Garmisch-Partenkirchen 1945-1949 - Die ersten Jahre nach Diktatur und Krieg

 

 

 

 

Vom "Garmisch-Partenkirchner Tagblatt" zum "Hochland-Boten"

 

Heimatnachrichten

„… Unser Blatt erlebte in diesen Tagen Rekordauflagen. Wir haben die letzten Nummern in einer Auflage von 12000 Stück herausgebracht, während die normale Auflage unseres Blattes 8000 Stück betrug…

Mit Genehmigung von Major Snap („the newspaper was good“) erscheint das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt trotz des Verbotes von Zeitungen in der US-Zone weiter bis zum 4. Juni 1945.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 05.05.1945

 

Leserbriefe

Unter der Rubrik „Eingesandt“ wurden nun erstmals seit zwölf Jahren wieder Leserbriefe veröffentlicht.

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 15.05.1945

 

An unsere Leser!

"Alle Zeitungen in Deutschland mussten nach der Niederlage ihr Erscheinen einstellen. Unsere Zeitung ist weiter erschienen in Unkenntnis dieser Vorschrift. Da diese Vorschrift auch für uns Gültigkeit hat, muss auch unser Blatt das Erscheinen einstellen. – Verlag des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts“

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 04.06.1945

 

Hermann Fink und Joseph Dunner

„Ich hatte nach dem Einmarsch in Alois Adams Tagblatt mit seinem Einvernehmen in zwei Beiträgen „Goethe, Amerika und die deutsche Frage" Abrechnung mit der deutschen Vergangenheit gehalten, um zu zeigen, dass es auch ein anderes Deutschland gab. Der Bericht kam der Münchner Pressestelle der Amerikaner vor Augen, wo ein Joseph Dunner als Chef residierte.

Eines Tages - wir hatten unser Domi­zil an der Zoeppritzstraße, aus dem auch wir herausgeflogen waren, gerade wieder bezogen - vor dem Haus plötzlich Autogeräusch und Stimmengewirr, mein Name. Ob mich jetzt die Amerikaner holen? Man musste auf alles gefasst sein, fast wie früher... Ich gehe auf den Bal­kon, sehe einen Jeep, uniformierte Solda­ten reingequetscht, und einer mit einer Schirmmütze, die der von Göring nichts nachgab an Prunk. „Sind Sie Mister Fink, dann kommen Sie doch bitte mal runter." So höflich war man's damals von amerikanischer Seite nicht gewöhnt, also schwanden meine Bedenken.

Es stellten sich ein Herr Dr. Dunner, ein Herr Felsenthal und andere vor. Dr. Dunner: „Sagen Sie; Mister Fink, was machen Sie denn da für Sachen? Sie haben da in der Garmischer Zeitung einen zwar erstaunlich guten Artikel geschrieben, aber wissen Sie denn nicht, dass das und die Herausgabe von Zeitungen verboten ist laut Kontrollratsbeschluss?" — Ich: „So, so, das ist für mich sehr inter­essant, können Sie mir dann wenigstens sagen, auf Grund von welchen Sonderbe­stimmungen die amerikanische Besatzung ihre Anordnungen in einem derart verbotenen Blatt an die deutsche Bevöl­kerung kundtut?"

Dr. Dunner lachte über meine Antwort hell hinaus und konterte, dass so etwas natürlich bei den Preußen zum Beispiel nicht hätte passieren können, bei welchem Satz ich plötzlich, ich weiß nicht wie, an Karl Valentins „Raubritter vor München" denken musste.

Nach dieser Einleitung offenbarte Dr. Dunner, ein emigrierter deutscher Jude aus Fürth, dann den Zweck seines Be­suchs damit, dass er mich frug, ob ich in der Lage und bereit sei, der amerikani­schen Presseabteilung bei den Vorberei­tungen für die alsbaldige Herausgabe einer neuen Zeitung in Garmisch-Parten­kirchen zu helfen.

