Burgrain - der "dritte Ortsteil" von Garmisch-Partenkirchen 1939-1989

 


30 Jahre Fischereiverein Burgrain e.V. 1965 - 1995

Eine Chronik von Alois Schwarzmüller anlässlich der Fahnenweihe im 30. Jahr der Vereinsgeschichte

Teil 1:  1965-1971

 

Zur Vorgeschichte

Die „Siedlung am Farchanter Grö­ben“ - seit 1948 mit dem schönen und ge­schichtsträchtigen Namen „Burgrain“ bezeichnet - wuchs in ihrem ältesten Teil in den Jahren 1939 und 1940 aus dem kargen Schotterboden nördlich des Loisachbogens zwischen Lahne­wies­graben und Burgstraße auf der als „Anschütten“ bezeichneten Flur. Die Zeiten des Burgrainer Beginns wa­ren hart, karg und unfriedlich - der Zweite Weltkrieg drängte nur allzu oft mit Not und Tod  in die kleinen Sied­lerhäuser. An geselliges Ver­einsleben war nicht zu denken.

Alltagssorgen bestimmten das Den­ken und Handeln der Menschen auch lange Jahre nach Kriegsende noch und weniger die Frage, wie man am besten die Freizeit ver­bringt. Im Ok­tober 1945 wurde der erste Kindergar­ten eingeweiht, ne­ben ihm entstand zwei Jahre später ein hölzernes Not­kirchlein, dem Hl. Michael geweiht, von Protestanten und Katholiken glei­chermaßen zum Dienst an Gott be­sucht.

Und abermals wurden  Wohnungen und Siedlungshäuser gebaut. Zwi­schen Lahnewiesgraben, Golfplatz und Burgstraße wuchs bis 1950 die „Neue Siedlung“ heran -  ein Dach über dem Kopf für hundert Familien.

Das erste Burgrainer Wirtshaus - es wurde 1951 eröffnet und trug den damals überaus modernen, das be­ginnende Autozeitalter signalisie­ren­den Na­men „Rasthaus“ - ermög­lichte dem größer  werdenden „Vor­ort“ von Garmisch-Partenkir­chen neue For­men der Geselligkeit.

Vorgemacht haben es die Sportler. Im März 1952 wurde Burg­rain sozusagen „sportlich souverän“. Aus der geplan­ten Gründung einer Schützengesell­schaft ging der „Sport-Club Burgrain 1952“ hervor. Das schlug ein. Die Tischtennisab­tei­lung und die Sport­schützen, eine Skiabteilung und na­türlich die Eis­stockschützen belebten und beleben mit Turnieren und Sie­gesfeiern, mit Vereinsversammlungen und Famili­enausflügen das gesellige Leben des kleinen Ortsteils - der all­jährli­che Trimm-Trab vereint bis auf den heutigen Tag sportliche und we­niger sportliche Mitglieder und Freunde des SC Burgrain zum fröhli­chen Fest.

Und das ist gut so - das haben sich damals auch die passionierten Fischer und Angler gedacht, die im Februar 1965 die „Burgrainer Fischerzunft“ aus der Taufe hoben. Der Vereins­name hat sich zwar im Laufe der Jahre geändert (ein Schicksal, das ihn mit dem „Rasthaus“ verbindet) - die Fischer aber  gehören bis auf den heutigen Tag wie der Sportclub und die Siedlervereinigung, wie der Her­renclub und die Spätheimkehrer zu den lebendigen Gemeinschaften, die ein wesentlicher Bestandteil des Bur­grainer Eigenlebens, seines manchmal noch dörflichen Cha­rakters und seiner gu­ten nachbar­schaftlichen  Beziehungen sind.

Das jährliche Fischerfest im Wirtsgar­ten unseres „Rasthauses“ verbindet jung und alt. Begeisterte Petri-Jünger sitzen mit weniger fachkundigen, aber genießerischen Fischliebhabern beim Steckerlfisch an den Tischen, enträtseln gemeinsam das Burgrainer Anglerla­tein und erfreuen sich an den zünftigen Klängen der Schloßberg-Musi.

 Wie sich das alles bei den Burgrainer Fischern aus kleinen An­fängen entwickelt hat, das soll nun erzählt werden - so gut es geht, denn der Chronist liebt zwar den Rotbarsch, eine Angel hat er aber noch nie in Händen gehalten.

