Garmisch-Partenkirchen 1945-1949 - Die ersten Jahre nach Diktatur und Krieg

 

 

 

Entnazifizierung - Selbstreinigung oder Selbstbetrug?

Hanns Kilian (1905-1981, Garmisch-Partenkirchen) war ein deutscher Bobfahrer. Er gewann zwei Olympische Medaillen und war dreimal Weltmeister. Mit dem "Alpenhof" führte er im Zentrum des Ortsteils Garmisch ein überaus bedeutendes Hotel.

Johann Georg Lang (1889-1968, Oberammergau) inszenierte 1922 die Passionsspiele neu.

 

02.06.1947

Bobweltmeister und Passionsspielleiter vor der Spruchkammer

"Am vergangenen Dienstag verhandelte die Spruchkammer Garmisch-Partenkirchen zwei Personen, die weit über die Grenzen des Werdenfelser Landes hinaus bekannt sind: den Bob-Weltmeister und Olympiasieger Hanns Kilian und den ehemaligen Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele Johann Georg Lang. Nach je dreistündiger Sitzung wurden die Betroffenen in die Gruppe der „Mitläufer" eingereiht."

Olympiasieger Hanns Kilian
"Der Hotelier Hans Kilian, Inhaber des in­ternational namhaften Garmisch-Partenkirchner Sporthotels „Alpenhof", war von 1933 bis 1938 Mitglied der NSDAP, seit 1933 Angehöri­ger des NSKK und verschiedener Untergliede­rungen von NS-Organisationen. 1939 wurde er ehrenhalber zum Sturmführer und zwei Jahre später zum Obersturmführer des NSKK beför­dert. Wegen staatsfeindlicher Äußerungen wurde Kilian 1938 von der Partei ausgeschlos­sen und in späterer Zeit aus gleichen Gründen zweimal vor ein Kriegsgericht gestellt. Zahl­reiche Zeugenaussagen, darunter ein Schreiben aus New York von der Amateur-Athletik-Union, und 52 eidesstattliche Erklärungen be­stätigten die antinazistische Haltung Kilians. Ehemalige Angestellte seines Hotels berichte­ten von heftigen Auseinandersetzungen zwi­schen ihm und führenden Nazi-Persönlichkei­ten wie Ley, von Tschammer-Osten, Hünlein usw. Kilian war seinerzeit „im Glauben an die. gute Sache und um seine Stellung im Vorstand des Hotelierverbandes zu halten", der Partei beigetreten. Als Sühneleistung wurden ihm 1000 Mark sowie die Verfahrenskosten (der Streitwert betrug 336 000.-— Mark) auferlegt."

Passionsspielleiter Johann Georg Lang
"Der Bildschnitzer Johann Georg Lang trat am 1.3.1933 in die Partei ein, war ab 1942 stellvertretender Propagandaleiter und ab 1939 Orts-Volksspielwart der DAP. Seinen Parteieintritt begründete Lang damit, dass er dadurch die Passionsspiele vor fremden Einflüs­sen bewahren wollte, ebenso sei er als Künst­ler in all seinen Handlungen nur auf das Wohl der Passionsspiele bedacht gewesen. Als „Mit­läufer" wurde Lang die Entrichtung von 2000 Mark Sühne sowie die Übernahme der Ver­fahrenskosten (Streitwert von 5200 Mark) auf­erlegt."

Hochland-Bote 02.06.1947

 

 

© Alois Schwarzmüller 2015

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