Ich musste ihm erwidern, dass ich noch nie Zeitungsarbeit geleistet hätte, ich würde es mir aber zutrauen; fragte ihn aber sofort auch, wie das Schicksal des bisherigen Verlegers und Druckers aussehen würde und seiner Belegschaft. Nur unter der Bedingung einer humanen Regelung würde ich meine Hand zur Mitarbeit reichen. (Darüber habe ich in honoriger Weise Verleger Adam unterrichtet; ich hatte nicht vor, in der Art von Arisierungs-Methoden hier „helfend" einzu­greifen, welche ich und meine politischen Freunde scharf geißelt hatten). Dr. Dunner erklärte mir, es seien keine Din­ge geplant, wie sie die Nazis in solchen Fällen durchgeführt hätten.

Wegen der lebenswichtigen Verband­stoff-Versorgung, für die mein Betrieb in der Zugspitzgarage sofort weiterarbeiten durfte, obwohl dort Panzer repariert wurden, konnte ich nur die Nachtstunden dazu benutzen, die von Dr. Dunner ge­wünschte Vorarbeit und Planung, mit Kalkulation bis auf den letzten Pfennig, auszuarbeiten, wobei als Verbreitungsge­biet für diese neue Zeitung der Raum vorgesehen war bis Schongau im Westen, Weilheim und Seeshaupt im Norden, Penzberg, Bad Tölz, Lenggries, Walchen­see und Mittenwald im Osten, unter Einschluss von Ammergau und Murnau. Ich hatte Dr. Dunner vorgeschlagen, den Druck der Zeitung in den Händen von Herrn Adam zu belassen und auch einen spezifizierten Druckereivertrag mit ihm entworfen.

Der besondere Protegé der Amerikaner war aber ein gewisser Anton Lutz, wofür sich die Gründe erst später herausstellten; es bestand nämlich ein heißer Kampf hinter den Kulissen über die Verhältniszahlen in der Lizenzverteilung: Da sollten soundso viele Sozialdemokraten, soundso viele Katholiken und soundso viele Kommunisten berücksichtigt wer­den, und so fiel in Garmisch-Partenkir­chen die Wahl auf einen Katholiken. Zu­dem saß Lutz wohl einige Tage im KZ.

Die neue Zeitung erschien dann zu­nächst unter dem Titel „Hochland-Bote" mit der Nummer 1 und 1. Jahrgang am Montag, den 8. Oktober 1945. Dass ich kei­ne Illusionen hegte bezüglich der Wahl des neuen Verlegers, musste mir ausge­rechnet Dr. Dunner selbst in seinem Buche „Zu Protokoll gegeben" bestätigen, wo man über die Lizenzierungspraxis in Oberbayern auf den Seiten 34/35 lesen kann „Es berührte mich peinlich, dass im Bad Homburger Hauptquartier der Psychologischen Kriegsführung Leute saßen, de­nen die Aufgabe zugefallen war, in der amerikanischen Besatzungszone eine freie Presse und ein von demokratischen Idealen erfülltes Rundfunk- und Verlags­wesen ins Leben zu rufen, dabei aber kaum einen korrekten deutschen Satz zusammenbekamen und sich offensicht­lich nie der Mühe unterzogen hatten, die deutsche Publizistik kennenzulernen. Sie waren absolut unfähig, einen Gesinnungslumpen, ob Nazi oder nicht, von ei­nem wirklich demokratisch gesinnten, menschlich einwandfreien Deutschen zu unterscheiden ..."

Aus: Geburtswehen der Freiheit - „Pannen" bei Zeitungs-Gründung — „... hatten keine Ahnung“ - Garmisch-Partenkirchner Tagblatt 21.05.1975

  

