Garmisch-Partenkirchen 1945-1949 - Die ersten Jahre nach Diktatur und Krieg

 

 

 

 

1948 - Aus den Monatsberichten von Landrat Dr. Emil Kessler an die Regierung von Oberbayern

 

25.02.1948
Ernährungslage

Der Dienstbetrieb der Kreisverwaltung ist durch "Zusammenlegung ihrer Behörde im neuen Kreisverwaltungsgebäude (im ehemaligen Divisonsstabsgebäude) sicherer, ruhiger und geordneter geworden. Alle Behörden auf einem Flur. "Schwarzmarktdelikte mit viel Tauschgeschäft mit Butter und Fett. Die Gemüseversorgung bleibt völlig unzulänglich. Brotmehlversorgung nach wie vor schwierig.

Ernährungszustand der alten Leute ist bei 50 % als schlecht, derjenige der arbeitenden Bevölkerung bei 60% als unzureichend anzusprechen. 40 % der Kleinkinder sind unterernährt. Überfüllung der Krankenhäuser mit alten Leuten.

Entbindungsheim Schöneck in Garmisch-Partenkirchen, ein früher der NSV dienendes, jetzt unter Vermögensverwaltung stehendes öffentliches Entbindungsheim wird demnächst mangels Rentierlichkeit geschlossen werden müssen. Auf Grund mangelhafter Führung und Betreuung ist das Haus ist für Garmisch-Partenkirchen kein Ruhmesblatt.

Der Pianist Leimer, nach Bestätigungen erster musikalischer Autoritäten (u.a. Dr. Richard Strauss) eine ganz besondere Begabung, beabsichtigt, in Garmisch-Partenkirchen im Opelhaus an der Mittenwalderstraße eine Musikschule zu errichten... Volkshochschule Garmisch-Partenkirchen kann mangels geeigneter Räume nicht gegründet werden; die personellen Voraussetzungen zu ihrer Errichtung wären ohne weiteres gegeben.

Am 20.2.48 erfolgte Öffnung des Durchgangsverkehrs durch die Tunnels bei Eschenlohe.

Militärregierung Garmisch-Partenkirchen hat für die Veranstaltung großer und größter sportlicher Veranstaltungen die Gründung eines Kreissportkomitees angeregt.

Ehemalige Luftwaffenhütte am Kochelberg "Bayernhütte" wurde von der Staatsregierung dem Bayerischen Jugendring zugedacht, gegen den leidenschaftlichen Widerstand der gesamten Sportwelt des Landkreises... Hütte soll bei den Skiclubs Garmisch und Partenkirchen verbleiben, die jetzt Inhaber der Hütte sind. Garmisch-Partenkirchen besteht darauf, dass seine führenden alpinen Sportvereine Inhaber der Hütte bleiben. Es würde unerbittlichen Widerstand der maßgeblichen Bevölkerung auslösen, der im Zweifel vor keiner Sabotage zurückschrecken würde... Klagen über die Unkontrollierbarkeit der durch das Staatssekretariat für das Flüchtlingswesen gewährten Zuzüge."

 

März 1948
Bevölkerungszunahme

Es wird geklagt über eine "außerordentliche Übervölkerung des Landkreises. Geradezu unglaubliche Anziehungskraft des Geländes auf den Fremdenverkehr. Bedeutung Garmisch-Partenkirchens, Mittenwald und Oberammergaus vom Standpunkt der Besatzungsmacht her."

Besondere Situation in Garmisch-Partenkirchen: "Garmisch-Partenkirchen ist im Augenblick berüchtigt als Sammelpunkt von asozialen Elementen. Die Hausner Mordaffäre war hierfür an sich kein Symptom, sie war aber in dieser Beziehung lehrreich. Zunächst hat sie bewiesen, dass der hiesige Polizeiapparat völlig unzureichend ist, um solcher Kriminalfälle Herr zu werden. Der Mordfall geschah am 23.12.47. Während der anschließenden 3 Weihnachtsfeiertage hat die hiesige Kriminalpolizei zur Aufdeckung des Falles keinen Finger gerührt. Andererseits war der Tatort noch nicht einmal gegen dritte Personen gesichert (nach einer mir von Kriminalinspektor Venus der Landpolizei gegebenen vertraulichen Unterrichtung)... ist der Fall aber insoweit lehrreich gewesen, als die schließlich durch die Staatsanwaltschaft hier angesetzten überörtlichen Kriminalaufklärungskräfte, die einige Monate hier tätig waren, bloß durch die Untersuchung des Hausner-Falles und gewissermaßen an ihrem Rand so viele Fährten krimineller Untiefe in Garmisch-Partenkirchen wahrnehmen konnten, dass das Bild eines kriminell auf´s äußerste gefährdeten Terrains wahrnehmbar wurde.

