|
|
|
|
Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger - 1933-1945 |
|
|
|
Jakob, Leonie, Ruth und Lieselotte Liebenstein Jakob Liebenstein (*26.1.1883 in Hüttenheim, BA Kitzingen, Ag Marktbreit) zog am 18.7.1917 mit seiner Frau Leonie (* 22.4.1887 in Pirmasens, geb. Schwarz) von Ingolstadt nach Garmisch-Partenkirchen, Ludwigstr. 36, später „Schloßweg 7, arische Hausbesitzerin Theresia Müller, Badgasse 4, Jahresmiete 960.-." Seit dem 1.2.1919 führte er in Partenkirchen, Ludwigstraße, ein Schuhgeschäft.
Das Ehepaar Liebenstein hatte zwei Kinder: Lieselotte und Ruth, beide geboren am 16.5.1921 in Garmisch-Partenkirchen. Am 2.12.1936 teilte die Polizei dem Bezirksamt Garmisch mit, dass „gegen den Geschäftsinhaber Liebenstein in Partenkirchen" Strafanzeige wegen unlauteren Wettbewerbs erstattet wurde, „weil er vor seinem Laden ein Plakat anbrachte mit den Worten "Reparaturen: schnell, gut und billig, während er die Reparaturen nicht selbst ausführte und bei dem Arbeitslohn 15 % Aufschlag verlangte." Am 22.08.1938 wurde Jakob Liebenstein von Bürgermeister Scheck – „gegen Zustellungsnachweis" – mitgeteilt, dass die Ortspolizeibehörde Garmisch-Partenkirchen „die Eintragung Ihres Gewerbebetriebes in das Verzeichnis der jüdischen Gewerbebetriebe verfügt" hatte. Am 9.11.1938, dem Tag des Judenpogroms, wurde Liebensteins Schuhgeschäft mit einem Davidsstern beschmiert. Eine größere Menschenansammlung aus SA- und SS-Leuten, aus Gaffern und Bürgern jagte Jakob Liebenstein aus seinem Geschäft. Liebenstein protestiert dagegen, dass man ihn ohne Pfennig Geld wegschleppen wollte. Georg Schütte, bis 1933 2. Bürgermeister von Partenkirchen und Mitglied der SPD-Gemeinderatsfraktion bis 1933, kam zu dieser Szene hinzu und gab Liebenstein 20.- RM. Ein SA-Mann verhinderte die Geldübergabe mit der Gewalt seines Stockes, der Geldschein blieb am Boden liegen und Liebenstein wurde zur NS-Kreisleitung nach Garmisch abgeführt. Am 10.11.1938 verließ die Familie Liebenstein Garmisch-Partenkirchen und zog zunächst nach München, Tattenbachstr. 3/I (ab Juni 1939 Liebherrstr. 1/0 links). Die Wohnung in Garmisch-Partenkirchen, Schloßweg 7/1 wurde am 12.11.1938 durch Polizeiobermeister Volnhals und Hauptwachtmeister Schulz versiegelt. Das Schuhgeschäft wurde bald schon „arisiert" und von einem Garmischer Geschäftsinhaber übernommen. Am 25.01.1939 wandte sich Jakob Liebenstein an das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen mit der Bitte, „meine noch dort liegenden Pässe an Zahl 4 Stück baldigst an diese Amtsstelle (Polizeipräsidium München, d.V.) abgehen zu lassen." Das Landratsamt teilte dem Polizeipräsidium einen Tag später mit, dass „die Pässe anläßlich der Judenaktion in Garmisch-Partenkirchen am 10.11.1938 nicht wieder ausgehändigt wurden... Nach einer Mitteilung des Liebenstein vom 3.12.38 will letzterer mit seiner Familie für dauernd in die Schweiz auswandern." Ruth und Lieselotte Liebenstein konnten am 25.3.1939 nach England emigrieren. Jakob und Leonie Liebenstein wollten ihnen dorthin folgen. Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 63049, 63212, 61667
|
|
|
© Alois Schwarzmüller 2006 |
|
|