Alois Adam erinnert sich

„Am Sonntag, den 29.April 1945 besetzten die amerikanischen Truppen Garmisch-Partenkirchen. Als Governor wurde eingesetzt Herr Major Snap. Die Geschäfte des Landrates wurden dem Oberregierungsrat Dr. Fux übertragen, der mich und meine politische Einstellung seit vielen Jahren kannte. Er erwirkte vom amerikanischen Governor die Erlaubnis, dass das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt weiter erscheinen dürfe. Am Mittwoch, den 2. Mai 1945 kam die Zeitung schon wieder heraus. Ich übernahm selbst wieder die Schriftleitung, die ich am 1.Okt.1937 an den mir von der Kreisleitung präsentierten Schriftleiter Brunner abgegeben hatte. Die ersten unter der amerikanischen Besetzung erscheinenden Nummern des Tagblattes wurden zensiert, später fiel die Zensur fast ganz weg. Ich fand viele begeisterte und fähige Mitarbeiter. Der Inhalt der Zeitung wurde auch von Leuten der Militärregierung als gut bezeichnet. Ich selber habe darin meine politische Überzeugung eindeutig zum Ausdruck gebracht. Am 4.Juni 1945 erschienen Herren des Hauptquartiers in Frankfurt (SHAEF) in meinem Geschäft und sagten, sie hätten gehört, dass in Garmisch noch eine Zeitung (als einzige in Deutschland) erscheine. Sie befahlen die Einstellung, doch durfte die für diesen Tag schon gesetzte und vorbereitete Nummer 125 noch erscheinen.

Ende Juni 1945 kam Herr Dr. Dunner, der Leiter der amerikanischen Presse Kontroll-Kommission in München nach Garmisch-Partenkirchen, um die Zeitungsangelegenheit zu regeln. Am 7.Juli 1945 wurde vereinbart: Das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt darf nicht mehr erscheinen. Dafür wird einen neue Leitung, der "Hochland-Bote" gegründet. Der Verlag geht in die Hände des Buchhändlers Lutz in Partenkirchen, der wegen politischer Verstöße einige Zeit im Kz. in Dachau verbringen musste, über. Ein Herr Fink, der sich ebenfalls um den Verlag bewarb, wurde abgelehnt. Der Druck -der Zeitung sollte in meinem Betrieb im Lohndruck erfolgen. Da ich 1935 der Partei beitrat, war ich mir bewusst, dass ich nicht mehr Verleger der neuen Zeitung sein konnte. Das war bitter, aber nicht zu ändern. Ich musste mich damit abfinden. Der Zeitungsverlag wäre mir auch verloren gegangen, wenn der Sieg auf unsere Seite gefallen wäre. Schon im Jahre 1942 sollte mein Tagblatt an den NS-Zeitungsblock in München übergehen. Das unterblieb nur deshalb, weil man wegen der Luftangriffe nicht noch mehr Zeitungen in München zentralisieren wollte.

Es folgten nun für mein Geschäft schlimme Ereignisse. Am 18.August 1945 erklärte mir Herr Dr. Dunner im Rathaus in Garmisch-Partenkirchen, dass mein Betrieb, die Buchdruckerei in Garmisch, von der Militärregierung übernommen werden solle. Am 1. Okt. 1945 wurde über mein gesamtes Vermögen Property Control verfügt, ich selber von der Leitung aller Geschäfte ausgeschlossen…“

Aus: Josef Anton Grasegger, Die amerikanische Besatzungszone unter besonderer Berücksichtigung der Situation in Garmisch-Partenkirchen“ (Facharbeit Werdenfels-Gymnasium, 2000)

 

   

 

4. Juni 1945 - Mitteilung von der Einstellung des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts

Quelle: GPT 04.06.1945

Übergabe der Lizenz Nr. 2 an den neuen "Hochland-Boten" - Oberst McMahon, Bürgermeister Schütte und US-Presseberater Joseph Dunner

Foto: HB 08.10.1945

Bericht des "Hochland-Boten" von der Vergabe der Lizenz Nr. 2

Quelle: GPT 08.10.1945

 

 

 

 

08.07.1945

Vereinbarung über die Neugründung des Verlages der Zeitung „Hochland-Bote

"Der Verlag der neu gegründeten Zeitung „Hochland-Bote“ wurde seitens der Militärregierung bzw. deren Beauftragten, Herrn Dr. Dunner, an Herrn Anton Lutz in Partenkirchen übertragen, der alleiniger Inhaber des Verlages ist.

1. Die Auflage wird mit 18000 Stück festgesetzt,, der Umfang jeder Ausgabe zunächst auf 4 Seiten beschränkt, davon eine halbe Seite Anzeigen. Ob die Zeitung wöchentlich einmal, zweimal oder täglich erscheinen kann, wird von der vorgesetzten Behörde bestimmt.

