Garmisch-Partenkirchen und seine jüdischen Bürger  -  1933-1945

 

 

Hedwig Blum

Hedwig Blum, (*21.4.1883 in Kassel, geb.  Dispeker o. Dispester) zog am 12.12.1934 von München, Jägerstraße 2, nach Garmisch-Partenkirchen in die Archstraße 19 oder 17a. Sie war mit Johann Blum verheiratet, der wohl schon vor dem Umzug nach Garmisch-Partenkirchen verstorben war. Beider Kinder sind Tochter Erika (*20.02.1907) und Sohn Willy (*30.05.1908). Frau Blum kehrte am 14.12.1938 wieder nach München zurück und wohnte dort in der Nussbaumstraße 12.

Im Adressbuch der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen aus dem Jahre 1937 war Erika Blum als Hausbesitzerin in der Archstraße 17a verzeichnet (Fl.Nr. 1448 1/7 a,b).

Am 27.11.1938, wenige Tage nach der „Reichskristallnacht", wandte sich Herr von Meyerin(c)k aus Jüterbog an die Ortspolizei Garmisch-Partenkirchen mit dem Ersuchen, ihm bei der Beschaffung eines Ölbildes („Madonna mit Kind") behilflich zu sein, das er Frau Blum 1924 in München – er war in den Jahren 1923/24 ihr Untermieter in der Jägerstraße 2 - zur Aufbewahrung übergeben habe.

Am 27.01.1939 verkaufte Hedwig Blum das Garmisch-Partenkirchner Grundstück (Archstraße 19, Wohnhaus mit Garten, Fl.Nr.1448 1/7 a,b) an Rechtsanwalt Dr. Otto Leibrecht aus Krailling. Der Kaufvertrag, der von dem Notar Wilhelm Gutbrod (München, Kaufingerstraße 29) beurkundet wurde, wurde gemäß § 8 der Verordnung über den Einsatz des jüdischen Vermögens vom 3.12.38 R.G.Bl. I S.1709 unter der Auflage genehmigt, dass sämtliche Zahlungen aus dem Kaufvertrag auf ein für den Verkäufer zu errichtendes Sonderkonto zu leisten waren, über das nur mit Zustimmung des Oberfinanzpräsidenten München (Überwachungsabteilung) sowie des Finanzamtes München Süd verfügt werden durfte. Außerdem musste Frau Blum umgehend auf das Treuhänderkonto des Beauftragten des Gauleiters und Regierungspräsidenten Wagner (Bayerische Vereinsbank in München No. 208007) den Betrag von 713.- RM für die Bewachung ihres Anwesens bezahlen. Landrat Dr. Wiesend und Bürgermeister Scheck wurden vom Regierungspräsidenten in Kenntnis gesetzt.

Hedwig Blum wurde am 20. November 1941 von München in das Ghetto Kowno deportiert und dort am 25. November 1941 ermordet.

 

Quellen:

Staatsarchiv München - LRA Garmisch-Partenkirchen 61668, 61665

Bundesarchiv: Gedenkbuch - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2006

 

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