 

1965 - Das Gründungsjahr

In aller Bescheidenheit hielten die Burgrainer Fischer - etwa ein hal­bes Dutzend zu Beginn der sechzi­ger Jahre - zunächst einmal beim Kreis­fischereiverein Garmisch-Partenkir­chen Anfrage, ob sie nicht dort Auf­nahme finden könnten. Zu den ge­wünschten Arbeitseinsätzen als Voraus­setzung für den Beitritt - etwa zum Abfischen in der Isar - wären die Burgrainer gerne be­reit gewesen.  Aber die Vor­standschaft des Kreisfischereivereins  war - aus welchen Gründen auch immer - nicht ge­neigt, die Fischer aus Bur­grain aufzunehmen.

Die Enttäuschung war groß. Jetzt erst recht, hieß es daraufhin; und so wurde dann schon bald die Idee gebo­ren, doch einen eige­nen Burgrainer Verein ins Leben zu rufen.

Am 9. Februar 1965 war`s so­weit: Im „Rasthaus“ schritten die ­Gründerväter zur Tat - Otto Oswald sen., sein Sohn Otto, Hans Rahm und Martin Härter hoben die „Fischerzunft Burgrain“ aus der Taufe.

Die erste Vorstandschaft des jungen Vereins war bald gefunden: 1. Vorstand  wurde Martin Härter, 2. Vorstand Otto Oswald sen., die Kasse führte Otto Oswald jun. und das Amt des Schriftführers wurde von Anton Schmalzl übernommen. Sat­zungsgemäß sollten sich an jedem zweiten Mittwoch im Monat die Ver­einsmitglieder im „Rasthaus“ treffen; damit wurde auch die traditionelle Beziehung zum ältesten Burgrainer Wirtshaus begründet. Wirt und bald auch schon Ver­einsmitglied war in diesen Tagen Matthias Ludwig.

In den Verein konnte aufgenom­men werden, wer eine Gebühr von 10.- DM bezahlte. Streng wachte die Sat­zung über das Beitragsge­baren der Fischer: „Wenn ein Mit­glied länger als zwei Monate sei­nen Beitrag (monatlich 2.- DM) nicht bezahlt, wird dies als Kündi­gung angesehen“, so steht  es kurz und bündig in den Vereinsbestimmungen.   

 Und hier ist die Liste der ersten Mit­glieder der Burgrainer Fischer­zunft (vom 9. Februar 1965 bis zum 1. Juni 1966):


Greif Josef jun.
Greif Josef sen.
Härter Fritz
Härter Martin
Henk Karl
Huber Konrad
Kerber Anton
Kirmaier Alfred
 

 

Ludwig Matthias
Oswald Otto jun.
Oswald Otto sen.
Rahm Hans
Rappensberger Martin
Resch Andreas
Schmalzl Anton
Schmid Josef

Im Herbst des Gründungsjahres 1965 veranstaltete die Zunft das erste Preisfischen. Sieger wurde Otto Os­wald jun., er zog zwei Hechte aus den Fluten des Bayersoier Sees. Alfred Kirmaier erwarb sich  mit zwei Aalen den zweiten Preis, den dritten errang Hans Rahm mit einer Schleie. Josef Schmid und Anton Schmalzl mussten sich mit einem Trost­preis für die kleinsten Fische begnü­gen.

 

1966 - Ein neuer Vereinsname

Nach dem Kauf des ersten vereinseigenen Ruderbootes wurde im Februar die ordentliche Jahres­hauptversammlung des jungen Vereins eröffnet. 11 Mitglieder waren anwesend. Sie sprachen sich für eine Änderung des Ver­einsnamens aus, „weil der Name Fischerzunft Burgrain von mehre­ren  Mitgliedern nicht als richtig befunden“ wurde, wie man heute noch im Protokoll nachlesen kann. Es wurde beschlossen, dass der Verein von nun an die Bezeich­nung „Sportfischerei-Verein Bur­grain / Garmisch-Partenkirchen“ tragen sollte.

Außerdem sprach man sich dafür aus, die Vereinsbürokratie zu ver­ringern und die Neuwahl der Vor­standschaft nur noch alle drei Jahre durchzuführen. Der Beschluss, den umgetauften Verein nun endlich ins Vereinsregister eintragen zu lassen, wurde ebenso einstimmig gefasst wie die An­nahme der neuen Vereinssatzung.