Hinzu kommt die massenhafte Anwesenheit von Schiebern, Schwarzhändlern und Nichtstuern aller Art, sowie die sich ins Unerträgliche steigernde Häufung von Preis- und Wirtschaftsdelikten, die das Bild des hiesigen Straßen-, Hotel und Unterkunftsbetriebes kennzeichnen. Ich glaube nicht, dass sich diese durch die Nachkriegszeit bedingte Situation schlagartig ändert, sobald die Währung umgestellt ist. Garmisch-Partenkirchen ist eine Art internationaler Kurort geworden, insbesondere auch durch die Ausstrahlungen, die von der hier weit stärker als im Landesdurchschnitt vertretenen Besatzungsmacht ausgehen…

In dem Landtagsabgeordneten Schütte, der hier 2. Bürgermeister ist, verfügt die Marktgemeinde über einen erfahrenen, umsichtigen Kommunalpolitiker. Es fehlt jedoch offensichtlich an einem Mindestbestand von Verwaltungspraktikern… Die über die Bedeutung ihrer nominellen Bevölkerungsziffer (rd. 25000) weit hinausgewachsene Marktgemeinde bedarf der Verwaltungs- und Polizeiapparatur einer kleineren Großstadt…

Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald von asozialen Elementen von auswärts überschwemmt… Preisüberschreitungen, Schwarzmarkt- und Wirtschaftsdelikte sind an der Tagesordnung und beherrschen sozusagen das Bild der beiden Marktgemeinden...

Der Landkreis muss unbedingt auf der Errichtung einer Getreidemühle im Landkreis bestehen. Soweit ich unterrichtet bin, sind wir der einzige Landkreis in Bayern, der keine Mühle hat, damit die Brotversorgung des Landkreises besser zu gewährleisten..."

 

April 1948
Sicherheitszustand:

"erhebliche Ziffern… Raubmord an dem Esterbergalmwirt, Einbruchdiebstahl in der Pfarrkirche St. Martin… 200jährige Monstranz…"

Bürgermeisterwahl in Oberammergau:

"Zunterer gegen Raimund Lang (1933-1945

seit 1932 Mitglied der NSDAP)"

Bürgermeisterwahl in Krün:

"neu gewählt Holzer, ebenfalls Mitglied der NSDAP und Bürgermeister von 1933 bis 1945"

 

Juni 1948
Währungsreform

"Die Währungsreform hat in die wirtschaftliche Struktur des Landkreises besonders tief eingegriffen. Die Hotels sind entvölkert, viele bisher von legalen und illegalen Fremden in Anspruch genommene Wohnräume und Quartiere stehen leer."

 

Juli 1948
Sicherheitslage

"Rückgang der Kriminalität seit der Währungsreform … Verbesserung der Ernährungslage… nur noch Bruchteil der Gäste beherbergt, die sich bis zu diesem Tage ohne jede Kontrolle im Landkreis herumgetrieben und in großem Umfange vom Schwarzmarkt oder sonstigen unlauteren Geschäften lebten…

5000 Erholungsurlauber der 3. Amerikanischen Armee beherrschen das Straßenbild in Garmisch-Partenkirchen… verstärktes Eingreifen der Militärpolizei…

… Die Ernährungslage ist seit der Währungsumstellung grundlegend geändert. Die bisherigen Versorgungsschwierigkeiten sind z. Zt. auf ein Mindestmaß abgesunken..."

