Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger  -  August bis Oktober 1938

 

 

 

 

 

20.08.1938 / Die Ortspolizeibehörde Garmisch-Partenkirchen an die Kreisleitung der NSDAP Garmisch-Partenkirchen

"Betreff: Anlegung der Verzeichnisse der jüdischen Gewerbebetriebe in Garmisch-Partenkirchen
Ich habe die Eintragung nachstehender Gewerbebetriebe in das Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe verfügt:
Liebenstein Jakob, Einzelkaufmann, wohnhaft Garmisch-Partenkirchen, Schlossweg 7, Schuhwarengeschäft, Verkauf von Schuhen und Strümpfen, Verkaufsstelle Ludwigstr. 21, Eintragsgrund: Inhaber Jude
Ich ersuche um gefl. umgehende Mitteilung, ob noch bei anderen hiesigen Firmen (offenen Handels- und Kommanditgesellschaften) Zweifel hinsichtlich der arischen  Abstammung der Inhaber oder persönlich haftenden Gesellschafter bestehen, die den Gewerbebetrieb als jüdisch gelten lassen. Für solche bezeichnete Firmen würden die notwendigen Erhebungen von hier aus gepflogen werden. Heil Hitler!
gez.
Scheck"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

24. 08.1938 / NSDAP Kreisleitung Garmisch-Partenkirchen, Stabsleiter, an den Bürgermeister Jakob Scheck, Garmisch-Partenkirchen

"Betreff: Anlegung der Verzeichnisse der jüdischen Gewerbebetriebe in Garmisch-Partenkirchen
Zu Ihrem Schreiben vom 22.08.1938 teile ich Ihnen mit, dass ausser der Firma Liebenstein die Firma Hirsch, Radio, Garmisch-Partenkirchen, ein jüdisches Unternehmen ist.
Ausserdem wäre zu prüfen, ob das Kunstgewerbe-Geschäft Kohn, Garmisch-Partenkirchen, Bahnhofstrasse, als jüdisches Geschäft zu bezeichnen ist, nachdem der Sohn der Inhaberin Hans Paul Krohn Volljude ist.
Heil Hitler! gez. Märkl, Stabsleiter"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

22.08.1938 / Ortspolizeibehörde Garmisch-Partenkirchen an Herrn Jakob Liebenstein

"Betreff: Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe, hier: Eintragung Ihres Schuhwarengeschäfts in dieses Verzeichnis
... habe ich die Eintragung Ihres Gewerbebetriebes in das Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe verfügt. gez. Scheck"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

26.08.1938 / Ortspolizeibehörde Garmisch-Partenkirchen an Frau Else Krohn, Geschäfts-inhaberin

"Betreff: Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe, hier: Eintragung Ihres Betriebes in dieses Verzeichnis
... habe ich die Eintragung Ihres Gewerbebetriebes in das Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe verfügt. gez. Scheck"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

31.08.1938 / Ortspolizeibehörde Garmisch-Partenkirchen an Herrn Alfred Hirsch, Kaufmann

"Betreff: Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe, hier: Eintragung Ihres Gewerbebetriebes – Radiovertretung -  in dieses Verzeichnis
... habe ich die Eintragung Ihres Gewerbebetriebes in das Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe verfügt. gez. Scheck"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

30.08.1938 / Der Reichsminister des Innern an die Bayerische Staatskanzlei - Betreff: Jüdische Kurgäste in Bädern und Kurorten

"Die Behandlung auswärtiger jüdischer Kurgäste in Bädern und Kurorten richtet sich nach meinem Runderlasse vom 24. Juli 1937 ... ergänzt durch Runderlass vom 15. Juni 1938 ... Die in diesen Erlassen getroffene Regelung geht davon aus, den Juden die Möglichkeit des Besuchs der bestehenden jüdischen Heilanstalten und dergl. zu erhalten, damit die jüdischen Heilbedürftigen nicht auf den Besuch ausländischer Bäder und Kurorte angewiesen sind und nicht die Notwendigkeit entsteht, ihnen den Erwerb der erforderlichen Devisen zu genehmigen... Da nach mir vorliegenden Berichten der Aufenthalt in solchen Bädern und Kurorten, die in der Nähe der Reichsgrenze liegen, von Juden dazu benutzt wird, unerwünschte Beziehungen zu Emigranten und zu ausländischen Juden anzuknüpfen und zu unterhalten, bin ich damit einverstanden, wenn ... die auswärtigen Juden als Kurgäste ohne Rücksicht auf das Vorhandensein jüdischer Anstalten ausgeschlossen werden. Ich ersuche, das Erforderliche zu  veranlassen. Von einer Veröffentlichung dieses Erlasses ist abzusehen. Im Auftrag gez. Hering"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