Die noch nach den Regeln der alten Satzung fällig gewordene Neuwahl legte dann die Vereinsge­schicke - erstmals für drei Jahre - in die Hände erprobter Vereinsmitglieder: 1. Vorstand wurde Alfred Kirmaier, 2. Vorstand Otto Oswald sen., sein Sohn Otto Oswald jun. übernahm wieder die Kasse und  Anton Schmalzl wurde erneut zum Schriftführer gewählt.

Die Burgrainer Fischer waren na­turgemäß nicht  an sat­zungsmäßigen Vereinsmeiereien und anderen Trockenübungen in­teressiert. Der neue Vorstand be­gab sich schon bald auf die Suche nach einem geeigneten Fischwas­ser, das entweder noch nicht von einem anderen Fischereiverein befischt wurde oder das frei wurde. Aus diesem Grund erhielt der Kreisfischereiverein Garmisch-Partenkirchen im März die Mittei­lung, dass im Ortsteil Burgrain ein Sportfischereiverein gegründet worden war. Verbunden wurde diese Meldung mit der Bitte, den Burgrainer Fischern „eines Ihrer vielen Gewässer zu überlassen oder unserem Verein eine Möglich­keit zu geben, die Fischerei auszu­üben.“ Die Burgrainer waren vor allem am Altwasser Aachenrain interessiert, „das Ersuchen blieb jedoch erfolglos“ und die Bezie­hungen gespannt.

Während der Erfolg bei der Suche nach einem eigenen Fischwasser noch auf sich warten ließ, wurde im August unverdrossen das zweite Preisfischen in der Vereinsge­schichte durchgeführt. Martin Rap­pensberger konnte aus dem Bayer­soier See einen „kapitalen Karpfen“ angeln und damit den Sieg errin­gen.

Bei der Weihnachtsfeier mit Christbaumversteigerung - „sämtliche Mitglieder mit Frauen sind anwesend“ - konnte der Vor­sitzende voller Freude feststel­len, dass mit zwölf  Versammlungen im Gründungsjahr der Vereins­zweck von den Mitgliedern bestens angenommen worden war.

Am Ende des Jahres 1966 hatte der Verein schon die folgenden 20 Mitglieder: Josef  Greif  jun., Fritz Härter, Martin Härter, Karl Henk, Konrad Huber, Anton Kerber, Alfred Kirmaier, Matthias Ludwig, Herbert Nominikat, Hans Oswald, Otto Oswald jun., Otto Oswald sen., Hans Rahm, Martin Rappensberger, Helmut Reinel, Andreas Resch, Anton Schmalzl, Josef Schmid, Hans Wanninger und Georg Finkenzeller

 

1967 - Eintrag ins Vereinsregister

Das Jahr begann mit einem Fischessen, der Karpfen wurde von Otto Oswald sen. gestiftet.

Am 17. Januar wurde der Verein schließlich „amtlich“: Es erfolgte die  Eintragung des Vereins in das Vereins­register beim Amtsge­richt Garmisch-Parten­kirchen. Unter Band V Nr. 103 lfd. Nr. 1 als Sportfischereiverein Burgrain e.V. Garmisch-Partenkirchen.

Die Jahreshauptversammlung, 13 Mitglieder waren anwesend, beschloss, vorerst keine weiteren Mitglieder aufzunehmen.

Den Höhepunkt des Vereinsjahres bildete das 3. Preisfischen. Der damalige Chronist hielt die Stimmung fest: „Es war ein wunderbarer Fischertag. Ab 6 Uhr früh entspann sich ein hartes Ringen um die schönen Preise. Spät am Abend, als der Tag schon zur Neige ging, schlichen die abgekämpften Fischer mit frohen Gesichtern der Sammelstelle zu.“

 

1968 - Otto Oswald sen.

Nachdem der Verein nun alle Hürden auf dem Weg zum Vereinsregister genommen hatte, wollte man den nächsten Schritt auf dem Weg zum anerkannten Fischereiverein gehen und stellte daher beim  Sportfischereiverband Oberbayern einen Aufnahmeantrag. Die entscheidende Hürde konnte man aber nicht im ersten Anlauf überwinden: Es wurden, wie man erfuhr, nur Vereine aufgenommen, die mindestens 25 Mitglieder haben.

Also hob die Jahreshauptversammlung im März die Entscheidung des Vorjahres, keine weiteren Mitglieder aufzunehmen, wieder auf und beschloss, die Mitgliederzahl auf 25 zu erhöhen. Damit sollte das einzige Hindernis auf dem Weg zur Mitgliedschaft im Sportfischereiverband Oberbayern aus dem Weg geräumt werden. Das erste Mitglied, das begrüßt werden konnte, war  Klaus Trautwein, der neue Wirt des Vereinslokals „Rasthaus Burgrain“.