 

August 1948
Schwarzmarkt

"… Die Preissteigerung verursacht eine sehr ernst zu nehmende Radikalisierung der Massen. Die Versammlung des Kreisflüchtlingsausschusses in Gegenwart des Landrates verlief in einer Stürmischkeit, die Erbitterung der in Not geratenen Flüchtlingskreise wurde mit seiner solchen Unverblümtheit laut, dass ich es für erforderlich halte, die Staatsregierung auf den Ernst der Lage mit besonderer Betonung hinzuweisen. Das gleiche Bild ergab sich bei der Protestversammlung gegen die Preiswucherei. Der Augenblick, wo die Massen die Straße zum „Kampffeld" machen (immer mehr gebrauchte Ausdrucksweise in Versammlungen) wird bald gekommen sein.

Die Schwarzmarktverhältnisse haben sich in den letzten Wochen unter der eifrigen Führung der Garmischer und Mittenwalder DP´s wieder etwas konsolidiert.. Die Gruppe der jüdischen DP´s ist in Garmisch-Partenkirchen unentwegt dabei, durch Schwarzhandel an bestimmten Straßenpunkten Ärgernis zu erregen, man muss sogar sagen, die Öffentlichkeit bis zur Weißglut zu reizen. Alle Beschwörungen, die ich der Führung der jüdischen Kultusgemeinde gegenüber unternehme, sind fruchtlos. Die Entschuldigung, man dürfe von Menschen, die im KZ waren, nicht Verständnis erwarten, wirkt auf die Dauer nur aufreizend. Es ist falsch, von einem Neofaschismus bzw. Antisemitismus zu sprechen, wenn man gleichzeitig das unerhörte Verhalten eines großen Teils der jüdischen Gruppe als Ursache dieser Erscheinungen verschweigt. Ich habe polizeiliche Maßnahmen durch MP und deutsche Polizei in Gemeinschaftsaktion angeregt.

… Es erweist sich nunmehr, dass ein Landkreis, der nur auf der Erwerbsquelle des Fremdenverkehrs steht, sehr stark krisenerschütterlich und nicht geeignet ist, wirtschaftliche Experimente wie die Aufnahme von Tausenden von Flüchtlingen usw. zu verkraften. Die Spannungen, die sich aus der Erhöhung der Arbeitslosigkeit ergeben haben, werden hier täglich fühlbar, wobei das aktive Element die Arbeitslosen, Flüchtlinge und Neubürger aller Art sind, während das einheimische Bürgertum dem mehr oder weniger ratlos und tatenlos gegenübersteht. Flüchtlinge und Gewerkschaft bezeichnen es offen als ein Verbrechen, dass hier so viele Menschen angesiedelt worden sind, denen keine Arbeit in Aussicht gestellt werden kann. Sie nennen es Wahnsinn, hier in Naturschutz und Landschaftsschutz zu schwelgen und den arbeitbringenden Fabrikschornstein zu verpönen. Der Fremdenverkehr, der sich hier selbst als das allein Seligmachende beweihräuchere, verspreche den Flüchtlingen überhaupt nichts und dürfte in der künftigen Wirtschaftsstruktur des Kreises höchstens als Zubehöreinnahme in Betracht kommen. Diese aus den Versammlungen der letzten Wochen sich ergebenden Gedankengänge beherrschen die von der Arbeitslosigkeit gekennzeichneten Massen. Einstweilen zeigt sich das einheimische Bürgertum jedoch völlig unerschütterlich in dem von ihm vertretenen Dogma, dass hier nur Fremdenverkehr Erfolgsaussucht und natürliches Lebensrecht habe. Die einheimische Bevölkerung ist sich damit bewusst, den Neubürgern jegliche Zukunft hier abzusprechen. .. Das bedeutet praktisch, dass nur ein ganz kleiner Prozentsatz, noch nicht 10% der anwesenden Flüchtlinge, Aussicht auf Eingliederung in das hiesige Wirtschaftsleben hätte…

… 3. Hochschulwoche Garmisch-Partenkirchen großer Erfolg… Fuß gefasst, dass auf dem Boden von Garmisch-Partenkirchen auch andere Zwecke Aussicht auf Erfolg haben als Sport, Jugendpflege usw…. der in Presse und Radio gelegentlich gewagte Vergleich mit Salzburg scheint mir verfrüht… Prof. Dr. Schücking, Prof. Mitteis, München über Naturrecht

… Die Lernmittelfreiheit in den öffentlichen Schulen hat die Popularität für sich…

… Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen …Antrag des Wirtschaftsbundes, dass Garmisch-Partenkirchen kreisfreie Stadt werden soll…"

 

September 1948
Artilleriekaserne

"… Freigabe der Artilleriekaserne in Garmisch-Partenkirchen… geplant Flüchtlingsaltersheim, Wohnungen, Gewerbe Schönbacher Geigenbauer, Sportschule (Hochschule für Leibesübungen)..."

