Burgrain - der "dritte Ortsteil" von Garmisch-Partenkirchen 1939-1989

 


Die Burgrainer Straßennamen

 

Am Lahnewiesgraben

"Im Jahr 1956 erschlossen und nach der dortigen Flurbezeichnung benannt (vgl. Lahnewiesstr.). Die Lahne nimmt ihren Ursprung in der Enning-Mulde, wird vom Stepberg-Graben gespeist, durchgräbt den Muldenboden zwischen Kramer und Vorderer Felder-Kopf, Brünstels-Kopf, dem Oberauer Sattel, um südlich und oberhalb der Reschbergwiesen den Moränen-/Felsrücken zwischen Schlosswald und Grubenkopf zu durchschneiden. Im Tal hinterließ die Lahne einen breiten Schwemmfächer auf dessen nördl. Aus­läufer der frühere Weiler Aschau stand, der nach 1494 nach Farchant verlegt wurde.

Auf dessen südl. Ausläufer erstreckt sich seit 1939 der Garmisch-Partenkirchner Ortsteil Burgrain. Der Lahnewiesbach fließt seither gebändigt durch den ehemaligen Farchanter Gröben der Loisach zu. Unterhalb der Reschbergwiesen durchfließt der Lahnewiesbach eine tiefe felsige Klamm. An deren oberen Eingang planten die Brüder Alois und Ferdinand Adam 1921 die Errichtung einer Stau­mauer, um ein Spitzenkraftwerk für den stark gestiegenen Stromverbrauch von Garmisch einzurichten. Eine Zuflussmenge von 120 Liter im Minimum bei einem Stauvolumen von 15000 cbm sollte eine Leistung von bis zu 367 PS im Maximum, oder von 150 Kw über täglich 5 Std. er­möglichen. Aus nicht bekann­ten Gründen wurde das zur Genehmigung eingereichte, genau durchgeplante Projekt vom Garmi­scher Gemeinderat am 17. 1. 1921 jedoch trotz überzeugender Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit abge­lehnt."

 

Burgfeldstraße

Unterhalb der Burg Werdenfels, Farchant zu, beim Feldkreuz, stand im Mittelalter das Dorf Aschau. Vermutlich wohnten dort die Bauhandwerker, die beim Burg­bau beschäftigt waren. Der mehrjährige Bau der Burg Werdenfels dürfte kaum von Arbeitern aus dem hiesigen Raum ausge­führt worden sein, da die Errichtung sol­cher Anlagen spezielle Kenntnisse erfor­derte. Das Dorf Aschau ist 1249 erstmals urkundlich erwähnt und wurde Ende des 15. Jhs. abgebrochen. Die Bewohner zo­gen nach Farchant.

Burgrain, damals noch Farchanter Gro­ben genannt, kam erst 1941 (rückdatiert auf 1939!) zu Gar­misch-Partenkirchen. Wieder ist es eine Wohnungsbaugenos­senschaft, die die Siedlung Burgrain in den 60 Jahren erweitert. Der Ortsteil ist inzwischen so angewachsen, dass 1973 ei­ne eigene Grund­schule mit acht Klassen und 240 Kindern in der Burgfeldstraße er­öffnet wird."

 

Feldernkopfstraße

"Im Jahr 1966 wurde dieser Straßenzug nach dem Felderkopf (1818 m) benannt, der sich nördlich der Enningalm in nord­westlicher Richtung von der Kramerspitze erhebt. Die unter dem Felderkopf liegen­de „Feldern" ist eine sehr ebene Alm­weide von ziemlicher Ausdehnung. „Die Velder ist ain Gebürg vnd cöstliche Alben" heißt es in einer Beschreibung aus dem 17. Jh. Und in einer Karte vom ersten Drittel des 19. Jhs. sind dort „Branntwein-Hütten" verzeichnet. Im Gaistal zwischen Ehrwald und Lermoos begegnet uns der Begriff erneut: Hochfeldern-Alm und Feldernjöchl. Der Ursprung dürfte das Feld (Wiesen und Acker) im Gegensatz zum umgebenden geschlossenen Wald sein. Die Bebauung des Gebietes zwischen Lahnewiesgraben und der östl. Forst­straße, spätere Feldernkopfstraße, wird erstmals 1961 durch einen Bebauungsplan geregelt."

