Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger  -  1933-1945

 

 

 

 

Jakob und Babette Kohn

 

Jakob und Babette Kohn wohnten in Garmisch-Partenkirchen, Zoeppritzstr. 4 und später Storistr. 9. Jakob Kohn war pensionierter Fabrikdirektor, er wurde am 30.09.1860 in Adelsdorf in Oberfranken geboren. Seine Frau Babette, geboren am 10. März 1866 in Nürnberg, war eine gebürtige Ottenstein. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: das Mädchen Marie, geb. am 15. Januar 1888 in Nürnberg und den Jungen Otto, geb. am 27. April 1901 in Nürnberg.

Nach dem 10. November 1938 verließen beide Garmisch-Partenkirchen. Am 7. Dezember 1938 sind sie in München zugezogen - zunächst in die Tengstraße 34/0, dann am 14. April 1939 in die Bruderstraße 8/0, am 15. Mai 1939 in die Maria-Theresia-Straße 19/0, am 19. September 1941 in die Schillerstraße 10 und seit 19. Februar 1942 lebten sie im Barackenlager Knorrstraße 148.

Babette Kohn (1866-1942)Babette Kohn (1866-1942)  Jakob Kohn (1869-1942)

 

Am 29.09.1948 teilte Karl Egon Freiherr von Schaetzler (1905-1992) dem Vorsitzenden der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN), Paul Koch, mit, wie er Zeuge der Ereignisse wurde, die am 10. November 1938 in Garmisch-Partenkirchen zur Vertreibung von Jakob und Babette Kohn geführt hatten:

„Gegenüber dem Haus meiner Mutter befindet sich in der Storystraße (sic) ein kleines Häuschen, welches damals einem alten jüdischen Ehepaar (der Name ist mir entfallen) gehörte. Da ich damals noch im Hause meiner Mutter wohnte, konnte ich selber mit Entsetzen ansehen, wie eine johlende Menschenmenge die alten Leute aus dem Hause zog. Zuerst schlug man mit langen Stangen die Fenster des ersten Stockes ein, dann kletterten einige mittels einer Leiter auf den Balkon des ersten Stockes."

Das Haus des Ehepaars Kohn wurde nach deren Vertreibung von Paul und Karla Scheufele in Pforzheim erworben. Am 14.08.1939 billigte die Regierung von Oberbayern den Grundstückskauf: „Der zu Urkunde des Notars Justizrat Franz Hilz in München vom 4. Februar 1939 No. 357 abgeschlossene Kaufvertrag wird gemäß § 8 der V.0. über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3.12.38 R.G.Bl. I S. 1709 genehmigt unter der Auflage, dass sämtliche Zahlungen aus dem Kaufvertrag ... auf ein für den Verkäufer zu errichtendes Sonderkonto zu leisten sind, über das nur mit Zustimmung des Oberfinanzpräsidenten München (Überwachungsabteilung) sowie des Finanzamtes München Nord verfügt werden darf. Es sind zu zahlen: Auf das Konto No. 208007 des Beauftragten des Gauleiters S.A. Brigadeführers Dziewas bei der Bayr. Vereinsbank in München 752.- R.M., (an das) Finanzamt München Nord Judenabgabe auf St.No. 26/8378 6400.- R.M." Bestätigt wurde dieser Vorgang von Landrat Dr. Wiesend am 29.08.1939 und von Bürgermeister Scheck am 20.09.1939. Die Eintragung im „Verzeichnis der in Garmisch-Partenkirchen vorhandenen Anwesen jüdischer Besitzer" lautet: „Kohn, Jakob, Fabrikdirektor, Wohnhaus Nr. 9 an der Storistrasse - Das Anwesen wurde von Karl Scheufele und dessen Ehefrau Paula, gab. Haecker, Pforzheim, Luisenstr. 54, käuflich erworben... Grundbuch 8.3.1939 Vormerkung zur Sicherung des Anspruchs auf Eigentumsübertragung"

Die Eintragung im Adressbuch 1939 lautete: Storistr. 9, Kohn Jakob, Hausbesitzer, "steht in Verkauf". Am 9.12.1948 stellte der Partenkirchner Rechtsanwalt Dr. Karl Roesen Antrag auf Rückerstattung.

Jakob Kohn wurde am 10. Juni 1942   von München in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort wurde er am 24. Juli 1942 (10. Av 5702) ermordet. Babette Kohn wurde am 19. September 1942 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.

 

Quellen:

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 63049, 63212, 61668, 61665, 61664

Bundesarchiv: Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
Stadtarchiv München - Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945

 

© Alois Schwarzmüller 2006

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