2. Den Druck erledigt im Lohndruck die Buchdruckerei A. Adam,, welche zur Zeit einen Papiervorrat von36000 Kilo auf Lager hat, der bei einem zweimaligen Erscheinen in der Woche und einer Auflage von 18000 Stück über ein Jahr ausreicht.

3. Den Hauptschriftleiter wird der Verleger im Einvernehmen mit der vorgesetzten Behörde bestimmen.“

Archiv des Marktes Garmisch-Partenkirchen - Schachtel 39 / Akt 50 Allgemeine Polizeivorschriften

 

08.10.1945

Der „Hochland-Bote“ entbietet allen Lesern ein herzliches „Grüß-Gott“

„Nun habt Ihr endlich wieder Eure Zeitung! Lange genug hat der Alpdruck gedauert, aber - „was lange währt, wird endlich gut“, sagt schon das alte Sprichwort, und alle diese Urväter-Weisheiten behalten recht. Keine Zeit, kein Umsturz setzt sie außer Gefecht. Hätte man ihrer mehr geachtet, wäre kein Krieg gekommen und kein Zusammenbruch ihm gefolgt. Nun das Haus überm Kopf eingestürzt ist („Hochmut kommt vor dem Fall“) heißt es erst aufräumen und dann von vorn beginnen. Eine harte Probe das!

Also beneide uns keiner um die schwere Aufgabe, die wir mit der Lizenz einer Zeitung für das Kreisgebiet von Garmisch-Partenkirchen, Weilheim, Schongau und Bad-Tölz auf uns genommen haben.

Der sich heute vorstellende „Hochland-Bote“ ist unter den gegebenen Umständen kein selbstverständlich Ding, viel eher ein schwer verpflichtendes Dokument geschenkten Vertrauens“. Erst nach eingehender strenger Prüfung der Unterlagen hat die amerikanische Militärregierung ihre Entscheidung getroffen, bauend auf die Mitarbeit aller, die guten Willens sind, Frieden zu erlangen und Frieden zu wahren. Wer von euch, Freunde, wollte dies nicht?...

Also gedenken wir auch den Heimatteil des „Hochland-Boten“ nicht, wie es bei NS-Zeitungen üblich war, in eine Kampfstätte verbissener Politik zu verwandeln. Gewiss - er wird zur rechten Zeit das rechte Wort gebrauchen, sonst aber friedlich registrieren, was die Tage und Wochen der Heimat bringen oder nehmen.

Zunächst mag das Gebotene noch lückenhaft und unvollkommen erscheinen, bis der verkehrstechnisch noch lückenhafte Anschluss an die benachbarten Kreisgebiete hergestellt sein wird. Passen aber erst Zahnräder, Zylinder und Walzen aufeinander, kann die Rotation auf Hochtouren laufen. Dann mag auch der einzelne wieder, ohne um seinen Kopf bangen zu brauchen, seine Anliegen, soweit sie die Allgemeinheit berühren und diskutabel sind, dem Heimatblatt anvertrauen…“  – Alois Hascher

Hochland-Bote 08.10.1945

 

08.10.1945

Der neue "Hochland-Bote" - Grußworte an die Bevölkerung von Garmisch-Partenkirchen

Major Charles H. Heyl, Militärgouverneur
„Halten Sie diese neue Zeitung, als ob sie das Eigentum eines jeden Einzelnen unter Ihnen wäre - sie ist Ihr Mundstück und Ihre Augen. Solange Sie sie unterstützen und stark und frei und wahr halten, solange werden auch Ihre neuen Kräfte wachsen. Wenn sie jemals wieder das Organ der Korruption und falschen Propaganda wird, wir Ihr Elend wieder beginnen.“ -

Hans Ritter, Landrat
„Als durch die berüchtigte Verordnung „Zum Schutz von Volk und Staat“ am 28. Februar 1933 dem Deutschen Volk die Pressfreiheit „bis auf weiteres“ genommen wurde, ahnten wohl nur wenige, welche Folgen diese Knebelung der freien Meinung nach sich ziehen sollte. In vollem Bewusstsein wollten die damaligen Usurpatoren das Volk zur politischen Dummheit erziehen, um so den geeigneten Nährboden für ihre verbrecherischen Machenschaften zu finden.

