Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger  -  Februar 1938

 

 

 

 

01.02.1938 / Der Bürgermeister der Gemeinde Wamberg an die Kreisleitung der NSDAP Gar-misch-Partenkirchen – Amt für Kommunalpolitik

„Betreff: Judenabwehrschilder

Im Gemeindebezirk Wamberg werden 3 Judenabwehrschilder benötigt.“

Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen

 

03.02.1938 / Julius Streicher

Julius Streicher spricht in Hammersbach zu HJ- und BdM-Führern: "Eine Erkenntnis, die auch für Garmisch-Partenkirchen von Bedeu­tung ist: ... In der Judenfrage gibt es kein Nachgeben."

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 03.02.1938

 

14.02.1938 / "Fremdensaison ohne Juden?"

"Fremdensaison ohne Juden?" - Veranstaltungsankündigung

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 14.02.1938

 

15.02.1938 / Massenversammlung

Massenversammlung am 18.02.1938 im Festsaal mit Kreisleiter Haus­böck

Kreisgruppe Einzelhandel: "Die Teilnahme ist für alle Mitglieder Pflicht" gez. Kiendl

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 15.02.1938

 

16.02.1938 / Propagandamarsch

Für die Veranstaltung "Fremdensaison ohne Juden" ruft der "SA-Standort Garmisch-Partenkirchen" zu einem "Propagandamarsch" auf. "Dieser Propagandamarsch ist die erste Kampfansage gegen die Juden und Judenfreunde im Kreis Garmisch-Partenkirchen. Die Versammlung selbst muß zu einem machtvollen Bekenntnis zur Ras­senfrage wer­den."

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 10.01.1938

 

18.02.1938 / "... entscheidende Schicksalsfragen"

"Wie in der Kampfzeit... Marschtritt in den Straßen, Musik, Lieder der Bewegung: SA Marschiert... Alle Anzeichen sprechen dafür, daß der heutige Abend zur größten politischen Kundgebung wird, die Garmisch-Partenkirchen je erlebt hat... Garmisch-Partenkirchen marschiert geschlossen zu dieser Großveranstaltung, in der der Ho­heitsträger der Bewegung entscheidende Schicksalsfragen behan­deln wird."

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 10.01.1938

 

19.02.1938 / "... spontane Volkskundgebung"

Überschrift: „Wir wollen keine Juden in Garmisch-Partenkirchen! Un­ser Bekenntnis zum Deutschtum"

"Der 18. Februar 1938 wird in der Geschichte unseres Ortes und des ganzen Werdenfelser Landes eine ganz besondere Bedeutung haben: einmütig und geschlossen wie nie zuvor bekannte sich das Volk zum Kampf gegen das Judentum... eine so spontane Volkskundgebung, ... die den über und über voll besetzten Festsaal noch vor Beginn der Veranstaltung wegen Überfüllung .. gesperrt sehen mußte..."

Versammlungsredner:
o Kurdirektor Reitinger, Ga.-Pa.
o Gauamtsleiter Wüster, München
o Kreisleiter Haus
böck, Garmisch-Partenkirchen
o Dr. Hafner, Institut zum Studium der Judenfrage, Berlin

 

Pg Walter Wüster:

"... vorwiegend vorderasiatischen Rassenmischmasch..., der sich bis heute als jüdische Rasse erhal­ten habe... überaus sachlichen Ausführungen des Redners... Es sollte heute auch allen Menschen klar sein, daß ein Jude durch die Taufe niemals seine Rasse ver­liert, er bleibt immer Jude, ob er ka­tholisch oder evangelisch ge­tauft ist... betonte weiter, daß die Nürnberger Gesetze nur den Anfang einer Lösung der Judenfrage bedeuten, denn der Nationalso­zialismus sei sich darüber klar, daß es in dieser Frage neu ein "Entweder - Oder" gebe."

 

Kreisleiter Hausböck:

