Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger  -  1933-1945

 

 

 

 

Josef Guggenheimer

Der Kaufmann Josef Guggenheimer, geboren am 11. April 1873 in Krumbach, zog am 22. Januar 1934 von Nürnberg nach Garmisch-Partenkirchen in den Riedweg 1. Er war verheiratet mit Selma Guggenheimer (*4. Mai 1881 in Nürnberg, geb. Gärtner). Josef Guggenheimer besuchte die Städtische Handelsschule München. Zur Weiterbildung hielt er sich 1890-1894 in Paris und Zürich auf. Bis Januar 1934 lebte er in Nürnberg. Dort kam am 30. März 1905 auch Tochter Lola zur Welt. Josef Guggenheimer gehörte vermutlich zu den Gründungsmitgliedern des „Radfahrervereins Franken" in Gunzenhausen.

Am 10. November 1938, dem Tag der antijüdischen Aktion in Garmisch-Partenkirchen, wurde das Ehepaar Guggenheimer gezwungen, den Ort zu verlassen. Zwei Tage später, am 12. November 1938, wurde ihre Wohnung am Riedweg 1 durch Polizeiobermeister Volnhals und Hauptwachtmeister Schulz versiegelt. Sie fanden zunächst in der Schwarzenbergerstr. 39 in München ein neues Zuhause.  Über die weiteren Stationen in München: ab 2. März 1939 in der Schneckenburgstraße 34, ab 25. August 1941 in der Georgenstraße 99/II, seit 5. September 1941 im Barackenlager Knorrstraße 148, von da aus ab 10. November 1941 im Internierungslager Clemens-August-Straße 9 - und seit 9. Juli 1942 wieder im Barackenlager Knorrstraße 148.

Hans Neuner, ein Partenkirchner, in den Tagen des Judenpogroms am Adolf-Wagnerplatz (Marienplatz) sechzehn Jahre alt, erinnerte sich: "Den alten Herrn Guggenheimer mit seinem weißen Spitzbart, der jeden Morgen bei uns vorbeigegangen ist, wenn ich auf dem Schulweg war, hab ich immer freundlich gegrüßt, wie er mich, hat man in das Haus der Nationalsozialisten gezerrt und hergezeigt wie ein wildes Tier. Angespien von oben bis unten. Die Zöglinge vom Herrn Lehrer Meier, von denen einer ein Auto gehabt hat, waren auf Anweisung besonders eifrig im Judeneinfangen und haben sich anderntags auf dem Sportplatz noch gebrüstet.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Links: In diesem Haus am Riedweg 1 in Partenkirchen wohnte das Ehepaar Josef und Selma Guggenheimer bis zum 10. November 1938. (Foto: Privat, 2010)

Unten links: Formular "Ghetto Theresienstadt - Der Ältestenrat - Todesfallanzeige" für Josef Guggenheimer

Unten rechts: Auszug aus den handschriftlichen Erinnerungen des Partenkirchner Innenarchitekten Hans Neuner über seine Begegnungen mit Josef Guggenheimer und über dessen Misshandlung am Tag des antijüdischen Pogroms in Garmisch-Partenkirchen

 

 

Er musste bis 1942 Zwangsarbeit in der Flachsröste Lohhof leisten.

Am 11. Juli 1942 wurde Josef Gugggenheimer - vermutlich zusammen mit seiner Frau Selma - mit dem Transport II/14/692 von München in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Von den insgesamt 50 Personen dieser Deportation überlebten vier die Shoah. Laut Todesfallanzeige des Ältestenrates starb Josef G. am 11. Februar 1943 (6. Adar 5703) um 7.30 in Zimmer 12 des Gebäudes Q 704 an ""Fußbrand - Gangraena Pedis"".

Über das Schicksal seiner Frau Selma ist noch nichts bekannt.

 

 

Quellen:

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 63212

Hans Neuner (1922-2004), Erinnerungen (Unveröffentlichtes Manuskript - mit Erlaubnis seines Sohnes Florian Neuner als Bild veröffentlicht)

Bundesarchiv Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945)

Staatsarchiv München - Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945

Nationalarchiv Prag - >Zidovské matriky > Ohledacy listy - ghetto Terezin > Band 77 www.109.123.214.108/de/document/DOCUMENT.ITI.16271

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2013

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