Garmisch-Partenkirchen 1945-1949 - Die ersten Jahre nach Diktatur und Krieg

 

 

 

Entnazifizierung - Selbstreinigung oder Selbstbetrug?

Heinrich Schuster war NSDAP-Mitglied seit 01.09.1930 mit der Mitgliedsnummer 346417. Als Verwaltungssekretär des Marktes Garmisch-Partenkirchen gehörte er zu den 31 Personen, die in der „Aufstellung des zur Suspendierung oder zur Entlassung gekommenen Personals der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen“ vom 11.09.1945 genannt wurden. Schuster wurde als Belasteter eingestuft und für 2 Jahr 4 Monate in ein Arbeitslager eingewiesen. Die bisherige Haftzeit wurde angerechnet.

 

27.08.1948

Lagerspruchkammerverfahren gegen Heinrich Schuster, 50 Jahre, Verwaltungssekretär, geb. 1898

Plädoyer des Klägers: „Schuster war einer der ersten Nationalsozialisten im Landkreis gewesen, der nicht nur durch Reden, sondern auch durch Taten seine außergewöhnliche Aktivität und Brutalität bewies. Er wäre einer der Hauptdenunzianten am Ort gewesen, sowie einer der Hauptakteure bei der Judenverfolgung im Jahre 1938. Zeugen sagten darüber aus, dass der Betroffene Passanten bei Nichtachtung der Hitlerfahne niederschlug, maßgeblich an Hausdurchsuchungen im katholischen Gesellenheim und im Pfarramt teilnahm, Parteibeleidigungen anzeigte und seinen führenden SA-Rang und die damit verbundene Befehlsgewalt zur Tyrannei gegen die antinazistischen Bevölkerungskreise benutzte… Die Verteidigung bestritt die ihm vorgeworfene Brutalität bei seinen Handlungen. Schuster wäre lediglich energisch gewesen.“

Hochland-Bote 27.08.1948

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2015

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