Schicksale -
Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger
Biographische Notizen

 

Altschüler, Ludwig und Margarete

Bartsch, Sara

Berolzheimer, Dr. Michael und Melitta

Bing, Emilie und Bernhard

Bleichröder, Harriet von

Blum, Hedwig

Bohm, Else

Bondy, Ludwig

Braun, Betty, Gustav

Buttermilch, Clara

Dornbusch, Ruth

Fechheimer, Emil und Frieda

Fränkel, Clemens

Gahlen-Kempe, Martha von

Grunewald, Julie

Guggenheimer, Josef

 

Guttsmann, Isidor

Hirsch, Alfed, Käthe, Willy, Otto

Hirschmann, Stefan und Martha

Katz, Leo und Magda

Kohn, Dorothea

Kohn, Jakob und Babette

Kohn, Otto

Kohnstamm, Karl und Emma

Kohtz, Klara, Lotte, Reinhold

Krohn, Hans

Kroner, Margarete

Ladenburg, Dr. Richard

Lang, Paul und Pauline

Lehmann, Max

Liebenstein, Jakob und Leonie

Lipffert, Clementine

Midas, Gustav

Ollendorff, Dr. Gerhard

Ottenstein, Max

Pringsheim, Hedwig

Riemer, Anna und Dr. Otto Paul 

Schnebel, Dr. Michael und Emma

Schneider, Berta

Seligmann, Dr. Milton und Maria

Staackmann, Hedwig und Fritz

Steinharter, Dr. Sigmund

Stern, Alfred und Frieda

Strauss, Alice

Ulmann, Dr. Emil und Agnes

Wallach, Frieda

 

„... Aber die Simplizität derer, die vor uns waren, die Simplizität unserer Tanten und Onkeln und Kusinen, die Plattheit ihrer Meinungen und Gewohnheiten, die Armseligkeit ihrer Lebensläufe - kann man noch darüber lächeln, nachdem man weiß, wie es geendet hat? Onkel Louis, der brave, harmlose Schwerenöter, Onkel Louis, mit abgeschnittenen Hosen und haarigen Beinen, vor seinen Peinigern auf allen Vieren kriechend, Gras fressend, getreten, geschlagen, bespuckt; oder Tante Olga, die gute einfältige Seele, Tante Olga in der Todeskammer von Lublin, nackt, mit aufgerissenen Augen - aber nein, es ist zu gräßlich. Natürlich hatten sie keinen Sinn für das Tragische. Warum sollten sie auch? Sie hatten ja niemandem etwas Böses getan. Sie beteten sogar schon auf Deutsch, heiligten den Sabbat am Sonntag, saßen in Hemdsärmeln unter der Kastanie, tranken Weißbier mit Schuß und dachten nur an das Nächstliegende, ja natürlich, das taten sie, du hast ganz recht. Zwei Tage vor ihrem Gastod in Lublin schrieb Tante Olga: „Es ist ja nun schon ganz gemütlich hier, beinahe wie zu Hause. Frau S. hat sich als gute Kameradin in der Not erwiesen. Wir haben einen kleinen Bridgeklub gegründet und tauschen Kochrezepte untereinander aus und sprechen von den Lieben, die in Amerika sind“... Man stelle sich vor: diese Schnittmusteridylle im Schatten der chemischen Vernichtung."

aus: Hans Sahl, Die Wenigen und die Vielen. Roman einer Zeit (Hamburg 1991, S. 62 f)