Dies ist ihnen leider gelungen. Das deutsche Volk war nicht mehr in der Lage, mit eigener Kraft die Knechtschaft abzuschütteln und das Schlimmste zu verhindern. Es sind unsere Kriegsgegner gewesen, die uns von diesem Joch befreiten. Sie stehen uns hilfreich zur Seite beim Aufbau einer wahren Demokratie. Möge der „Hochland-Bote“ ein Baustein auf diesem Weg sei."

Georg Schütte, Bürgermeister
„Nach zwei Weltkriegen und drei politischen Zusammenbrüchen steht unser Volk vor einem Trümmerhaufen. Millionen brauchbare deutsche Jugend liegt in fremder Erde. Eine gleiche Zahl Kriegsversehrter und durch KZ ruinierter Menschen stehen vor der Sorge einer neuen Existenz. Viele Enttäuschte und Belogene huschen scheu durch die Straßen oder sitzen krank in der Seele in ihrem Zimmern. Unglück durch Verbrechen, soweit ein Auge schaut. Und doch muss wieder aufgebaut werden. Eine unserer wichtigsten Aufgaben muss es sein, aus den Fehlern, die gemacht wurden in der Vergangenheit, tatsächlich zu lernen. Die errungene Freiheit darf nicht missgedeutet werden. Ein großes Stück Arbeit hat hier die Presse zu leisten.“

Hochland-Bote 08.10.1945

 

13.10.1945

Lizenz Nr. 2 für den „Hochland-Boten“ - Ein Zeitungsfeiertag in Garmisch-Partenkirchen

Bericht vom Festakt im Rathaus am 8. Oktober 1945 mit Oberst McMahon von der Presse-Kontroll-Kommission München, Oberst Mane von der 80. US-Infanteriedivision, Major Heyl, Militärgouverneur Garmisch-Partenkirchen, CIC-Vertreter, Landrat Dr. Ritter, Bürgermeister Georg Schütte, Vertretern der katholischen, protestantischen und jüdischen Gemeinde und mit den Ehrengästen Dr. Richard Strauss, Josef Wackerle und Carl Reiser.

Bürgermeister Schütte:
„Hinter uns liegen sechs Jahre Krieg, Millionen beste deutsche Jugend ist auf den Schlachtfeldern geblieben. Die gleiche Zahl ist kriegsversehrt oder durch KZ-Haft an Leib und Seele ruiniert. Millionen sind belogen und betrogen, huschen scheu durch deutsche Lande, oder sitzen, krank in der Seele, in ihrem Kämmerlein.

Nach Umfluss dieser Zeit, in der jede Regung von Meinungsfreiheit gedrosselt war, soll wieder das freie Wort zur Geltung kommen. Die amerikanische Armee hat dem Herzenswunsch des größten Teiles des deutschen Volkes nach Freiheit auch nach dieser Richtung Rechnung getragen, dass wir wieder eine freie Presse erhalten. Dies soll heute in die Tat umgesetzt werden…“

Oberst McMahon:
„… einen Krieg führt man nur, um das Leben seines Landes zu bewahren. Deutschland hat ihn aber geführt, um andere Völker zu vergewaltigen und auszuplündern. Den Frieden aber führt man, um die Rechte und das Glück des Volkes zu bewahren. Der gewöhnliche kleine Mann kann sein Leben sehr glücklich führen, wenn es keinen Krieg gibt und er immer die Wahrheit weiß. Wenn es eine Presse gibt, die die Liebe unter den Nationen hochhält, dann bekommt er die bloße Wahrheit in den Spalten seiner Zeitung zu Gesicht und dann will er keinen Krieg… Was Deutschland heute am meisten braucht, sind die wahren Nachrichten auf Deutsch und von Deutschen geschrieben. Heute einen Schriftleiter zu finden, der kein Nationalsozialist war oder mit den Nationalsozialisten gespielt hat, ist sehr schwer. Vorgestern erfolgte die Geburt der „Süddeutschen Zeitung“, heute aber wird hier in Garmisch-Partenkirchen die zweite in Bayern erscheinende Zeitung geboren…“

