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Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger - 1933-1945 |
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Hedwig und Fritz Staackmann Fritz Staackmann (*4.8.1879 in Leipzig) zog im November 1923 von Ohlstadt nach Garmisch-Partenkirchen. Er war seit 9.1.1904 (München) mit Hedwig Staackmann (*28.1.1883 in Stuttgart, geb.Ottenheimer, jüdische Abstammung) verheiratet. Das Ehepaar wohnte in der Bahnhofstr. 66 ("Arischer Hausbesitzer Erna Gumprecht, Hamburg 21, sonst noch 12 arische Parteien, Jahresmiete 499,20"). Fritz und Hedwig Staackmann betrieben im Bunten Haus eine kleine Leihbücherei. Michael Ende beschrieb sie so: "Tante Hedys Leihbücherei war im Treppenaufgang untergebracht und nicht besonders reichhaltig." Dennoch wurde sie schon sehr früh Objekt nationalsozialistischer Verfolgung. Am 30.10.1934 mussten die Staackmanns, auf Anweisung des Garmischer Bürgermeisters Thomma, „binnen 3 Tagen" ein Verzeichnis der in ihrer Leihbibliothek vorhandenen Bücher „anher" einreichen „unter Angabe des genauen Titels und der Verfasser der einzelnen Bücher." Auf der Meldekarte des Einwohnermeldeamtes wurde nach dem antijüdischen Pogrom vermerkt: "Seit der Judenaktion am 10.11.1938 unbekannt verzogen." Im Garmisch-Partenkirchner Tagblatt vom 19.11.1938 teilte Fritz Staackmann in einer Anzeige seinen Kunden mit, „daß ich meine "Leihbücherei im Bunten Haus" aufgebe. Ab Montag, den 21.November, nachmittags 3 Uhr, nehme ich alle ausgeliehenen Bücher zurück und zahle eingesetztes Pfand aus. Bitte Karte nicht vergessen." In der „Ballade vom Heldentod eines deutschen Offiziers" beschreibt Michael Ende das Schicksal von Hedwig und Fritz Staackmann. Am 3.4.1990 erläuterte er in einem Brief die näheren Umstände, unter denen er von diesem entsetzlichen Vorfall hörte. Er schrieb, die Sache habe sich ihm stark eingeprägt, „vor allem auch wegen des tiefen Entsetzens meiner Eltern. Meine Mutter weinte nicht leicht, aber da habe ich sie vollkommen in Tränen aufgelöst gesehen. Durch wen meine Eltern die Nachricht bekommen hatten, weiß ich nicht mehr; es könnte durch Fräulein Schiele gewesen sein, die damals und später noch im Bunten Haus einen kleinen Modesalon hatte... Der Käfig mit Hedy soll übrigens auf dem Platz vor dem Bahnhof gestanden haben. Seltsam, daß sich niemand daran erinnert..." Hedy Staackmann wurde am 21. Januar 1942 aus Leipzig in das Rigaer Ghetto deportiert, vielleicht auf dem Umweg über das Konzentrationslager Theresienstadt, und dort ermordet.
Quellen: Marktarchiv Garmisch-Partenkirchen Bundesarchiv: Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
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© Alois Schwarzmüller 2006 |
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