Garmisch-Partenkirchen 1945-1949 - Die ersten Jahre nach Diktatur und Krieg

 

 

 

Entnazifizierung - Selbstreinigung oder Selbstbetrug?

 

1948

Verfahren gegen Giselher Wirsing

"Im Juni 1945 geriet Wirsing in Kriegsgefangenschaft und heuerte dort als Informationsbeschaffer beim US-Geheimdienst an, in dessen Auftrag er 1946 eine Studienreise durch die amerikanische Zone unternahm, jedoch offiziell interniert blieb. Im Internierungslager trat er dafür ein, die US-Besatzungszone als 49. Bundesstaat den USA anzuschließen.

Die Spruchkammer beim Landgericht Garmisch stufte ihn 1948 im Rahmen der Entnazifizierung als „Mitläufer“ ein und belegte ihn mit einer Geldstrafe von 2000,-- Reichsmark, die in der Berufungsinstanz auf 500,-- Reichsmark reduziert wurde. Die Zeitschrift Spiegel zitierte ihn 1967, er habe 1943 die gewaltsame Ausscheidung des jüdischen Elements gefordert und interpretierte, er habe damit die "Zweckmäßigkeit von Auschwitz" begründet. Trotz verbaler Androhung des G.W. gegen den SPIEGEL strengte er keinen Prozess über diese Interpretation an.

Noch 1948 war Wirsing Mitbegründer der evangelisch-konservativen Wochenzeitung „Christ und Welt“, deren Chefredakteur er 1954 wurde und bis 1970 blieb. Es gelang ihm diese zur auflagenstärksten Wochenzeitung (bis 1963) zu entwickeln. In dieser Zeitschrift veröffentlichte Wirsing am 16. April 1959 einen Artikel über „einen zweiten Albert Schweizer“ in dem Örtchen Li Jubu, das im Grenzgebiet von Sudan, Kongo und Äquatorial-Afrika lag. Er enttarnte damit ungewollt den dort untergetauchten Dr. Horst Schumann, der als Vergasungsarzt maßgeblich an der Aktion T4, der Tötung von Kranken und Behinderten im Rahmen der sog. „Euthanasie“, beteiligt war und seit Jahren von der Staatsanwaltschaft Frankfurt a.M. gesucht wurde."

http://de.wikipedia.org/wiki/Giselher_Wirsing

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2015

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