Anton Lutz, Verleger:
„Sie haben mir hiermit die Lizenz zur Herausgabe einer Zeitung für unseren Heimatbezirk Garmisch-Partenkirchen und dessen Alpenvorland ausgehändigt. .. Vor mehreren Wochen konnten wir dem Rundfunk die Nachricht entnehmen, dass die altehrwürdigen Städte Aachen und Frankfurt als erste orte auf deutschem Boden gewürdigt worden sind, eine selbständige Zeitung verlegen zu dürfen. Und wenn nun heute unserer Fremden- und Olympiastätte seitens der Pressezentrale der amerikanischen Militärregierung die gleiche Ehre zuteil geworden ist, und dies neben München an zweiter Stelle in unserm Bayernland, so erblicken wir hier eine besondere Bevorzugung und Auszeichnung… und dass der „Hochland-Bote“ es als heilige Aufgabe betrachten wird, nach der Vernichtung eines Systems der Lüge und Brutalität, der Schmach und Schande in dem ihm gesetzten Verbreitungsgebiet als Sendbote für Wahrheit und Recht, Freiheit und Menschenwürde seinen Teil beizutragen an einer wirklichen Neuordnung in unserem Vaterland.

Als vordringlichste Pressetätigkeit dünkt uns: Mitarbeit an der seelischen und moralischen Genesung, Betreuung und Erziehung unserer Jugend, an der geistigen Umformung und sozialen Neuorientierung des deutschen Menschen - als wichtigste Voraussetzung eines Wiederaufstieges unseres fast tödlich getroffenen Volkes… Gerade die im Entstehen begriffene neue, freie, deutsche Presse ist berufen, unser in aller Welt verloren gegangenes Vertrauen, verursacht von einem Regime aus Untermenschen und Verbrechern, wieder zurückgewinnen zu helfen…“

Dr. Joseph Dunner, Leiter der amerikanischen Pressekontrollstelle in München:
„Garmisch ist heute von Sonne und Frieden umgeben. Es soll dies ein Symbol sein für einen neuen Aufstieg auch hier. Nach Tagen des Regens, nach Jahren der Zerstörung und Vernichtung kommen wir heute in ein vor Zerstörung nahezu ungerührtes Städtchen. In anderen Städten Deutschlands und Europas sieht es anders aus. Ja, Krieg ist ein Verbrechen. Wer krieg verursacht, stellt sich Mördern gleich und Mörder waren es, die diesen Krieg vom Zaune brachen. Vergessen Sie nie, wenn Sie heute hungern, wenn Sie Transportschwierigkeiten haben, wenn Sie überall Vernichtung sehen, vergessen Sie nie diejenigen, die das verursacht haben…“

Hochland-Bote 13.10.1945

 

   
  Anton Lutz (um 1930) Joseph Dunner (1971)  

 

Neuer Redaktionsstab des Hochland-Boten: Anton Lutz, Dr. Werner und Hans Ebert
Auflage des Hochland-Boten im Oktober 1945: 43800 Exemplare an zwei Tagen in der Woche
Seit September 1948 erscheint der Hochland-Bote an drei Wochentagen.

 

17.11.1945

Tagung der bayerischen Presse in Garmisch-Partenkirchen

"Vom 16. bis 18. November tagen zahlreiche Vertreter der Pressesektion der Nachrichtenkontrolle der 2. US-Armee mit  neuen Schriftleitern und Verlegern, auch mit solchen, die in Kürze Lizenzen erhalten werden."