".. beschäftigte sich in sachlicher und vornehmer Weise mit der Judenfrage und ihrer Auswirkung auf Garmisch-Partenkirchen... daß der Jude die Schuld am Kriege, an der Revolte, an der Rätezeit, am Bürgerkrieg, an der Inflation und an der gesamten wirtschaftlichen Vernichtung unzähliger Existenzen trägt, gingen den Volksgenossen die Augen auf... gesamtes Kulturleben untergruben, daß sie die Gottlosenbewegung organisierten...  Wenn er seit Wochen eine Auf­klärungswelle durch unser Gebiet gehen ließ, so wollte er damit erreichen, daß sich die Bevölkerung und die Geschäftswelt freiwil­lig zur eindeutigen Abkehr vom Juden bekenne... den schädigenden Einfluß des Juden aus ... dem Frem­denverkehr auszuschalten, und Garmisch-Partenkirchen zu einem sauberen Kurort zu machen... unter dem Beifall der Versammlung die Feststellung machen, daß sein Kampf gegen das Judentum die Billigung der höchsten Stellen fin­det... stichhaltig war seine Feststellung, daß des gerade in den Hotels schwer sei, zu kontrollieren, ob der Jude Rassenschande be­treibe... daß die von ihm vorgese­hene Arbeit mit den ortsansässi­gen jüdischen Familien nichts zu tun habe. Die in Garmisch-Parten­kirchen wohnenden jüdischen Familien könnten nach wie vor weiter in ihren alten Geschäften ein­kaufen, das hindere jedoch die Ge­schäftsinhaber keineswegs, die Judenabwehrschilder anzubringen, denn auch die hier ansässigen Juden sollten wissen, daß sie bei uns unerwünscht sind. Diese Schil­der, die von der Kreisleitung ausgegeben ... werden, müßten so angebracht werden, daß sie sofort ins Auge fallen.

 

"Erklärung und Anordnung" der Bürgermeister des Kreises Ga.-Pa.:

  1. In allen gemeindlichen Regiebetrieben sowie an den Ortsein- und Ausgängen werden die ... Ju­denabwehrschilder angebracht.

  2. Die Gemeindeverwaltungen werden ... bei Auftragserteilung alle Geschäftsinhaber des Kreises Garmisch-Partenkirchen unberücksich­tigt lassen, die sich der Kreisleitung in ihrem Kampf gegen die Juden entgegenstellen.

  3. Die Kurverwaltungen ... haben von den Bürgermeistern des Krei­ses Garmisch-Partenkirchen die Weisung erhalten, an Häuser, die nach wie vor Juden aufnehmen, Vermittlungen oder Zuweisungen von Fremden zu unterlassen...

Die Bürgermeister des Kreises Garmisch-Partenkirchen ersuchen die Kreisleitung, uns darüber Mit­teilung zu geben, welche Häuser bzw. Geschäfte in unseren Gemeinden die Bindungen mit den Ju­den nicht aufgegeben haben."

Es folgen die Unterschriften der Bürgermeister von Garmisch-Par­tenkirchen, Eschenlohe, Ettal, Farchant, Grainau, Kohlgrub, Krün, Mittenwald, Oberau, Oberammergau, Ohlstadt, Saulgrub, Schwaigen, Un­terammergau, Wallgau und Wamberg.

"Ein Beifall ohnegleichen erfüllte den Saal... In seiner sachli­chen Art ging dann Pg Hausböck auf die Rolle des Juden in der Wirtschaft ein, aus der er leider noch nicht völlig ausgeschlossen werden könne. Aber die Kreisleitung sei gerne bereit, die Ge­schäftsleute, die noch Bindungen mit Juden habe, entsprechend zu beraten... "Garmisch-Partenkirchen, das ganze Werdenfelser Land will nichts mehr mit den jüdisch-bolschewistischen Drahtziehern zu tun haben! Deutschland ewig den Deut­schen!"

"... Garmisch-Partenkirchen hat eine historische Stunde erlebt ... die Menschen (sind) befreit und glücklich..."

Alle: Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 19.02.1938

 

23.02.1938 / "Judenabwehrschilder"

Mitteilung der NSDAP-Ortsgruppe "Wank": "Die Geschäftsinhaber unserer Ortsgruppe machen wir darauf aufmerksam, daß noch eine An­zahl Judenabwehrschilder in unserer Geschäftsstelle zu haben sind und können diese ab heute nachmittags 15 Uhr dortselbst in Empfang genommen werden.    gez. B., Ortsgruppenleiter"

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 23.02.1938

 

26. Februar 1938 / Gendarmeriestation Eschenlohe an Gendarmeriebezirk Garmisch

Juden "sind hier nicht mehr aufhältlich und war ein Geschäfts- oder persönlicher Verkehr mit solchen nicht vorgekommen."

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 61616

 

28. Februar 1938 / Gendarmeriestation Ettal an Gendarmeriebezirk Garmisch

"Obwohl sich die Juden hier gerne gehalten haben, auch noch in den letzten Jahren, so muß nun mit Befriedigung ihr plötzliches Aus­bleiben festgestellt werden."

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 61616

 

28.02.1938 /

"Neue Lohnsteuervergünstigungen" für "ein nicht jüdisches Kind aus früherer Ehe... Für Kinder, die Juden nach der 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 sind, wird in Zu­kunft keine Kinderermäßigung gewährt."

Garmisch-Partenkirchner Tagblatt, 28.02.1938


© Alois Schwarzmüller 2006

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