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Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger - 1933-1945 |
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Emil und Frieda Fechheimer Der Kaufmann Emil Fechheimer wurde am 15.10.1866 in Nürnberg geboren. Nach Garmisch kam er am 1.7.1934. Er erwarb das Anwesen Höllentalstr. 56 (Pl.-Nr. 1822a,b und Pl.Nr. 1824). Er war verheiratet mit Frieda Fechheimer (*15.3.1876 in Gunzenhausen, geb. Hesselberger).
Seinen Lebenslauf beschrieb er in der eidesstattlichen Erklärung vom 3.10.1948 im Spruchkammerverfahren gegen den ehemaligen NS-Kreisleiter Hans Hausböck:
"1886/87 diente ich als Einj.Freiw. im 1.Chev.Reg. in
Nürnberg, wurde Reserveoffizier und meldete mich 1914 freiwillig zum
Heeresdienst. Weiter bekleidete ich das Ehrenamt eines Kgl.
Handelsrichters in Nürnberg. Im Jahre 1917 wurde ich dem Bayerischen
Kriegsministerium als wirtschaftlicher Mitarbeiter zugeteilt und später
für meine Verdienste um die Fettindustrie mit dem Titel "Geheimer Hofrat"
ausgezeichnet. Am 18.05.1935 gab der 2. Bürgermeister von Garmisch, Josef Thomma, in einem Schreiben an die NS-Kreisleitung Garmisch-Partenkirchen zu Protokoll: "Heut' Vormittags gegen 11 Uhr sprach der Jude Emil Fechheimer, welcher das Anwesen Höllentalstr. 56 schon seit vielen Jahren besitzt, bei dem unterfertigten Bürgermeister vor und beklagte sich, daß auf seinem Grundstück an der Höllentalstraße an einer Telegrafenstange, welche mit seiner Genehmigung gesetzt ist, eine Tafel angebracht wurde, "Juden sind hier nicht erwünscht". Wer die bezügliche Tafel angebracht hat, ist mir nicht bekannt. Fechheimer erwähnte noch, daß er und seine Vorfahren es in Nürnberg zu höchsten Ehren gebracht habe und fragte, wo er denn hinsolle. Von diesem Sachverhalt gestatte ich mir, Mitteilung zu machen. Heil Hitler! Thomma, 2. Bgm." Josef Thomma wohnte nur wenige Häuser entfernt von Emil Fechheimer in der Höllentalstraße 21. In der eidesstattlichen Erklärung vom 3.10.1948 schilderte Fechheimer die antijüdischen Vorgänge am 10. November 1938 in Garmisch-Partenkirchen:
„An dem oben genannten Tage wurden meine Frau und ich um 7 Uhr morgens mit
dem Rufe „Juden heraus, Rache für Paris" aus dem Schlafe geweckt und
durch eine Anzahl SA-Leute, die wir in unserem Garten erblickten,
befehlshaberisch aufgefordert, sofort herunterzukommen. Man drängte uns
derart, daß wir uns nur mangelhaft ankleiden konnten. - Frühstück war
natürlich ausgeschlossen - und brachte uns dann in`s Parteihaus, wo wir
warten mußten, bis die Nichtarier des Bezirkes Garmisch-Partenkirchen
zusammengeholt waren.
Am 14.03.1939 meldete das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen der Gestapo München, dass „die Eheleute Fechheimer am 10.11.38 anläßlich der Judenaktion nach der Schweiz ausgewandert" sind. „Die derzeitige Anschrift ist Locarno, Via Massagna Nr. 5."
Am 23.10.1939 teilt die Regierung von Oberbayern mit, dass die Veräußerung des Grundstücks Pl.Nr. 1822 „an das Land Bayern - Forstverwaltung" von dem Garmischer Notar Daimer beurkundet wurde. Der Kaufvertrag vom 25.5.1939 "gemäß §8 der VO über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3.12.1938" enthielt die Klausel, dass die Zahlungen auf ein für das Ehepaar Fechheimer zu errichtendes Sonderkonto zu erfolgen hatte, „über das nur mit Zustimmung des OFPräs Nürnberg sowie des Finanzamts Garmisch-P. verfügt werden darf". Bürgermeister Scheck erwarb das zweite Grundstück, das bis 1938 im Besitz der Familie Fechheimer war, den Bauplatz Nr. 1824, am 27.03.1940 für den Markt Garmisch-Partenkirchen zum Preis von 20000.- RM für 3170 qm. Am 12.4.1940 wandte sich Scheck an das Landratsamt mit dem Ersuchen, für diesen Kauf „die nach der Judengesetzgebung erforderliche Genehmigung" zu erteilen. Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 63049, 63212, 61668, 61665, 61664
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© Alois Schwarzmüller 2006 |
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