Dr. Werner:
„… Die Geschichte der ersten und der letzten Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft im Werdenfelser Land zeigt, dass das tragende Element der Bevölkerung die neuen Ideen kritisch betrachtet hat. Das Ritardando in einer anfänglichen Zuneigung verstärkte sich von Tag zu Tag, zumal das weltanschauliche Gedankengut der südbayerischen Bevölkerung an die religiöse Tradition rührte. Des weiteren hat die bayerische Widerstandsbewegung gerade im sogenannten „Traditionsgau“ bewiesen, auf welch tönernen Füßen der Koloss des Dritten Reiches in Wahrheit stand. Der Riese Goliath mit dem Propagandaschild des tausendjährigen Reiches lag nach zwölf Jahren seines Wütens bereits geschlagen am Boden…“

Hochland-Bote 17.11.1945

 

23.08.1946

Lizenz Nr. 102

"In der jungen Geschichte des „Hochland-Boten" war der vergangene Dienstag ein bedeutsamer Tag. An diesem 20. August wurde dem Hauptschriftleiter Georg Lorenz sen. in einer schlichten Feier von der Nachrichtenkontrolle der amerikanischen Militärregierung die Herausgeberlizenz - Lizenz. Nr. 102 - über­reicht.

Der Chef der Nachrichtenkontrolle, Oberst McMahon, war zu diesem Zweck persönlich nach Garmisch-Partenkirchen gekommen, begleitet von seiner Gemahlin und den bekannten Offizieren der Presseabteilung, Felsenthal und Langendorf. Im Rathaus, im Amtszimmer des Bürgermeisters, waren neben dem Gouverneur, Herrn Major Nitz, Landrat Dr. Keßler, die beiden Bürgermeister Lödermann und Schütte, die Herren Lorenz und Lutz, Angestellte und Redakteure des „Hochland-Boten", außerdem Werner Friedmann von der „Süddeutschen Zeitung" und Curt Frenzel von der „Schwäbischen Landeszeitung", treue Freunde und Kollegen des neuen Lizenzträgers, versammelt,

Nach herzlichen Begrüßungsworten des Bürgermeisters Schütte legte Anton Lutz die Gründe dar, die ihn bewogen hatten, die bisher innegehabte Lizenz zurückzugeben. Ein im ursprünglichen Plan für den „Hochland-Boten" nicht vorgesehenes Anwachsen und Emporschnellen der Zeitung und eine sprunghafte Ausdehnung des Verbreitungsgebietes brachten eine derartige Mehrung der anfangs schon mit Schwierigkeiten und Engpässen gespickten Arbeits- und Verantwortungslast mit sich, dass die physische Labilität des Lizenzträgers Lutz, verursacht durch die Verfolgungen der Hitlerdiktatur, den Anforderungen nicht mehr standzuhalten vermochte.

„Aus diesem Grunde habe ich mir, einer inneren Stimme folgend und einem dringenden ärztlichen Rat gehorchend, bereits vor Monaten den Entschluss abgerungen, die Nachrichtenkontrolle zu bitten, mich von der ehrenvollen Berufung eines Zeitungs-Lizenzträgers gütigst wieder entbinden zu wollen." Lutz dankte den amerikanischen Offizieren für das Wohlwollen und Vertrauen und fuhr dann fort: „Bei mei­nem Scheiden aus dem Verlag ist es mir eine große innere Befriedigung, zu wissen, dass Herr Georg Lorenz nunmehr zum Lizenzträger berufen wird. Ich habe mit Herrn Lorenz in seiner Eigenschaft als Hauptschriftleiter seit vier Monaten in enger Kameradschaft zusammengearbeitet. Dass diese gemeinsame Tätigkeit auch nicht durch einen Schatten von Misston beeinträchtigt und getrübt worden ist, erfüllt mich heute mit besonderer Genugtuung."

Oberst McMahon erwiderte, dass er nur mit Bedauern und Widerstreben das Rücktrittsgesuch angenommen habe. Aufrichtige Aberkennung zollte er den hervorragenden Leistungen des Herrn Lutz. „Wir kennen die Schwierigkeiten", erklärte er, „die Sie beim Aufbau und bei der Führung des „Hochland Boten", der zweiten lizenzierten Zeitung Bayerns, vollbracht haben, umso mehr, als ich die besonderen   Verhältnisse kenne, vor die die deutschen Zeitungen im letzten Jahr gestellt waren. Der Aufbau einer auf den Grundsätzen von  Meinungsfreiheit und gedanklicher Unabhängigkeit sich stützenden Presse ist immer eine schwierige Aufgabe. Gerade im letzten Jahr wurden dabei ganz besondere Anforderungen an Geist und Energie gestellt. Sie haben alle diese Schwierigkeiten gemeistert und dürfen auf eine Arbeit zurückblicken, auf die Sie und die Nachrichtenkontrolle stolz sein können."