 

Grubenkopfstraße

"Der Grubenkopf (968 m) erhebt sich in nordwestlicher Richtung von Burgrain. In einer alten Pfle­gamtsbeschreibung heißt er „Khrupp" was Kuhrücken bedeuten soll. In alten Katasterkarten ist die Be­zeichnung Grubenkopf eingetragen. Die Grubenkopfstraße gehört zum ersten Siedlungsgebiet von Burgrain (siehe Schlosswaldstr.). Es war nicht nur eine Rodung des dichten Waldgebietes nötig, sondern auch die Regulierung der noch weit mäandernden Loisach durch einen ersten Hochwasser­damm. Der vermurte Lahnewiesgraben im Bereich der Mün­dung wurde freigelegt, die stellenweise vorhandenen Holzarchen durch Bruch­steinmauerwerk ersetzt. 1954 verbaute man den Unterlauf des Lahnewiesbaches nachhaltig, 1962 sicherte man den Ober­lauf durch eine Grünverbauung. In das Reschberggebiet des Lahnewiesbaches in­vestierte man 1966/67. Eine Sicherung, Verbauung und Sanie­rung von Weiden und Schutzwald waren 1983 und 1988 erneut Thema, nachdem das Wasser­wirtschaftsamt 1982 feststell­te, dass nach aktueller Kenntnis Burgrain heute nicht mehr gebaut werden dürfte. Nach 1945 konnte in der Grubenkopf­straße ein provisorischer Kindergarten in einer Baracke eröffnet werden und nur zwei Jahre nach dem 2ten Weltkrieg ge­lang es den Burgrainern hier die „Notkirche" St. Michael zu errichten (sie­he Kirchweg und Martin-Luther-Platz). Südlich der Gruben­kopfstraße rang man 1961 dem Gelände durch Aufschüttung und Planierung einen Sportplatz ab. In der Grubenkopfstraße war der Maler August Maninger (1903 - 1981) ansässig, der Landschaftsbilder und Fresken ge­schaffen hat, so ein Altarbild in der Notkirche und an der Grundschule ein Sonnen­uhrmotiv."

 

HirschbichlstraBe

"Im Jahr 1956 nach dem in nordwestlicher Richtung vom Kramer, zwischen Enning und Stepberg gele­genen Hirschbühel (1934 m) benannt.

In dem Büchlein „Sommerfrische Gar­misch", 1889, ADAM-Verlag heißt es überschwänglich: „1 Std. nordwestlich der Hüt­ten (Redaktion: Stepbergalm) der Hirschbichlkopf, einer der lohnendsten Aus­sichtsgipfel". Wäre der hier 1835 - 1854 versuchte Bergbau erfolgreich gewesen, so wäre es mit der Idylle vorbei gewesen. Nomen est omen und so war das Gebiet zwischen Stepberg und Enning - mit­ten­drin  der  Hirschbühel  mit  dem  Hirschbühel-Rücken - auch bevorzugtes Jagdge­biet der Wilderer. Auf den Almwiesen und Hängen war das Rot-, Reh- und Gamswild gut auszumachen und auch auf weite Ent­fernung erlegbar. Einen Grund in das ab­gelegene Gebiet zu gehen, hatte man im­mer, war es doch Garmischer Hochweide­gebiet (seit 1408).

Aber es gab auch einen Hirsch im Tal. Vielleicht war er ja aus den Wäldern hin­terhalb Burgrain. In einem Gehege hielt ihn sich Carl Reiser, der Besitzer des neu erbauten Bayerischen Hof am Bahnhof.

Der 2-jährige Hirsch war der Liebling der Sommergäste und fiel einem „Akt von boshafter Roheit" zum Opfer, wie der Loisachbote am 9. Oktober 1890 berich­tete. So wurde „.. .gegen 3 Uhr morgens dem Kapitalhirsch der Kopf mit dem kräf­tigen Geweihe abgeschnitten und suchten mit demselben das Weite"."

