Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger  -  1933-1945

 

 

 

 

Max Lehmann

Max Lehmann, Kommerzienrat und Bankier in Augsburg, geboren am 22. März 1871 in München, war seit seit 31. Mai 1905 mit Carola Viola Lehmann (geb. Becker, geboren am 15. September 1892 in New York) verheiratet. Die Familie lebte von 1909 bis 1937 in Augsburg, Umzug nach München am 19. September 1937 in die Tengstraße. Lehmann wohnte bis zu seinem Tod auch in Grainau, Hausnummer 39 ½.

Maximilian Lehmann starb am 10. November 1938 um 11.45 in seiner Wohnung an Angina Pectoris. Seine Ehefrau, die auch noch die amerikanische Staatsangehörigkeit besaß, emigrierte in ihre Geburtsstadt, dort starb sie im Juli 1963. Tochter Stella (geb. 6. August 1904 in Berlin) war in Augsburg mit dem Architekten und späteren Stadtbaurat Julius Schweighart (geboren 1885) verheiratet.

Max Lehmann führte lt. Beschluss des Polizeipräsidiums München vom 29.10.1938 den Zwangsnamen ""Uriel"".

 

An seinem Grundbesitz in Grainau (Pl.Nr. 823-827 und 1003), den Lehmann seinem nichtjüdischen Schwiegersohn Julius Schweighart, Augsburg, übereignet hatte, äußerte die Gemeinde Grainau größtes Interesse.

Am 30.12.1938 wandte sich der Grainauer Bürgermeister Pentenrieder an die Vermögensverwertungs GmbH, München: „Gegenstand: Beschlagnahme von jüdischem Grundbesitz; hier Grundbesitz Lehmann und Berolzheimer - Ich brachte in Erfahrung, daß das hier gelegene Anwesen der Jüdin Lehmann von dort nicht als jüdisches Besitztum angesehen und deshalb nicht unter die Beschlagnahme genommen wurde. Da dieses Anwesen seit der Inflationszeit im Besitz des Juden Lehmann war, von dem es auf seine Tochter heuer überging, und diese anläßlich der Judenaktion ihren Ehemann Schweighart schenkungsweise übereignet hat, liegt hier eine offene Schiebung vor. Die Gemeinde Grainau als aufstrebender Kurort müßte unbedingt in den Besitz dieses Anwesens kommen, zumal es eine herrliche Lage hat... Es müßte dieser Besitz unbedingt in die öffentliche Hand kommen..."

Landrat Dr. Wiesend forderte am 7.7.1939 das Bayer. Staatsministerium für Wirtschaft auf, die Interessen der Gemeinde Grainau zu unterstützen: „Den gesamten Besitz Lehmann in Grainau will die aufstrebende Gemeinde im öffentlichen Interesse selbst erwerben zur Unterbringung der Parteiämter und für Kurzwecke... Ich bitte daher die derzeitigen Eigentümer dieses Besitzes aufzufordern, diesen an die Gemeinde Grainau zu veräußern."

 

Quellen:

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 61668, 61665, 61666

Stadtarchiv München - Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945

 

© Alois Schwarzmüller 2015

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