16.09.1938 /  Bezirksamt Garmisch-Partenkirchen an den Bürgermeister Garmisch-Partenkirchen

"Geheim!
Betreff: Durchführung des Gesetzes zur Änderung der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich v. 7.6.38

  1. Stadthausierscheine (§ 42 b Gewerbeordnung) dürfen Juden nicht mehr erteilt werden. Bereits erteilte Stadthausierscheine verlieren am 30.9.1938 ihre Gültigkeit und sind der Ausstellungsbehörde unverzüglich zurückzugeben. Soweit es sich um stadthausierscheinfreie Waren handelt... ist Juden der Gewerbebetrieb zu untersagen.

  2. Um eine wirkungsvolle Durchführung des Verbotes der Betätigung der Juden im Stadthausiergewerbe zu erreichen, ist bei Gemeinden mit über 5000 Einwohnern grundsätzlich die Erlaubnispflicht ... durchzuführen. Diese Massnahme darf aber nicht dazu führen, dass die nicht jüdischen Hausierer in der Ausübung ihres Gewerbes gegenüber dem früheren Zustand beschränkt werden.

Legitimationsscheine (§ 43 Abs. 1 Ge.Ord.) dürfen Juden nicht mehr erteilt werden... gez.
Dr. Wiesend"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

26.09.1938 / Bürgermeister Garmisch-Partenkirchen an die Kreisleitung der NSDAP

"Betreff: Anlegung der Verzeichnisse der jüdischen Gewerbebetriebe
Gemäss Abs. II Ziff.3 des RdErl. D. RMdI. V. 14.7.1938 – I e 289/38-5012 c übersende ich das Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe und bitte um Vorlage an den Herrn Gauleiter.
Heil Hitler! gez. Scheck"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

13.10.1938 / Bürgermeister Garmisch-Partenkirchen an die Industrie- und Handelskammer Viersen i.Rhl.

"Betreff: 3. VO. Zum Reichsbürgergesetz
Ich ersuche um gefl. Mitteilung, ob die Firma Kaiser´s Kaffeegeschäft G.m.b.H., die dort ihren Sitz hat und hier eine Filiale unterhält, als jüdisch gemäss Art. I § 1 Ziff. 3 der Dritten V0. zum Reichsbürgerges. Vom 24.6.1938 RGBl. 1938 S. 627 gilt. gez. Scheck"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

17.10.1938 / Industrie- und Handelskammer Gladbach-Rheydt-Neuß an den Bürgermeister des Marktes Garmisch-Partenkirchen

"Betr.: ... auf Ihre Anfrage vom 13.d.M.
Unsere Ermittlungen haben keine Anhaltspunkte dafür ergeben, daß die Firma Kaiser´s Kaffeegeschäft GmbH Viersen als jüdisches Unternehmen im Sinne der Dritten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14.6.1938 anzusehen wäre. gez. Hauptgeschäftsführer i.A. Lang"

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

01.10.1938 / "Weltjudentum"

"Die geheime jüdische Weltregierung
"... in New York sitzt der jüdische Generalstab, der die Befehle an das Weltjudentum erteilt... Die Vereinigten Staaten sollen allmäh­lich in eine Sowjet-Republik umgewandelt werden... Die Verwirrung, Vernichtung und Ausrottung der christlichen Kultur... Zwei der wertvollsten Gehilfen ... sind römisch-katholischer Konfession..."
Kommentar: "Wir sind durch die Veröffentlichung dieses Kapitels in die tiefsten und dunkelsten Geheimnisse des Weltjudentums einge­drungen..."

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 01.10.1938

 

25.10.1938 / "Schicksalstage des Novembers 1923"

Ankündigung für den 9. November 1938
"Zum fünfzehnten Male jähren sich in wenigen Wochen die Schick­salstage des Novembers 1923... Letzten Appell, zu dem der Gaulei­ter ... vor der Ewigen Wache die Blutzeugen des Dritten Reiches aufruft ... das einige, mächtige, größere Reich schauen..."

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 25.10.1938

 

© Alois Schwarzmüller 2006

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