 

November 1948
Belastung durch olympische Sportstätten

"… Garmisch-Partenkirchen ist finanziell gefestigt. Eine starke Belastung der Marktgemeinde stellen jedoch die großen Sportanlagen dar, deren Unterhaltung und Ingangsetzung Mittel von solchem Ausmaß erfordert, das den Rahmen einer solchen Gemeinde absolut übersteigt. Der erstmalige Versuch, die großen Sportanlagen im kommenden Winter auf eigene Regie der Gemeinde zu betreiben, wird Klarheit darüber bringen, ob die Sportanlagen in Zukunft überhaupt von der Gemeinde getragen werden können, oder ob sie, falls sich nicht ein anderer Träger findet, beseitigt werden müssen…

…. Neuer Kammermusiksaal im Kreisverwaltungsgebäude (Divisionsstabsgebäude, zuvor Spruchkammersaal)… amerikanisches Filmvolksbildungswerk (Natko-Filmprogramm) mit guten Besuchsziffern angelaufen… Das von der Militärregierung inszenierte „Forum" zur Erörterung politischer, sozialer und kultureller Probleme hat sich im letzten Monat gut entwickelt… (tagte im ehemaligen Spruchkammersaal im Divst.gb.)

… Nach Aussage unseres Militärgouverneurs Mr. Garlock, der sich für die Interessen unserer Flüchtlingsverwaltung mit aufrichtiger Zähigkeit einsetzt, stehen die Chancen für eine deutsche Verwendung der Artilleriekaserne günstig.."

 

Dezember 1948
Ernährungslage

"... Brotversorgung stößt auf zunehmende Schwierigkeiten, Fettversorgung gleichfalls, Fleischversorgung erträglich, Milchversorgung bildet das ernsthafteste Problem. Die Milchablieferung der Erzeuger ist auf einen Tiefstand gesunken, wie er noch niemals zu verzeichnen war… Flüchtlingsmesse..."

 

 

Wochenberichte 1948

 

13.01.1948
Ernährungslage

"Die Struktur des Landkreises, die soziale Zusammensetzung der hiesigen Bevölkerung und das gute Zusammenleben mit der Besatzungsmacht haben bisher im hiesigen Gebiet die furchtbare Ernährungskrise noch nicht voll und ganz zur Auswirkung gebracht.."

 

20.01.1948
Marshall-Plan

"… Hilfe kann im Ergebnis nur der Marshall-Plan bringen. Die Monate bis zu dessen frühestem Anlauf werden unvorstellbar hart sein..."

 

27.01.1948

Flüchtlinge und Einheimische

"… Den Flüchtlingen gegenüber nimmt ein Teil der einheimischen Bevölkerung in Fragen der wohnungsmäßigen Unterbringung eine zusehends unfreundliche Haltung ein. Es kommen Fälle von Gewalttätigkeiten vor, die man vor einem Jahr noch nicht für möglich gehalten hätte…

Fall Semmler: CSU hat dadurch an Ansehen eingebüßt..."

 

14.04.1948
Gemeindegrenzen Farchant/Garmisch-Partenkirchen

"… die von den Gemeinden Garmisch-Partenkirchen und Farchant gewünschte Gemeindegrenzänderung genehmigt.. Dadurch ist mit Wirkung vom 1.4.48 das Siedlungsgebiet am sogenannten Farchanter Gröben – insgesamt rund 35 ha – aus der Gemeinde Farchant ausgegliedert und in die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen eingegliedert worden. Damit sind ungefähr 500 Bewohner dieses Siedlungsgebiets, deren wirtschaftliche Verhältnisse zweifellos schon seit langer Zeit nach der Marktgemeinde tendieren, in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen wahlberechtigt geworden."