 

Jochstraße

"Im Jahr 1961 nach einer für Gebirgszüge allgemein üblichen alpinen Bezeichnung für eine Einsen­kung benannt. Häufig dient ein Joch als Übergang oder Pass. In Burgrain verbindet dieses Joch meh­rere Straßen in Ost-West Richtung. Völkerverbindend wirkt die Jugendherber­ge, die seit 1960 den jungen Reisenden (bis 27 Jahre) eine Herberge bietet."

 

Kirchweg

"Die Straße wurde 1961 nach der St.-Michaels-Kirche in Burgrain benannt, die 1963 von Erzbischof Julius Kardinal Döpfner konsekriert wurde. Die Kirche ist ein Bau modernen Charak­ters mit einem 43 m hohen Nadelturm. Der Architekt Fritz Strunz hat das Gottes­haus betont schlicht angelegt. Das mäch­tige Buntfenster ist ein Werk des Münch­ner Glasmalers Hollmann. Der einheimi­sche Bildhauer J. Leismüller schuf den symbolisierten St. Michael auf dem Portal, sowie das Taufbecken, den Kruzifixus über dem Altar und den mit Bergkristall geschmückten Tabernakel. Der beeindruckend stilisiert ge­schnitzte und farbig gefasste Kreuzweg ist ein Werk des Bildhauers Karl Buchwieser aus Grainau.

In Gemeinschaftsleistung der etwa 400 Siedler gelang es 1947/48 eine erste Kirche zu errichten, die den kath. und evang. Konfessionsangehörigen gleicher­maßen zur Verfügung stand. Als dann die neu errichtete St.-Michaels-Kirche die Katholiken aufnahm, wurde die sog. „Notkirche" von den Protestan­ten bis zum Bau der eigenen Friedenskirche im Jahr 1974/75 allein genutzt und 1975, baufäl­lig ge­worden, abgebrochen."

 

Lahnewiesstraße

"Lahne oder Laine sollen auf das lat. Wort lavina bzw. labina zurückgehen, das für Lawine, Mure steht und auch Anwendung gefunden hat für Lawinenzüge, Muren­züge, für Gebirgsbäche, die sich in locke­res Gestein, Geröll einschneiden und die­ses mitreißen.

Eine andere Erklärung schreibt die Her­kunft dem Althochdeutschen zu. Dort be­deutet es soviel wie wild fließendes Wasser. Von der Kramer-Nordseite fließen dem Lahnewiesbach die Alple-Lahne und Neuweid-Lahne zu.

Davon zu unterscheiden ist das Wort Lah­ner, das eine Lichtung bezeichnet, die sich Richtung des Berggefälles erstreckt. Ihren Ursprung sollen diese Lahner in Waldab-rutschungen haben. So finden sich unter­halb des Vorderen Felderkopfes, die Ört­lichkeiten Breit-Lahner und Hütten-, bzw. Stauden-Lahner."

 

Martin-Luther-Platz

"Die Benennung erfolgte in Erinnerung an den berühmten protestantischen Reforma­tor Martin Luther (1483 -1546).

Nach 27 Jahren z. Teil gemeinsamer Nutzung der „Notkirche“ (siehe Kirchweg) mit den Katholiken wurde 1975 am Martin-Luther-Platz die Friedenskirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde Burg­rain – Farchant – Oberau geweiht. Die jahrelange gemeinsame Nutzung der „Notkirche“ schien zu manchen Gemeinsamkeiten geführt zu haben, denn die neu erbauten kath. Und evang. Kirchen ähneln sich hinsichtlich des Daches und Turmes. Eine der beiden Glocken der Friedenskirche wurde aus der Notkirche übernommen."

 

Notkarstraße

"Im Jahr 1956 benannt. Von Burgrain, Garmisch-Partenkirchen und Farchant sieht man gegen Ettal zu einen hohen breitgezogenen Bergstock, der von Gras­matten und Latschen überzogen ist. Das ist die Not.

