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Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger - 1933-1945 |
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Dr. Emil, Agnes und Gertrud Ulmann Dr. Emil Ulmann (*23.3.1870 in Fürth, Oberlandesgerichtsrat a.D., 1908 am Landgericht München II, 1920 bis 1933 am Oberlandesgericht München) zog am 16.9.1933 mit seiner Frau Agnes (*23.12.1875 in Wien, geb. Speyer, Malerin, Graphikerin und Bildhauerin) von München (Leopoldstraße 104) nach Partenkirchen, zunächst in die Pension Witting, dann in die Schornstr. 12. Vermerk des Ordnungsamtes: „Schornstraße 12, arische Hausbesitzerin Therese Zerhoch, Obermühlweg 1, Jahresmiete 2040.-"
Die Meldekarte der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen enthält den stereotypen Hinweis: "Seit der Judenaktion unbekannt wohin verzogen". Dr. Ulmann wohnte nach dem Pogrom in München, Kaulbachstr. 3, Pension Niedersachsen. Die Wohnung in Garmisch-Partenkirchen in der Schornstr. 12 wurde am 12.11.1938 durch Polizeiobermeister Volnhals und Hauptwachtmeister Schulz versiegelt. Am 21.12.1938 bat Dr. Ulmann um die Reisepässe für seine Frau und sich; beide erhielten die Pässe am 30.01.1939. Das Bezirksamt Garmisch teilte am 14.02.1939 der Gestapo München, Briennerstr. 50, mit, dass das Ehepaar Ulmann am 3.2.1939 mit dem Ziel Nordamerika Deutschland verlassen habe. Der gegenwärtige Aufenthalt sei in Holland bei Dr. Michaelis, d'Hoenstraat 9, Den Haag.
Gertrud Doris Ulmann (*17.8.1915 in München, Diplomgymnastiklehrerin), Tochter von Dr. Emil und Agnes Ulmann, zugezogen nach Garmisch-Partenkirchen am 17.12.1936 aus Laxenburg bei Wien, konnte schon am 20.3.1937 nach New York, Central Park West 146, auswandern.
Der "Aufbau", die große deutsche Exilzeitung in New
York, widmete Dr. Emil Ulmann im Dezember 1947 einen Nachruf aus
der Feder von Max Hirschberg: "Im Alter von 67 Jahren ist am 8. Dezember 1947 in New York der frühere Rat am Oberlandesgericht München, Dr. Emil Ulmann gestorben. Er war in Nürnberg geboren, studierte an bayerischen Universitäten und bekleidete dann dreissig Jahre lang Richterstellungen zu bayerischen Gerichten, zuletzt am Oberlandesgericht München. Durch seine vorbildliche Gewissenhaftigkeit, Rechtskunde und Unparteilichkeit genoss er überall grosses Ansehen. Er wurde als Jude von der Hitlerregierung 1933 gezwungen, in Pension zu gehen. Bei dem Pogrom von 1938 wurde er mit seiner kranken Frau unter Drohungen gezwungen, Deutschland sofort zu verlassen, obwohl er darauf hinwies, dass er weder Pass noch Visum habe. An der holländischen Grenze wurde er verhaftet, weil er ohne Pass versucht habe, die Grenze zu überschreiten und in das Polizeigefängnis München eingeliefert. Dort erpresste man von ihm die Abgabe der amerikanischen Erbschaft, die er von einem Bruder in den Vereinigten Staaten gemacht hatte und liess ihn schliesslich, nach Zahlung der Fluchtsteuer und Judenabgabe, auswandern. Seine Frau starb 1942 in Kew Gardens. Seitdem lebte Dr. Emil Ulmann in der Familie seiner einzigen Tochter, der Künstlerin Mrs. Herbert Maier, in New York. Dr. Emil Ulmann war ein fein gebildeter Mann mit weiten literarischen Interessen. Er war ein Schwager Jakob Wassermanns und ein Onkel von Professor Richard Willstätter, der 1915 den Nobelpreis für Chemie errang. Seine Freunde werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren."
"Agnes, at the time of her first meeting with Hugo von Hofmannsthal, was a student at the Vienna Kunstgewerbeschule; in 1901 she enrolled at the Julienne, a Paris art institute, studied briefly with Maillol, and was a frequent visitor to Rodin's studio (where she also made the acquaintance of Rilke). By the time she returned to Vienna in 1903 "she had established herself as a promising impressionistic painter and sculptor; her showings in various European capitals were highly successful. When in 1910 she married Emil Ulmann, a judge at the Munich Oberlandesgericht, her house quickly became an intellectual center frequented by Schnitzler, Beer-Hofmann, Wassermann, Wolfskehl, Thomas and Heinrich Mann, of course by von Hofmannsthal, and during his rare visits to Munich, by Rilke. Agnes Ulmann also maintained an active correspondence with the various members of her circle. At her death, letters by all of the aforementioned authors were found in her files by her daughter, Mrs. Doris Ulmann-Maier; among them ten letters and notes by Hugo von Hofmannsthal." Aus: Guy Stern,
Hugo von Hofmannsthal und die Speyers (1958) „17. Oktober 1904 - Thomas Mann „teilt Agnes Speyer, der Schwägerin Jakob Wassermanns, seine Verlobung mit Katia Pringsheim mit. TM hatte seit dem 6.3.1903 mit Agnes Speyer häufig Briefe gewechselt, die gelegentlich ans Zärtliche grenzten. Dieser Briefwechsel nahm nach der Mitteilung seiner Verlobung ein jähes Ende. Nachdem Agnes Speyer den Münchner Oberlandesgerichtsrat Ulmann geheiratet hatte, kam es 1912 und danach wieder zum Briefwechsel und zu persönlichen Begegnungen.“
Aus:
Gert Heine und Paul
Schommer, Thomas Mann Chronik
(Frankfurt a.M., 2005) S. 35 f "Nachdem Thomas Manns Gedanken im November 1914 in der Neuen Rundschau erschienen waren, erfolgte der endgültige Bruch der Brüder. Ihre vorerst letzte Begegnung beschrieb Agnes Speyer-Ulmann: „Erregteste politische Diskussion. Kriegsauseinandersetzung. Heinrich pro-französisch, mein Mann und Thomas pro-deutsch. Heftigste Bekämpfung der Meinungen - schließlich; Bruch mit seinem Bruder. Von diesem Tage an nie mehr gesprochen, nicht einmal auf der Straße gegrüßt"." Aus: Ingrid Gilcher-Holtey, Zwischen den Fronten. Positionskämpfe europäischer Intellektueller im 20. Jahrhunder (2006) S. 98
Quellen:
Staatsarchiv München - LRA
Garmisch-Partenkirchen 63049, 63212, 61668
Literatur: Brigitte Gmelin, Oberlandesgerichtsrat Dr. Emil Ulmann. In: Ilse Macek (Hrsg.), ausgegrenzt - entrechtet - deportiert. Schwabing und Schwabinger Schicksale 1933 bis 1945 (München 2008) S. 503-511
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© Alois Schwarzmüller 2009 |
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