 

20.04.1948
Wahlen

Gemeinde und Kreistagswahlen 25.04.1948

"… die Aktivität der Flüchtlingsgruppen die stoßkräftigste ist … in Garmisch-Partenkirchen haben die Flüchtlinge Anteil an 3 besonderen Flüchtlingswahlvorschlägen

… Wahlversammlung in Farchant durch Tumultszenen gestört, wobei die anwesenden 4 Beamten der Landpolizei durch Anwendung des Gummiknüppels die Ruhe und Ordnung wiederherstellen konnten…"

"

04.05.1948
Wahlergebnis

CSU und Bayernpartei absolute Mehrheit - "nach rechts orientiert"

SPD 8 Stimmen

KPD 1 Sitz "spielt machtmäßig keine Rolle"

von den 45 Kreistagssitzen entfallen 30 auf Garmisch-Partenkirchen, nur 15 auf den Landkreisgemeinden

 

20.07.1948
Einwohnerzahlen

Landkreis: 34000 Einwohner

Dazu: Flüchtlinge: 13000 - Evakuierte 8000 - Ausländer 1300

Arbeitslose 3000 - Arbeitsbeschaffung: Buckelwiesen, Kraftwerk Partnachklamm

 

05.10.1948
Flüchtlingsagitator Anton Hermann

Erst vor kurzem aus der Tschechoslowakei gekommen

Hält Massenversammlungen, führt zur Radikalisierung, „Volksaufwiegler"

"… steht offensichtlich im Dienst einer fremden Macht

… Die Unruhe, die von dem Treiben des Hermann auch schon auf unseren Kreis ausgeht, ist unverkennbar."

 

03.11.1948
Flüchtlingsagitator Anton Hermann

Versammlung in Oberammergau 2.11.1948

"Es kann gesagt werden, dass Hermann die anwesenden Flüchtlinge wie ein Instrument in der Hand hatte, sobald er den Mund auftat… Bei den Flüchtlingen, die alle irgendwie in Not sind, hat er dabei einen leichten Stand… Mein Eindruck (Kessler) war, dass die Flüchtlinge von Oberammergau der demagogischen Agitation des Hermann widerstandslos erlegen waren… Seine Methode erinnert haargenau an das Auftreten von Hitler im Jahre 1932."

 

30.11.1948
Fremdenverkehrsgewerbe

"… Dauermieter in Hotels…Das Ganze ist ein Irrsinn. Wenn man es mit Bosheit und Schikane angefangen hätte, hätte es nicht schlimmer werden können. Die Aufnahmefähigkeit von Garmisch-Partenkirchen wurde danach bemessen, wie viele Menschen man in die Hotels hineinpressen könne. Jetzt kann man die Menschen nicht mehr herausnehmen und die Hotels gehen zugrunde. Die soziale Missstimmung hierüber ist eine außerordentliche. Ich schätze, dass ca. 25 Hotelbetriebe in Garmisch-Partenkirchen in dieser Lage sind. Das ist ein namhafter Teil der Wirtschaft von Garmisch-Partenkirchen… Die Hotelbetriebe müssen Steuern zahlen, ihre Häuser unterhalten, Licht und Wasser bezahlen und ihre allgemeinen Verpflichtungen als Hausbesitzer erfüllen. Die Dauermieter zahlen großenteils eine weit unter dem Selbstkostenpreis liegende Miete und diese bleiben sie vielfach noch schuldig. Die Hotelbesitzer heute Vormittag haben erklärt, dass sie demnächst die öffentliche Fürsorge in Anspruch nehmen müssen, um überhaupt nur noch sich selbst oder ihre Familie ernähren zu können… Das Fazit der Betrachtung ist, dass in Garmisch-Partenkirchen eine grundlegende Änderung der Wohnungs- und Unterkunftsverhältnisse eintreten muss, bis der Ort wieder wirtschaftlich gesund werden oder überhaupt existieren kann."

 

14.12.1948
Artilleriekaserne

Mr. Garlock: für "Verwendung der Artilleriekaserne für die Beseitigung der deutschen Wohnraumnot …"

 

Staatsarchiv München – LRA 199453 Garmisch-Partenkirchen – Monatsberichte LRA 1948

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2015

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