Genauso heißt auch der äußerste nord­westliche Gipfelteil (1704 m), während der südwestliche eigent­liche Gipfel Not­karspitze heißt, nach dem Notkar, das sich unterhalb des Grates ausbreitet. 1919 stellte die Alpenvereinssektion Garmisch-Partenkirchen hier ein Gipfelkreuz auf. Die Not hat ihren Namen von der auf dem östlichen Hochrücken (Ochsensitz) liegenden Not-Alm, die früher angeblich nur in Zeiten knappen Futters bestoßen wurde. Vielleicht schafft dies eine Verbindung zu Burgrain, das ja als Erwerbslosensiedlung geplant war."

 

Riedwiesenstraße

"Diese Bezeichnung deutet entweder auf „Reuten" hin, was Roden, Abholzen be­deutet oder auf eine bestimmte Grasart, das Ried (Schilf, Sumpf gras). Letzteres dürfte hier den Standort treffend beschrie­ben haben, denn bei der Besiedlung 1949/1950 bereitete der hohe Grund­wasserstand und ein Feuchtgebiet Prob­leme.

Nach der Siedlung, die vor dem 2ten Weltkrieg am Farchanter Groben gegrün­det wurde, war dies der zweite Sied­lungsteil der zwischen dem Schwaig- und Lahnewiesgraben entstand. Manch Ver­triebene erhielten dank der „Gemeinnüt­zigen Wohnungsbaugenossenschaft Garmisch-Partenkirchen" eine neue Heimat."

 

Rossalmweg

"Im Jahre 1961 nach einer Flurbezeichnung Die Rossalm liegt auf 1327 Meter Höhe zwischen Brünstels-Kopf (1814 m) und Notkarspitze (1888 m) in nord-westlicher Richtung vom Ortsteil Burgrain. Ob es Entgegenkommen oder Dominanz war; dass man eine Straße in Burgrain nach einer Farchanter Alm benannt hat, wo doch die Garmischer Burgrain ursprünglich auf Farchanter Flur errichten? Ande­rerseits kam die Rossalm auch erst um 1810 vom Kloster Ettal zur Farchanter Gemeindeflur. Erst 1960 erhielt Farchant auch einen Geländeausgleich für Burgrain von Garmisch.

Die Rossalm umfasst 164 ha, wo früher bis zu 18 Pferde gesömmert wurden. Die Weidezeit dauerte von Ende Juni bis Ende September. Ein Almsommer war früher nicht ganz ungefährlich für Mensch und Tier, wurde doch 1698 „nägst ob der Hütten auf ainem erfallenen Roßluder“ ein „Schlagpärn“ erlegt."

 

Schloßangerstraße

"Nach einem Flurnamen der dortigen Gegend benannt. Der Schloßanger ist ein weitläufiges, westlich, etwas unterhalb der Burg Werdenfels (heute Ruine) gelegenes Wiesengelände.

Es diente als Viehweide und Pferdekop­pel, auch ein Acker und ein kleiner Fischteich waren angelegt. In einem Sta­del wurden Stroh, Heu und Baumateria­lien, wie Legschindeln, Ersatzdeiken und Schnitt­holz gelagert. Auch ein Hunde­zwinger für die Jagd und Wachhunde wur­den auf dem Anger, nahe dem Schlosstor angelegt.

Früher wurde die Burg Werdenfels im Volksmund Schloss genannt. Nach der Säkularisation 1803 kam die Burgruine in Besitz des Kurfürstentums bzw. Königreichs und wurde 1822 an den bayer. Staatsrat Ignaz von Rudhart ver­kauft.

Der Kronprinz Maximilian, der Vater König Ludwig II., hatte in seiner Kron­prinzenzeit Interesse an der Burg gezeigt und wollte sie auf- und ausbauen, was an­geblich am geforderten Kaufpreis geschei­tert sein soll. Statt dessen kaufte er eine Burgruine nahe Füssen und baute sie zum bekannten Schloss Hohenschwangau aus. Wäre es anders verlaufen, hätte vielleicht Ludwig II. das Schloss Neuschwan­stein bei uns errichtet."

