Richard Strauss und die "Olympia-Propaganda"

 

 

An der Garmischer Zoeppritzstraße erbaute sich Richard Strauss (1864-1949) zusammen mit seiner Frau Pauline in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ein prächtiges Landhaus. Von 1908 bis zu seinem Tod war es ihm ein schöpferisches Refugium am Rande einer ruhelosen Welt, deren Mittelpunkt als zeitgenössischer Komponist zu sein er andererseits durchaus genoss. Dass immer mehr Menschen gleich ihm Gefallen fanden am Blick aufs Wettersteingebirge, dass aus der "Sommerfrische" der "Fremdenverkehr" wurde, das behagte ihm freilich nicht so sehr. „Ich gehöre nämlich zu den Leuten," so schrieb er im April 1914, "die es im höchsten Grade bedauern, dass unser schönes Bayernländchen so unermüdlich den Fremden „erschlossen“ und den Einheimischen verschandelt wird.“

In dieser Haltung blieb er sich treu. Die Bewerbung der Märkte Partenkirchen und Garmisch um die Olympischen Winterspiele 1936, die seit 1931 die Honoratioren, die Spekulierer und die Sportbegeisterten in Atem hielt, sah er mit Misstrauen. Dass er via "Bürgersteuer" den "Sportunfug" auch noch  mitfinanzieren sollte, lehnte er entschieden ab, wie dieser Brief an den Garmischer Gemeinderat zeigt:

 

Abschrift

Garmisch, 1.2.33
Dr. Richard Strauss
An den Marktgemeinderat Garmisch

In der Annahme, dass die neue Bürgersteuer zur Deckung der Unkosten des Sportunfugs und der vollständig unnötigen Olympia-Propaganda dient, erhebe ich dagegen Einspruch, ersuche, da ich keinerlei Sportanlagen: Bobbahn, Skisprunghügel etc. benütze, auch auf die Triumphbögen am Bahnhof gerne verzichte, mich von der Steuer zu befreien und diejenigen damit zu belasten, die ein Interesse an Olympiaden und derartigem Schwindel haben.

Mein Portemonnai ist genügend belastet durch Staatsteuern für Faulenzerunterstützungen, soziale Fürsorge genannt und durch den in Garmisch besonders grassierenden Hausbettel.

Hochachtungsvoll ergebener
gez. Dr. Richard Strauss

 

Für die Richtigkeit der Abschrift:
Garmisch, den 17. April 1934.
Marktgemeinderat: gez. Thomma 1. Bürgermeister

 

Quelle:
Bundearchiv Berlin R 8076/689

Literatur:
Christian Wolf und Jürgen May, Bei Richard Strauss in Garmisch-Partenkirchen (München 2008)
Michael Schmidt, Richard Strauss oder: Der ambivalente Musikzauberer (Deutschlandfunk 25.07.2010)

 

 

 

© Alois Schwarzmüller 2010

 

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