Dann richtete der Oberst ernste Worte an den neuen Lizenzträger und hielt ihm die außerordentlich schwere und verantwortungsvolle Aufgabe vor Augen, vor die er schon in allernächster  Zukunft gestellt sein werde. Mit aufmunternden Worten überreichte er Herrn Lorenz die Urkunde über die Lizenz-Nr., 102. Lorenz versprach mit  Händedruck seine ganze Kraft einzusetzen im Dienste der Aufklärung und des Verstehens auf dem Weg zur Demokratie… Lojun"

Hochland-Bote 23.08.1946

  

23.08.1946

Dem scheidenden Verleger

Georg Lorenz:
"Verfolgungen, Konzentrationslager, Schika­nen und körperliche Misshandlungen hat Anton Lutz von den braunen Machthabern erdulden müssen. Einer von den ungezählten Tausenden ist er, denen das Dritte Reich nie verzieh, dass sie eine aufrechte Gesinnung an den Tag ge­legt hatten. Mit halber körperlicher Kraft, aber getrieben von dem Motor des fanatischen Glau­bens hat Lutz keinen Augenblick gezögert, dem Ruf in die Leitung des „Hochland-Boten" zu folgen, als die Befreier vom faschistischen Joch ihn riefen. Unerhört waren die Schwierigkei­ten, denen der Verleger Lutz in seiner Aufbau­arbeit tagtäglich von neuem sich. gegenübergestellt sah. Sein Glaube und sein Eifer haben ihn die Klippen überwinden lassen, doch der misshandelte Körper hielt nicht stand. Schließ­lich durfte er es nicht mehr wagen, die ernsten Mahnungen seines Arztes länger in den Wind zu schlagen. Er musste weichen, ehe Schlimmeres geschah. Ungern sehen wir ihn scheiden, der für jeden seiner Arbeitskollegen immer ein. freundlich verstehendes Wort, einen wertvollen Rat, eine offene Hand hatte. Sein Scheiden ist menschlich bedingt, seine Erfahrung und sein Wissen werden nachwirken und uns auf dem Weg nach vorwärts treu geleiten."

Hochland-Bote 23.08.1946

 

01.04.1950

Vom „Hochland-Boten“ zum „Hochland-Merkur“

Bürgermeister und MdL Schütte
„… der „Hochland-Bote“ die Zeitung, die mit erhöhtem Interesse den Belangen unserer Gegend voll Rechnung tragen kann. Da eine solche Möglichkeit bisher gefehlt hat, wird sich die hiesige Bevölkerung sicherlich dieser Zeitung mit besonderem Interesse zuwenden.“

Bürgermeister und Gauvorstand der Oberländer Trachtenvereinigung Alois Maderspacher
„Mit Befriedigung hat die hiesige Bevölkerung davon Kenntnis genommen, dass die Buchdruckerei Adam wieder in die Hände ihres rechtmäßigen Besitzers übergegangen ist… dass dadurch ein im Zusammenhang mit dem allgemeinen Zusammenbruch geschaffenes Unrecht wieder gutgemacht wird… Die Leserschaft des „Hochland-Merkur“, besonders jener Teil, der sich die Pflege bodenständigen Brauchtums und ehrbarer Heimattracht zur Aufgabe gestellt, hat mir Freude und Genugtuung vernommen, dass künftighin gerade der Gestaltung des lokalen Teils unseres Heimatblattes die ihm gebührende Aufmerksamkeit geschenkt … werden soll.“

Hochland-Bote 01.04.1950

  

Verleger des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts / Hochland-Bote / Hochland-Merkur

bis 1945            Alois Adam (1914-2009)

1945-1946         Anton Lutz (1890-?)

1946-1948         Georg Lorenz (1897-1958)

1948-1952         Lothar Mayring (1915-1980)

1952-                Alois Adam (1914-2009)

 

 

© Alois Schwarzmüller 2015

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