 

Schloßwaldstraße

"Der heutige Name beruht auf einer Flur­bezeichung. Der Schloßwald steht mit der Burg Werdenfels im Zusammenhang, (vgl. auch Schlossangerstr.).

Es waren 1932 mehrere arbeitslose Bau­arbeiter und Zimmerleute, die nicht untätig sein, sondern die Zeit nutzen woll­ten, um sich ein eigenes Heim zu schaf­fen. So stellten sie einen Antrag auf Zu­lassung einer Rand-Klein-Siedlung. Dies wurde von der Gemeinde Garmisch be­grüßt und auch von u. a. der Baugewerk­schaft. Zuerst war die Hausbergstraße als Siedlungsgebiet im Gespräch. 1938 wur­de die Idee wieder intensiviert und als Standort der nördl. Ortsrand von Gar­misch vorgeschlagen, wobei man auf Farchanter Grund zurückgreifen wollte, den sog. Farchanter Gröben, wo man Flächen aufkaufte. Das Bauvorhaben wurde von der Münchner gemeinnützigen Siedlungs­gesellschaft „Oberbayrische Heimstätte" unter tatkräftiger Mithilfe der zukünftigen Siedler durchgezogen. Zuerst musste das große Wald- und Wildnisgebiet im Mün­dungsbereich des Lahnewiesbaches gero­det werden. Volkswoh­nungsblocks (Mehr­familienhäuser), Einfamilienhäuser und Straßen (Schlosswald, Grubenkopf- und Lahnewiesstraße) entstanden bis 1939/40, Gartenland zur Selbstversorgung und drei Einkaufsläden wurden nicht verges­sen. 1939 beantragte das große Garmisch-Partenkirchen die Eingemeindung, aber erst 1941 gab Farchant nach, dafür rück­wirkend auf 1939."

 

Steigfeldstraße

"Nach einer Flurbezeichnung der dortigen Gegend benannt, die auf das leicht anstei­gende Gelände zwischen Farchant und Garmisch-Partenkirchen hinweist. Die Steigfeldstraße ist zeitgeschichtlich in­teressant: Die politischen Unruhen durch die Bildung einer Räteregierung in Mün­chen nach dem 1. Weltkrieg ließen auch das Werdenfelser Land nicht unberührt. Im April 1919 versuchte nämlich eine Gruppe so genannter Spartakisten mit Lastwagen und Waffen in Garmisch ein­zudringen um angeblich hiesige Behörden zu besetzen. Unterwegs wurde das Kommando in Höhe der Steigfeldstraße (heute Ortsteil Burgrain) von der Gar­mischer Bürgerwehr gestoppt und zurück­geschlagen.

Die Steigfeldstraße mündete früher als ge­rade Verlängerung, die Bahn unterquerend, nahe der Loisach, in Höhe der Münchner-/Partenkirchner Straße in die­se ein.

Es war dies die offizielle Verbindungs­straße zwischen Farchant und Garmisch, bevor nach Planungen von Mitte der 30er Jahre 1939 die Farchanter Straßengabel vor der Bahn mit dem Abzweig nach Burgrain geschaffen wurde. In Verlängerung der alten Steigfeldstraße errichtete 1974 die Gemeinnützige Deut­sche Wohnungsbaugesellschaft des Os­tens Wohngebäude für Staatsbeamte und -angestellte. Erstmals im Landkreis wurde dabei für eine Siedlung ein Lärmschutz­wall errichtet."

 

Ziegweg

"Die Straße wurde 1961 angelegt und nach der Ziegspitze (1.864 m), einem Aussichtsberg westlich der Steppbergalm, benannt.

Die korrekte Bezeichnung Ziegspitzweg vermied man wegen der Verwechslungs­gefahr mit Zugspitzstraße. Dies ist auch schon deshalb berechtigt, weil deren bei­der Wortherkunft die Gleiche ist, nämlich „Zug" im Sinne von Bahn, Weg. Also Spitze über z. B. einem Lawinenzug bzw. mehreren. Denn wäre die Ziege gemeint gewesen, hätte man sie wohl Goaßspitz (Geisspitze) genannt.

