistlichkeit gegenüber der neuen Regierung zur Folge. (So wurde) die letzte Pfarrer-Installation in Partenkirchen z.B. zu einem erhebenden und erfreulichen politischen Einheitsbekenntnis. Der Kongress des internationalen Studentenwerkes im Kloster Ettal (180 Teilnehmer aus 50 Staaten) (wurde) eröffnet durch Staatsminister Schemm und Stabschef Röhm."

31.07.1933 – Aus dem Monatsbericht des Bezirksamtes Garmisch an die Regierung von Oberbayern

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

Zurück zur Startseite