Nur wenige Wochen später traf den Verein ganz unerwartet und hart ein schwerer Schlag: Am 22. April 1968 verstarb der geistige Vater und Gründungsinitiator des Vereins, Otto Oswald sen. im Alter von 63 Jahren. Mit ihm verloren die Burgrainer Sportfischer nicht nur ihren 2. Vorstand, sondern auch einen menschlich wie fachlich unübertroffenen Fischerkameraden.

Hans Wanninger wurde im Juni von den Mitgliedern mit der Nachfolge von Otto Oswald sen. im Amt des 2. Vorsitzenden beauftragt. Im August des Jahres 1968 wurde zum ersten Mal das Otto-Oswald-Gedächtnis-Fischen am Walchensee durchgeführt. Dazu wurde von den Söhnen des Verstorbenen ein Wanderpokal gestiftet, der seither an das verdienstvolle Wirken des Verstorbenen im Burgrainer Fischereiverein erinnert.

Mit der Teilnahme an auswärtigen Wettbewerben stellten sich die Burgrainer im Sommer des Jahres 1968 erstmals und recht erfolgreich der benachbarten Konkurrenz: Beim Großen Preisfischen des Angelsportverein Pfaffenwinkel/Weilheim am Pollinger Weiher  mit 218 Sportanglern gewann Anton Schmalzl mit dem schwersten Karpfen von 6100 g die Goldene Mitschel.

Die Geschehnisse des Jahres ließ man bei der Weihnachtsfeier noch einmal Revue passieren. Dabei erntete Helmut Reinel mit einem selbst gedrehten Film sehr viel Beifall.

 

1969 - Der Poistelsauer Weiher

Im Februar erneuerte der Verein das Aufnahmegesuch in den Oberbayerischen Sportfischerverband, und diesmal war man erfolgreich: der Verein konnte 25 aktive Mitglieder nachweisen, so dass der Mitgliedschaft nun nichts mehr im Wege stand.

Bei der Jahreshauptversammlung wurde die Vorstandschaft mit Alfred Kirmaier, Hans Wanninger, Otto Oswald und Anton Schmalzl von den 22 anwesenden Mitgliedern einstimmig bestätigt:

Im Laufe des Jahres traf der Verein dann noch zwei wichtige Entscheidungen: Zunächst wurde die vertragliche Vereinbarung mit  Horst Spilger am Walchensee wegen Besitzerwechsels  aufgehoben. Im Oktober konnte dann mit Hans Keller und Josef Bertl ein Pachtvertrag für den Perstelauer Weiher auf zehn Jahre abgeschlossen werden. Der Kauf von zwei Fischerbooten beschloss das Jahr.

Mitglieder wurden nicht aufgenommen.

 

1970 - Die Fuchsgrube

Bei Jahresbeginn wurden Andreas Felber, August Paul und Andreas Hibler als neue Vereinsmitglieder aufgenommen. Im Mai konnte der Weiher Fuchsgrube bei Habach von Andreas Felber gepachtet werden.

Vom Preisfischen am Bayersoier See schwärmte der damalige Berichterstatter: „Es war wie immer ein schönes Preisfischen in unserem Kameradschaftskreise.“ Im gleichen Atemzug stellt er freilich auch fest,  „dass der Sportfischer immer weniger Raum findet, um sein schönes Hobby ausführen zu können.“ Über die Gründe für diese Entwicklung schweigt er sich allerdings aus.

 

1971 - Die Poistelsau wird aufgegeben

Im März  wurde von der Mitgliederversammlung beschlossen, den Weiher Perstelsau wieder aufzugeben, da er trotz vielfältiger Bemühungen nicht wasserdicht gemacht werden konnte.

Der Pachtvertrag für den Weiher Fuchsgrube in Habach wurde dagegen im Herbst des gleichen Jahres bis 1981 verlängert.

Und schließlich spielte das Jahr 1971 für die Burgrainer Fischer eine ganz besonders wichtige Rolle: Nachdem Fritz Härter eine prächtige Königskette gestiftet hatte, wurde am Fernweiher bei Habach das erste Königsfischen in der Vereinsgeschichte durchgeführt. Josef Greif durfte mit einem Aal von 95 cm Länge als erster die Kette des Burgrainer Fischerkönigs tragen.

 

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2005

 

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