Der Latschen- und Graskamm der Hohen Ziegspitze sieht von unten recht harmlos aus. Es ist aber sinnvoll, sie nur über den Rotmoos-Sattel oder die Stepbergalm und Vordere Ziegspitze (1815 m) zu erwan­dern. Die Flanken sind stark zerklüftet und mit dichten Latschenfeldern durchsetzt. Ein Anstieg über das Jackelbergerköpfel oder den Buchbergwankel nötigt daher dem Führer „Ammergauer Alpen" von Dr. G. Haber (1958) eine Beschreibung wie bei einer großen Klettertour ab."

 

Die vorstehenden Texte wurden wörtlich übernommen aus der verdienstvollen Darstellung von:

Peter Adam und Anton Jocher, Die Straßennamen von Garmisch-Partenkirchen. Namensherkunft und historische, zeitgeschichtliche sowie volkskundliche Begebenheiten rund um unsere Straßen (Adam-Verlag, Garmisch-Partenkirchen 2001)

 

Werdenfelser Straße

Die Bundesstraße 23 wurde mit der Eröffnung der Ortsumgehung von Farchant am 27. Mai 2000 auf die neue Verbindungsspange zwischen dem Verkehrsverteiler am Brünnl und der Siedlung am Weidlegraben verlegt. Die B-23-alt zwischen der Straßengabel Farchant und dem Anschluss der B-23-neu an die Burgstraße erhielt den Namen „Werdenfelser Straße“. Hausnummern wurden nicht vergeben. Die Namensgebung geht zurück auf die Burg Werdenfels.

Einige Jahre später, etwa 2010, wurden an Stelle des großen Stadels von Gut Schwaigwang mehrere Wohnungen errichtet. Sie erhielten die ersten Hausnummern "Werdenfelser Straße Nr. 1, 3, 3a, b, c, d".

 

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur 1945 wurden drei Straßen in der „Alten Siedlung“ umbenannt:

Die Lahnewiesstraße trug bis 1945 den Namen Josef-Weber-Straße.

Josef Weber war aktiver Nationalsozialist und Mitglied der SA. In Grafing bei München starb er 1931 bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit politischen Gegnern.

Die Schloßwaldstraße trug bis 1945 den Namen Wilhelm-Wolf-Straße.

Wilhelm Wolf, Kaufmann, geb. 1898, gehörte 1923 zu den Helfern Hitlers bei dessen Putschversuch gegen die demokratische bayerische und deutsche Republik. Er wurde beim „Marsch auf die Feldherrnhalle“ in München von der Bayerischen Landespolizei erschossen.

Die Grubenkopfstraße trug von 1941 bis 1945 den Namen Mathias-Mann-Straße.

Matthias Mann, Mitglied der Rosenheimer Ortsgruppe der NSDAP, wurde 1925 durch eine Messerstecherei "Märtyrer der Bewegung". 1898 im württembergischen Oberbalzheim bei Laubheim geboren, seit 1922 Mitglied der NSDAP, war nach dem Ersten Weltkrieg Gendarmeriewachtmeister in Rosenheim und Lenggries, dann Vertreter bei der Rosenheimer Mineralöl- und Brennstoffhandel GMBH:
"Am 27. Juni 1925 gerät Mann im Gasthaus "Beflügeltes Rad" gegen 1.30 Uhr nachts mit einem anderen späten Gast, Martin Gruber, in Streit über seine Teilnahme am 1. Weltkrieg. Die nun folgende Schlägerei, an der neben Mann und Gruber auch dessen Bruder, der Bahngehilfe Sebastian Gruber, der Hilfsarbeiter Albert Stadler und der Galvaniseur Josef Staudinger beteiligt waren, wurde vor dem Wirtshaus fortgesetzt, wobei Matthias Mann durch einen Messerstich tödlich verletzt wurde."  Quelle: http://www.stadtarchiv.de/index.php?id=489)


 

© Alois Schwarzmüller 2005

 

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